# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 07 19_S202 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſich entſchloſſen, den Verſuch zu machen, eine den Bedürfniſſen der Kirche angemeſſene Viertel⸗ jahrsſchrift zu gründen. — Er nimmt bei dieſem Unternehmen die Unterſtützung und Mitwirkung der Kirche im allgemeinen, vornehmlich aber ſeiner Brüder im Predigtamte, in Anſpruch; und damit dieſe mit der gebührenden Einſicht han deln mö⸗ gen, läßt er hiernächſt eine Darſtellung des Zweckes dieſer Zeitſchrift, und der bei der Leitung derſelben zu beobachtenden Grundſätze, folgen. Mit jedem Jahre erken nen wir deutlicher, wie ſehr die Lutheriſche Kirche in dieſem Lande eines literariſchen Organs bedürfe, vermittelſt deſſen ſie ausführlich und unverhohlen ihre religiöſen und theologiſchen Anſichten ausſprechen könne. Unſere wöchentlichen Blätter ſind nothwendigerweiſe von populärem Charakter, und die täglichen Bedürf⸗ niſſe und Neuigkeiten der Kirche, ſo wie alle Ge⸗ genſtände, die in das eigenthümliche aber um⸗ faſſende Gebiet einer Zeitung fallen, bieten den⸗ ſelben reichlichen Stoff zu Mittheilungen dar. Abhandlungen von größerer Länge finden in ſol⸗ chen Blättern keinen Raum, oder ſind, wo ſie ein⸗ gerückt werden, der Mehrzahl der Leſer unwill⸗ kommen. — Von ſämmitlichen Vierteljahrsſchrif⸗ ten, die in dieſem Lande erſcheinen, fühlen ſich un⸗ ſere Lutheriſchen Schriftſteller und Leſer auf zweier⸗ lei Weiſe abgeſtoßen — entweder werden Artikel, in welchen die Eigenthümlichkeiten des Luther⸗ thums entſchieden ans Licht treten, in jene Schrif⸗ ten gar nicht aufgenommen, oder es ſind dieſe von ſo entgegengeſetztem Charakter, — in irgend einer Beziehung tritt in denſelben die ſectiriſche Richtung ſo grell hervor, daß ſie unſerm Ge⸗ ſchmack nicht minder als unſern Grundſätzen zu⸗ wider ſind, und dieſer Uebelſtand würde durch die gelegentliche Aufnahme eines in anderem Geiſte verfaßten Artikels vermittelſt des Contraſtes nur verſchlimmert, oder zum Mindeſten auffallender werden. Und doch iſt dieſe Art Literatur von ſolcher Wichtigkeit, daß wir ſie nicht entbehren können, und ſo kommt ſie denn, von Jahr zu Jahr, unter unſern Predigern und Gemeinde⸗ gliedern immer mehr in Umlauf. Wir ſind keineswegs geſonnen, über dieſe Zeit⸗ ſchriften, deren mehrere von ſehr talentvollen und geiſtreichen Männern geleitet werden, ein abſchätzi⸗ ges Urtheil zu fällen; aber dennoch geſtehen wir offen, daß wir ſie aus unſerer Kirche zu verdrän⸗ gen und unſere Gemeindeglieder von der gegen⸗ wärtig unleugbar beſtehenden Nothwendigkeit, ſich eine oder die andere derſelben zu halten, zu be⸗ freien wünſchen. Wir glauben dieſen Zweck da⸗ durch erreichen zu können, daß wir ihnen eine Schrift von ähnlicher Beſchaffenheit darbieten, welche, anſtatt unſere Anſichten anzufeinden oder zu ignoriren, dieſelben in Schutz nehmen, ver⸗ theidigen, und ins gehörige Licht ſtellen ſoll. — Dazu kommt noch, daß ein unermeßliches Feld vorhanden iſt, welches auf die Beachtung unſerer Theologen und denkenden Män ner die gerechteſten Anſprüche hat, für deſſen Bearbeitung aber un⸗ ſerſeits bisher noch gar wenig geſchehen iſt. Die theologiſche Literatur der Lutheriſchen Kirche über⸗ trifft die aller andern Kirchen weit an Reichthum, 19 Mannigfaltigkeit und Gründlichkeit. Seit der Reformator ſeine fünfundneunzig Theſes an die Wittenberger Schloßkirche anſchlug, bis auf den heutigen Tag hat faſt jedes Jahr, durch mehr oder minder wichtige Beiträge im Gebiet der Theolo⸗ gie, der Geſchichte und der Kritik, die Literatur unſerer Kirche bereichert. Aber dieſer unermeß⸗ liche Schatz iſt den Lutheranern dieſes Landes faſt ganz unzugänglich, einestheils, weil ſie der Sprachen, in welchen jene Schriften verfaßt ſind, unkundig, anderntheils, weil ihnen die Titel und die Beſchaffenheit ſolcher Werke fremd ſind. Und da wird es einer der vornehmſten Zwecke des „Evangelical Review“ ſein, auf dieſe Literatur aufmerkſam zu machen, über den Charakter der⸗ ſelben ein unpartheiiſches Urtheil zu fällen, und Manches daraus unſern Leſern mitzutheilen. Es hat aber auch die Lutheriſche Kirche hier zu Lande Fragen, die für ihre ſpeziellen Intereſſen von der äußerſten Erheblichkeit ſind, zu erwägen und zu beſeitigen, Manches, was in praktiſcher Beziehung von großer Wichtigkeit, aber noch ſchwankend iſt, feſtzuſtellen, und heilige Pflichten, die ihr eigenſt obliegen, zu erfüllen. In Mei⸗ nungen und in Gebräuchen, in Anſehung der kirchlichen Verfaſſung und Disziplin, in Betreff der Lehre und auch mancher Pflichtverhältniſſe, leiden wir, hier mehr, dort minder, überall aber entſchieden, an Unbeſtimmtheit und Zerſpalten⸗ heit. Und da ſoll denn die in Rede ſtehende Schrift zur Ausmittelung richtiger Anſichten und Entſcheidungen beitragen, und überhaupt zur un⸗ befangenen und gründlichen Erörterung aller hier in Betracht kommenden Punkte auffordern und Gelegenheit darbieten. — Indem nun der Redac⸗ teur ſeine eigenen Anſichten auszuſprechen, und nach Kräften zu vertheidigen gedenkt, ſo ſichert er zugleich, durch das ſoeben Geſagte, den Vertre⸗ tern verſchiedener Richtungen in der Lutheriſchen Kirche dieſes Landes das nämliche Recht zu. Denn er iſt der Meinung, daß auf dieſe Weiſe die endliche Vereinigung und Verſchmelzung aller Abtheilungen der Lutheriſchen Kirche am wirkſam⸗ ſten befördert und beſchleunigt werden könne. Was aber des Redacteurs Befähigung betrifft, den Pflichten, denen er ſich durch beſagtes Unter⸗ nehmen unterziehen wird, nachzukommen, ſo will er bloß erinnern, daß er ſich nicht allein auf ſeinen eigenen Fleiß oder ſeine eigenen Kenntniſſe ver⸗ laſſen wird, ſondern vielmehr auf die anerkannte Tüchtigkeit eines ſich zuſehends erweiternden Krei⸗ reichhaltigen Schätzen unſerer Kirchenliteratur, vornehmlich aber der vaterländiſchen, innig ver⸗ traut ſind, die er meiſtens unter ſeine perſön⸗ lichen Freunde zählt, und die ihm, wie er feſt überzeugt iſt, bei gegenwärtigem Unternehmen, beides mit Ueberſetzungen und eigenen Producten förderlich ſein werden. Es iſt aber unſere Abſicht nicht, unſern wohlwollenden Freunden und Schrift⸗ ſes gründlich gebildeter Männer, die mit den mögen. ſtellern zur Laſt zu fallen, indem wir ihre Be⸗ mühungen unbelohnt laſſen; wir haben vielmehr beſchloſſen, nicht eher zur Herausgabe dieſer Schrift zu ſchreiten, als bis uns der Ertrag der⸗ ſelben in den Stand ſetzen wird, unſern Mitar⸗ beitern ihre Beiträge eben ſo reichlich zu vergelten, wie es bei andern ähnlichen Schriften, die hier zu Lande erſcheinen, geſchieht. — Wo keine ſolche Einrichtung Statt finden kann, muß jedes lite⸗ rariſche Unternehmen verunglücken, denn es muß einem jeden einleuchten, daß der „Arbeiter“, deſſen Schriften werth ſind veröffentlicht zu werden, nicht minder als der Herausgeber, oder irgend ein an⸗ drer Arbeiter, „ſeines Lohnes werth iſt“. Auf daß nun uns ſelbſt und unſern Mitarbei⸗ tern, ſowohl als unſern Subſcribenten, Gerechtigs⸗ keit widerfahren möge, werden wir folgende Re⸗ geln gen au befolgen müſſen: Bedingungen. I. Das „Evangelical Review“ ſoll in vier⸗ teljährlichen Heften auf feinem Papier ſchön gedruckt erſcheinen; jedes Heft ſoll wenig⸗ ſtens 150 Octav⸗Seiten enthalten; der Jahrgang wird alſo einen Band von mehr als 600 Seiten bilden: der Preis wird, für den Jahrgang, 53.00 ſein. ö Wer $5.00 bezahlt, erhält zwei Exemplare; und Agenten, die in guten Noten und porto⸗ frei Gelder einſenden, haben auf eben ſo liberalen Rabatt Anſpruch. „Alle Subſcribenten müſſen vorausbezahlen. Alle Geſchäftsbriefe, und alle für dieſe Zeit⸗ ſchrift beſtinnnten Artikel müſſen, wo ſie uns durch die Poſt zugeſandt werden, portofrei kommen. Wir werden mit der Herausgabe dieſer Schrift nicht eher anfangen, als bis ſich eine hinlängliche Anzahl von Subſcribenten ge⸗ funden hat, welches ſogleich wird angezeigt werden; bis dahin werden keine Subſcrip⸗ tionsgelder angenommen werden. *Alle Lutheriſchen Prediger, welche dieſes Unternehmen billigen, werden erſucht, vor den nahebevorſtehenden Verſammlungen ihrer reſpec⸗ tiven Synoden Subſcriptionen zu ſammeln; ein Agent wird jenen Verſammlungen beiwohnen, um Namen mit gehöriger Adreſſe in Empfang zu nehmen, und ſolche an Endesunterzeichneten ein⸗ zuſenden. Diejen igen, die an die Herausgeber der Zei⸗ tungen, die dieſen Proſpectus aufnehmen, und uns auf dieſe Weiſe behülflich zu ſein geneigt ſind, zu ſchreiben nöthig haben, können denſelben ihren Wunſch, für dieſe Schrift zu ſubſcribiren, anzei⸗ gen, damit ſo ihre Namen an mich gelangen Wm. M. Reynolds. Gettysburg, Pa., d. 23ſten Juni, 1848. * * Wir drückten unſere herzliche Freude darüber aus, als wir in der neunten Nummer dieſes Jahrgangs unſern Leſern und unter dieſen in⸗ ſonderheit unſern theuern Amtsbrüdem Nachricht geben konnten von dem Vorhaben des Herrn Pro⸗ feſſor Schaff, eine gelehrt⸗theologiſche Zeitſchrift herauszugeben. Und wie hätten wir uns auch eines ſolchen Vorhabens nicht herzlich freuen ſol⸗ len? Sollte die projectirte Zeitſchrift auch nicht unmittelbar unſrer theuren Kirche und der Be⸗ wahrung und Vertheidigung des Kleinodes ihrer II.