# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1864_S336 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 336 Die Lehre der lutherischen Kirche vom Sonntag. nicht den Schein gewänne, als ob sie die Meinung der Juden von der Noth⸗ wendigkeit des mosaischen Gesetzes bestätigten. Sie nahmen aber den ersten Wochentag Apg. 20, 7., 1 Cor. 16, 2., an welchem Christus auferstanden ist. Nicht aber in der Meinung, daß, wie Gott bei der Schöpfung den siebenten Tag geheiligt hat, die Seele, welche denselben nicht heiligen würde, des Todes sterben sollte; daß nehmlich Christus so den ersten Wochentag durch seine Auferstehung geheiligt habe, daß wir denselben bei unserer Seligkeit halten müßten. Denn man muß die Regeln Pauli Gal. 4, 4., Col. 2, 16. im N. T. durchaus festhalten. Sie nahmen vielmehr den Tag, an welchem Christus auferstand, weil durch die Auferstehung Christi die absolute Aufhebung aller Schatten des Gesetzes geschehen ist, unter welche Col. 2, 17. auch der Sabbath gezählt wird, und sie nannten ihn den Tag des HErrn Offb. 1, 10., weil sie wollten, daß die Veränderung des Sabbaths in den Tag des HErrn ein öffentliches Bekenntniß sei, daß die Christen von der Nothwendigkeit eines Unterschiedes unter den Tagen durch Christi Auferstehung befreit sein, um daran zu erinnern, daß der Tag des HErrn im N. T. nicht mit der Nothwendigkeit gehalten werde, wie der Sabbath im Gesetz, sondern in derjenigen Freiheit, vermöge welcher Christus, nach Abschaffung des Schat⸗ tens eines Unterschiedes der Tage durch seine Auferstehung, nur um der Ordnung und Schicklichkeit willen will, daß ein bestimmter Tag sei, an dem man zusammenkomme, welcher jedoch außer dem Fall des Aergernisses und ohne Störung der Ordnung frei verändert werden kann. Vielleicht dachten die Apostel bei dieser Veränderung auch daran, daß nach Deut. 5, 15. mit dem Sabbath das Gedächtniß der Ausführung aus Aegyp⸗ ten verbunden war und daß Jer. 16, 14. 15. vorausverkündigt ist, demselben werde das feierliche Gedächtniß einer größeren Wohlthat folgen, wenn die Gebundenen aus der Grube ausgeführt werden würden, was in der Aufer⸗ stehung Christi erfüllt worden ist. Die Heiden halten den neunten Tag hei⸗ lig. Die Türken feiern zur Beschimpfung Christi den Freitag, an welchem Christus gekreuzigt worden ist. Daher wollten die Apostel sich von den Ju⸗ den und allen andern Völkern durch jenen äußerlichen Ritus absondern. Das zweite Stück ist, daß kein Werk zu thun sei, und Deut. 5, 15. ist der Grund angegeben: Denn du sollst gedenken, daß du auch ein Knecht in Aegypten warest und der HErr, dein Gott, dich von dannen ausgeführet hat. Darum hat dir der HErr, dein Gott, geboten, daß du den Sabbathtag halten sollst. Welcher Grund offenbar das Volk Israel angeht.... daß dieser Theil uns nicht angehe, ist gewiß. Daher befindet sich auch im N. T. nicht die Wiederholung jenes Gebotes: Du sollst kein Werk thun, weder dein Knecht, noch dein Ochse. Ja, Paulus macht in der Apostelgeschichte mehr⸗ mals mehrere Tage hindurch ohne Unterbrechung eine Reise, da doch über die Sabbathsreise Exod. 16, 29. ein Gebot sich findet. Hieronymus schließt aus Apg. 18, 3., daß Paulus am Tage des HErrn mit seinen Händen gearbeitet