# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 07 19_S200 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) die ungebeugte Vernunft (nach Luthers Wort) eine Feindin Gottes und ſeiner Wahrheit iſt. Das Verdienſt Chriſti im Sinne der Schrift- und Kirchenlehre, daß Er für uns das Geſetz erfüllt und für uns die Strafe der Sünde getragen habe, iſt ihnen ſo etwas unbegreiflich Thörichtes und Verkehrtes, daß ſie nicht wiſſen, was für ein Ge⸗ ſicht ſie dabei machen ſollen. Und durch den Glauben, durch den bloßen Glauben ſoll man ſich dieſes Verdienſt und damit Gottes Gnade und den Himmel gewinnen können!! Welch ein Faulbette, rufen ſie, für die Menſchen, die Gott zur Thätig⸗ keit geſchaffen! (Als ob ein lebendiger Glaube todt ſein könnte.) Nein, ſie ſind die Leute, die wirken und ſchaffen, die Alles ſelber erwerben und verdienen wollen (freilich — man ſchaue nach — mit dem Mund, nicht mit der That); ſie grün⸗ den ihren Frieden, den Troſt der Vergebung ihrer einigen wenigen Schwachheitsfehler und der glän⸗ zenden Aufnahme in des Himmels Herrlichkeit auf ihre Werke, auf ihr „würdiges“ und „fortge⸗ ſetzt und zunehmend reines und würdiges Leben“. (Es möchte einen ganz kalt überlaufen.) Alſo die Lehre von der Glaubensgerechtigkeit, welche Luthers und all unſrer evangeliſchen Vorfahren ganze Seele erfüllte mit Troſt und Frieden und ſeliger Hoffnung, dieſelbe Lehre erfüllt ſie mit Ekel und Abſcheu, mit Zorn und Grimm, oder doch Hohn und Spott, der bei vielen Gelegenhei⸗ ten reichlich überſprudelt. Nun, laßt ſie ſpotten, laßt ſie lachen, laßt ſie zürnen, laßt ſie ſchelten —— wir fragen nur: Wenn ſie die zwei Haupt- und Grund⸗Sätze unſrer Kirche umſtoßen, wie wollen ſie mit Recht noch Glieder derſelben heißen? Doch laßt uns einmal von dem kirchlichen Ver— hältniſſe ganz abſehen, und nur dabei halten, daß die Evangeliſchen doch ihren Namen vom Evan⸗ gelio haben. Nennen ſich aber die Lichifreunde mit Recht darnach? Können ſie in Wahrheit ſagen, daß ſie Bekenner und Verehrer des Evan⸗ geliums ſind? Ach, es iſt ja ſchon darauf geant⸗ wortet! Wir wollen aber die Sache noch näher darthun. Wir nehmen die Evangelien ſelber vor uns. Schon die Ankündigung der Geburt des Täufers und Chriſti durch den Engel Gabriel iſt ihnen eine Fabel. Dann die jubelnden Engel, welche den Hirten in der heiligen Nacht erſchienen, der wunderbare Stern, welcher die Weiſen aus Morgenland herbeizog und von Jeruſalem nach Beihlehem geleitete, lauter Erdichtungen! Beach⸗ tet die Menge der altteſtamentlichen Weiſſagun— gen, welche in den Evangelien angeführt ſind als in und mit Chriſto erfüllet, — ſie ſind nach ihrer Meinung nur in der Einbildung der Jünger (oder auch Chriſti ſelbſt) Prophezeihungen auf IEſum; die altteſtamentlichen Schriftſteller hätten weder in ſo ferne Zukunft blicken können, noch von derſelben etwas vorausverkündigen wollen. Und nun erſt die vielen, vielen Wunder des HErrn von der Waſſerverwandlung zu Kana bis zu der Heilung des Malchus in Gethſemane! Man kann ja kaum aufſchlagen in den Evange⸗ lien, ohne auf ein oder mehrere Wunder zu ſtoßen. Aber vor ihnen findet kein Wunder Gnade; ent⸗ weder, meinen ſie, iſt's ganz natürlich hergegan⸗ I 196 — gen, und nur die abergläubiſchen Jünger haben ein Wunder daraus gemacht, oder es iſt gar nichts daran, die Jünger oder ſpätern Chriſten haben dieſe Wundergeſchichte, doch wahrſcheinlich in guter Abſicht, rein erdichtet, d. h. ihre Mitmen⸗ ſchen hübſch angelogen. Ja ſie, die Lichtfreunde, machen die in den Evangelien erzählten größten und heiligſten Thatſachen, auf welchen unſer ganzer Chriſtenglaube ruht, zu Lügen. Die Menſchwerdung des ewigen Worts oder Sohnes Gottes (Joh. 1, 1. 14.) — iſt nichts. Die Be⸗ glaubigung JIEſu vom Vater, als ſeines lieben Sohnes, dort am Jordanfluß und auf dem hei⸗ ligen Berge (Matth. 3, 17. 17, 5.0— iſt nichts. Der Tod IEſu am Kreuze, den Johannes ſo ernſtlich bezeuget (Joh. 19, 35.) — iſt auch nichts; denn JEſus iſt nicht wirklich geſtorben, ſondern nur ſcheintodt geweſen. Und ſo iſt auch die Auferſtehung JIEſu von den Todten (Luc. 18, 33.), ohne die, wie Paulus ſpricht, unſer Glaube eitel iſt und wir noch in unſern Sünden ſind, — ſie iſt auch nichts; IEſus iſt nur aus einer ſtar— ken Ohnmacht wieder aufgewacht. Und endlich die Auffahrt des HErrn vom Oelberg gen Him⸗ mel, daß er ſich ſetzete zur Rechten des Vaters in der Majeſtät, — ſie iſt ſchließlich nichts; es wird die ganze Geſchichte erfunden, oder IEſus wird auf der andern Seite des Berges wieder herab⸗ gegangen ſein. — Es kommt mich hart an, ſolche frevie Meinungen und Aeußerungen der Licht⸗ freunde nur niederzuſchreiben; allein es iſt jetzt ſo weit gekommen, daß es geſchehen muß. — Und wenn wir nun noch, von allem Weitern zu ſchweigen, die Ausſprüche IEſu ſelbſt ins Auge faſſen, ſtimmen ſie denn dieſen allen bei? Oder gibt es nicht hundert und aber hundert, die ſie nicht hören (Joh. 6, 60.), die ihre Ohren nicht vertragen können? Wie klingen ihnen denn ſolche Sprüche: „Niemand hat Gott je geſehen, ohne der vom Vater iſt, der hat ihn geſehen“, „der Va⸗ ter hat den Sohn lieb, und zeiget ihm Alles, was er thut“, — „Wie der Vater die Todten auf⸗ erwecket und macht ſie lebendig, alſo auch der Sohn machet lebendig, welche er will“, — „Ich gebe mein Leben zu einem Löſegeld für Viele“— „Das iſt mein Blut, das für euch vergoſſen wird zur Vergebung der Sünden“, — „Wer da glau⸗ bet und getauft wird, der wird ſelig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden“, — „Es ſei denn, daß jemand neugeboren werde aus Waſſer und Geiſt, ſo kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleiſch ge— boren wird, das iſt Fleiſch“, — „Wer in mir blei⸗ bet und ich in ihm, der bringt viele Früchte; ohne mich könnet ihr nichts thun“, — „Der Feind, der das Unkraut ſäet, iſt der Teufel“, — „Es kommt der Fürſt dieſer Welt und hat nichts an mir“, — „Mir iſt gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“, — „Der Vater richtet Niemand, ſon⸗ dern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben“ — „Es kommt die Stunde, daß alle, die in den Gräbern ſind, werden ſeine Stimme hören und hervorgehen“ — ꝛc. ꝛc.? Solche Sprüche klingen ihnen ſehr mißtönig, grundfalſch. Liebe Leſer! den Evangelien, dem ſie mit aufrichtigem und ganzem Herzen beipflichten könnten? Und die folgenden neuteſtamentlichen Schriften enthalten doch auch Evangelium. Welches Aergerniß müſ⸗ ſen ihnen aber namentlich Pauli Briefe ſein, der unermüdlich mit ganzer Macht die verhaßte Ge⸗ rechtigkeit des Glaubens predigt? Aber nun urtheilt, ob diejenigen, welche das Evangelium ſo furchtbar verſtümmeln und gerade ſeine offenm⸗ barſten Haupt⸗ und Kernlehren mit Widerwillen von ſich ſtoßen, ſich noch nach demſelben nennen dürfen? Nimmermehr. — Sie können nicht evangeliſche Chriſten ſein, weil ſie in Wahrheit kein Evangelium haben, keine Freudenbotſchaft von der Welterlöſung durch Gottes Sohn. Prb⸗ teſtanten ſind ſie, das ſprechen wir ihnen nicht ab, nur keine ſolche wie wir. Sie proteſtiren gegen den Kirchenglauben, gegen das Anſehen des göt⸗ lichen Wortes, gegen jede Regel und Richtſchnur des Glaubens und Lebens außer ihrer Vernunft. Wir proteſtiren gegen jegliche Menſchenſatzung in Sachen der Religion, uns feſt⸗ und treuhal⸗ tend an das klare, vollgenügende und unwandel⸗ ö bare Gotteswort. Aber, meine lieben Leſer! die Lichtfreunde ſind nicht nur keine evangeliſchen Chriſten, ſie ſind überhaupt keine Chriſten mehr. Das leuchtet wohl ſchon aus dem Geſagten zur Genüge her⸗ vor; wir weiſen es aber noch beſtimmter nach. Sie verwerfen nicht blos die unſrer Kirche eigen⸗ thümlichen Glaubenszeugniſſe, namentlich die Augsburgiſche Confeſſion, ſondern auch das ge⸗ meinſame Bekenntniß aller Chriſten von An⸗ fang an, der evangeliſchen, katholiſchen, griechi⸗ ſchen, das Apoſtoliſche Symbolum (Ich glaube an Gott Vater ꝛc. Und an IEſum Chriſtum, Gottes eingeborenen Sohn ꝛc.), deſſen kurzer In⸗ halt die unterſte Grundlage der chriſtlichen Kirche bildet. Dieſes unterſte Fundament der Kirche Gottes wollen ſie wegnehmen, und laſſen ſich träumen, daß ſie dann noch ſtehe, nur deſto feſter und herrlicher ſtehe und heilbringender ihren Kin⸗ dern für Zeit und Ewigkeit! Könnte ich mir denken, daß es ihnen gelänge, daß ſie die Meiſten auf ihre Seite brächten, wahrlich, das Herz müßte mir beben. Wenn Einer z. E., ſo es ge⸗ ſchehen könnte, die Grundſteine des Magdeburger Doms wegzöge, und zwar, während der Dom mit Menſchen gefüllt wäre, welch ein entſetzlicher und unglücklicher Zuſammenſturz würde erfolgen! Doch ſie mögen daran wühlen, an dieſer ehrwür⸗ digen und heiligen Grundmauer; ſie werden blu⸗ tige Finger bekommen, aber — es wird ihnen nicht gelingen. Der HErr der Kirche lebet noch und ſein Name iſt noch: Hort! Indem ſie ſich aber von dem gemeinſamen Glauben der ganzen Chriſtenheit losſagen, ſagen ſie ſich auch damit vom Chriſtennamen ſelber los. Es iſt wahrhaftig keine Verunglimpfung, wenn wir behaupten, die Lichtfreunde können ſich nicht ö mehr nach Chriſto nennen. Sie ſind ja keine Chriſtgläubige, ſondern Vernunftgläubige. Wollen ſie über IEſum ganz aufrichtig und redlich ſprechen mit ſich ſelbſt und mit uns, Wie viel bleibt den Lichtfreunden denn noch von ſo müſſen ſie ihn, wenn ſie aufs Gelindeſte u⸗