# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1864_S330 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 330 Die Lehre der lutherischen Kirche vom Sonntag. kennen, so brauche er den Feiertag um der Ursach willen, daß er das Wort Gottes höre. Will er aber gar frech und ruchlos sein, so fahre er hin zum Teufel, als jene, die nichts Anders am Feiertage ausrichten, denn fressen, saufen, Tag und Nacht schwelgen. Das ist der grobe und äußerliche Verstand dieß Gebots, welcher uns nicht bindet, sondern ist uns frei, stehet in unser Macht und Willkühr, ob wir wollen feiren oder nicht. Wenns meinem Nähesten noth ist, so laß ich den Feiertag fallen, und diene dem Nähesten. Wenn er aber Unterweisung aus dem Wort Gottes bedarf, so entschlahe ich mich der Arbeit. Darum hat der Papst nicht Macht, weder Sonntag noch andere Tage zu feiren nöthig zu gebieten. Darum feiren wir aber, denn es ist uns noth, Gottes Wort zu lernen. Daß der Sabbath aber frei sei, zeiget Christus hin und wieder im Evangelio an, und da er den Sabbath auslegt. . . . Der geistliche Feiertag aber ist der rechte Sabbath, welcher gehalten wird, wenn das Herz den rechten Sabbath feiret, welchs ist das höhest und recht geistlich Werk dieses Gebots, welches begreift die ganz Natur des Menschen. Diesen Sabbath hat uns Christus im Grabe fürgebildet; da hielt er den Sabbath recht; da liegt er in der Ruge und Feier, enthält sich von al⸗ len Werken. Er siehet nicht, er höret nicht, er schläft nicht, er wachet nicht, er isset nicht, er trinket nicht, er dauet nicht, reget weder Zungen noch Adern, weder Hand noch Fuß, er stehet nicht, so gehet er nicht. Welcher nun den rechten geistlichen Sabbath will halten, muß mit Christo ganz todt sein. Es wird ihn auch Niemand recht halten, er sei denn recht todt. Wir fahen aber den rechten Sabbath hie an zu halten, wenn unser alter Adam aufhöret von allen seinen Werken, Vernunft, Willen, Begierden, Lust, welches alles todt und auf soll hören im rechten Sabbath. Und alles, das in uns ist, soll göttlich sein, wie Paulus spricht zun Galatern am andern: Ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, auf daß ich Gott lebe. Ich bin mit Christo gekreuziget. Ich lebe, aber doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich lebe im Fleisch, das lebe ich im Glau⸗ ben des Sohns Gottes ꝛc. Das ist eine rechte Feier der Christen. Item Galatas 5. [6.]: Durch Christum ist mir die Welt gekreuziget, und ich der Welt; ist eins dem Andern gestorben; die Welt weiß nicht, was ich thue, und ich nicht, was die Welt thut; kennt Keines das Ander; es ist Alles todt und rein ab. Dieser Sabbath wird aber endlich erst recht gehalten, wenn wir gestorben sind. Wenn wir nun also leben, wie Paulus von sich schreibet, so wird es al⸗ les göttlich, Händ und Füß, Zung, Ohren, Augen, Leib und Seele, alle Ge⸗ danken; und was ich denn thue, bin ich gewiß, daß es Gott in mir thue. Wenn ich mein Handwerk treibe, und arbeit, so weiß ich, daß es Gott wohlgefalle; denn es ist sein göttlich Befehl. Wenn ich nun also gewiß bin, es gefalle Gott, so sind es nicht meine, sondern Gottes Werk; denn ich thue sie in Gottes Gehorsam, und thue, was Gott gefället, und