# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1864_S329 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Lehre der lutherischen Kirche vom Sonntag. 329 Herr auch über den Sabbath, Matth. 12. Darum Paulus hin und wieder ermahnet die Christen, daß sie sich an keinen Tag lassen binden: Ihr haltet Tag, und Monden, und Feste, und Jahrszeit. Ich fürchte euer, daß ich nicht vielleicht umsonst hab an euch gearbeitet. Item, zun Colossern noch klärlicher: So lasset nun euch Niemand Gewissen machen über Speise oder Trank, oder über eines Theils Tagen, nämlich den Feiertagen, oder Neuen⸗ monden, oder Sabbather, welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war u. s. w. Wiewohl nun der Sabbath aufgehoben ist, und die Gewissen frei davon sind, so ist es doch gut, und auch vonnöthen, daß man einen sonderlichen Tag in der Wochen halte, um das Wort Gottes willen dran zu handeln, hören und lernen. Denn Jedermann kanns alle Tage nicht gewarten. Auch forderts die Natur, daß man in der Wochen einen Tag stille halte, und ent⸗ halte sich von der Arbeit, beide, Menschen und Viehe. Wer aber nun ein nöthig Gebot will aus dem Sab⸗ bath machen, als ein Werk von Gott erfordert, der muß den Sonnabend halten, und nicht den Sonntag; denn der Sonnabend ist den Jüden geboten, und nicht der Sonn⸗ tag. Die Christen aber haben bisher den Sonntag, und nicht den Sonn⸗ abend gehalten, um deßwillen, daß am Sonntage Christus auferstanden ist. Das ist nun ein gewiß Zeichen, daß uns der Sabbath nicht mehr angehet, ja, der ganze Mose, sonst müßten wir den Sonnabend halten; und ist eine große und starke Beweisung, daß der Sabbath aufgehoben ist. Denn wir finden durch das ganze Neue Testament an keinem Ort, daß der Sabbath uns Christen geboten sei zu feiren. Warum hält man denn den Sonntag auch bei den Christen? Wiewohl alle Tag frei sind, und ist einer wie der ander, so ists doch nütz und gut, ja, sehr vonnöthen, daß man an einem Tag Feier halte, es sei am Sabbath, Sonntag, oder an einem andern Tage. Denn Gott will die Welt säuberlich führen und friedlich regieren; darum hat er sechs Tage zur Arbeit geben, am siebenten Tag aber sollen Knecht, Taglöhner und allerlei Arbeiter, ja, auch Pferd, Ochsen, und ander arbeitsam Viehe Ruhe haben, wie dieß Gebot lautet, auf daß sie sich mit Ruhe wieder erholen; und sonderlich, daß die, so zu andern Zeiten nicht der Muß haben, am Feiertag die Predigt hören, und Gott dadurch lernen erkennen. Und um solcher Ursach, nämlich, der Liebe und Nothdurft willen, ist der Sonntag blie⸗ ben, nicht um des Gebots Mosi willen, sondern um un⸗ ser Noth willen, daß wir rugeten, und das Wort Got⸗ tes lerneten. Unser Papisten habens aber, leider, dahin gebracht, daß wir härter ob unsern Feiertagen gehalten haben, haben ihr auch mehr gehabt, denn die Jüden. Es liegt aber Nichts daran, wir feiern oder nicht, die Gewis⸗ sen sind frei. Wer nicht will feiren, der arbeite immerhin; wir wol⸗ len ihn nicht schelten noch verjagen. Will er aber fromm sein, Gott lernen