# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1864_S332 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 332 Die Lehre der lutherischen Kirche vom Sonntag. eigentliche Meinung ist, daß wir des Tages Gottes Wort lehren und hören sollen, damit wir beide, den Tag und uns selbst, heiligen: wie denn auch allzeit hernach bis auf diesen Tag bei den Jüden am Sabbathtage Moses und die Propheten gelesen und gepredigt sind. Wo man aber Gottes Wort predigt, da gibt sichs selbst, daß man aus Noth muß zur selbigen Stunde oder Zeit feiren und still sein, und ohn all ander Geschäfte allein reden und zu⸗ hören, was Gott sagt, und uns lehret oder mit uns redet. Darum liegts auch gar und ganz an dem, daß man den Tag heiligen soll, mehr, dann am Feiren. Denn Gott spricht nicht: Du sollt den heiligen Tag feiren, oder Sabbath machen (das findet sich wohl selber), sondern: Du sollt den Feier⸗ tag oder Sabbath heiligen, daß ihm gar viel mehr am Heiligen, denn am Feiren liegt. Und wo eines sollt oder konnt nachbleiben, so wäre besser das Feiren, denn das Heiligen nachblieben; weil das Gebot allermeist aufs Heiligen dringet, und den Sabbath nicht gebeut um seines selber wil⸗ len, sondern um des Heiligen willen. Die Jüden aber achten das Feiren höher (welchs Gott und Moses nicht thun) aus ihrem eigen Zusatz, denn das Heiligen. Daß nun Moses den siebenten Tag nennet, und wie Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen hat, darum sie nichts arbeiten sollen, das ist der zeitliche Schmuck, da⸗ mit Moses dieß Gebot seinem Volk insonderheit zu der Zeit anzeucht. Denn vorhin findet man solchs nicht geschrieben, weder von Abraham, noch der alten Väter Zeiten, sondern ist ein zeitlicher Zusatz und Schmuck allein auf dieß Volk, so aus Aegypten geführt ist, ge⸗ stellet, der auch nicht ewig bleiben sollt, so wenig als das ganze Gesetze Mosi. Aber das Heiligen, das ist, Gottes Wort lehren und predigen, welches ist die rechte, lauter und bloße Meinung dieses Gebots, ist von Anfang gewest, und bleibt für und für bei aller Welt. Darum uns Heiden der siebente Tag nichts angehet, auch die Jüden selbst nicht länger angehet, denn bis auf Messiam: wiewohl die Natur und Noth zwingt, daß, welchs Tages oder Stunde Gottes Wort gepredigt wird, daß man daselbst (wie gesagt) stille sein muß, feiren oder Sabbath halten. Denn Gottes Wort kann nicht gehöret noch gelehret werden, wo man dieweil auf etwas Anders gedenkt, oder nicht stille ist.“ (Ib. XXXI., 443 f.) Endlich schreibt Luther im Jahre 1539 in seiner Schrift „von den Conciliis und Kirchen“: „Darum stehets und soll stehen in unser Macht und Freiheit, daß wir Ostern halten, wenn wir wollen; und wenn wir auch den Freitag zum Sonntag machten, und wiederum, dennoch sollt es recht sein, sofern es geschähe durch die Majestäten und die Christen (wie gesagt,) einträchtiglich. Denn Moses ist todt und begraben durch Christum. Und Tage oder Zeit sollen nicht Herrn sein über die Christen; sondern die Chri⸗