# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1864_S354 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 354 Vorschlag und Probe zur Ausarbeitung eines Bibelcommentars ꝛc. gend, die Vorreden Dr. Luthers über die Bücher der heil. Schrift fleißig und oft zu lesen, „denn in denselbigen, auch wenn sie nur kurz sind, zeigt er den Hauptzweck und das Fürnehmste eines jeden so deutlich und herrlich, daß du wohl aus andern langen Commenten so viel Verstands nicht nehmen könntest, wenn du gleichviel Tage damit zugebracht hättest.“ Hierauf giebt Porta nach der Reihenfolge der biblischen Bücher eine ausführliche Nachweisung, wo sich darüber eine Erklärung in Dr. Luthers Schriften findet. Ferner macht er auf die Wichtigkeit der Randglossen aufmerksam, die ein großes Licht und Verstand gäben, wenn sie gleich kurz und geringe schienen, und fügt zuletzt Folgendes hinzu: „Ich wollte auch anfahenden Predigern treulich rathen, in lectionibus scriptorum Lutheri (bei Lesung der Schriften Luthers) fleißig Achtung zu geben, wo er obiter (beiläufig) dicta und exempla sacra ausgeleget, und dieselben in ihre Bibel bei die Texte zu annotiren, denn wo das geschieht, so zweifele ich nicht, sie werden eine solche herrliche Glossam ordinariam über die Bibel zusammenbringen, dergleichen keiner schreiben oder machen wird, er hoffe, wie er wolle; und wollte Gott, daß Leute wären, die es glaubten und folgten, es würde die Mühe reichlich und wohl belohnen.“ Aehnliche Vorschläge sind auch später von namhaften Theologen gemacht worden. So hat Mich. Walther in der Zueignung seiner officina biblica v. J. 1636 den König von Dänemark zu bewegen gesucht, „Lutheri Bibel neu auflegen zu lassen, dergestalt, daß dem Text die nothwendigsten, nützlichsten und gründlichsten Glossen und Erklärungen, aus des Herrn Lutheri Schriften genommen, möchten beigefügt werden.“ Fr. Gruber in seiner Theologia Lutheri v. J. 1657 rühmt es an dem Grafen von Waldeck, daß derselbe bereits Anstalten zur Ausarbeitung eines solchen herrlichen Werks getroffen habe. Ein solches brachte zuerst A. Calov in seiner teutschen Bibel zu Stande, die im J. 1682 in drei Foliobänden erschien, worin er aber nicht allein Dr. Luthers Erklärungen, sondern da, wo solche nicht zu finden waren, seine eigenen giebt, ohne diese jedoch von jenen durch irgend ein Zeichen zu unterscheiden. Um dieselbe Zeit hat Spener mit Hülfe mehrerer Freunde ein ähnliches Werk ausgearbeitet, das aber nie erschienen ist (s. dessen Deutsche Theol. Bedenken IV, 114.) W. G. Förtsch, Verfasser des trefflichen biblischen Lexikons oder Concordanz aus Dr. Luthers Schriften, hat in der Vorrede zu diesem Werk v. J. 1726 eine parva Biblia, enthaltend eine geordnete Sammlung aller von Dr. Luther erklärten Bibelstellen zu liefern versprochen, die aber ebenfalls nicht herausgekommen ist. Endlich hat Christian Wogt im J. 1736 unter dem Titel Lutherus biblicus ein ähnliches Werk begonnen, von dem aber nur die ersten zwei Bände in Folio, das erste und zweite Buch Mosis enthaltend, erschienen sind. Von andern Kirchenlehrern hat man Sammlungen der von ihnen erklärten Bibelstellen, z. B. eine Biblia Augustiniana von Confont, eine Bibel aus den Schriften von M. Chemnitz, H. Müller, J. B. Carpzov, Chr. Scriver u. A., aber noch keine Bibel aus Dr. Luthers Schriften.