# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1864_S328 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 328 Die Lehre der lutherischen Kirche vom Sonntag. setze hat gesetzt, weil es natürlich Gesetz nicht hat, frei, ledig und abe, und ist alleine dem jüdischen Volke insonderheit gegeben: nicht anders, als wenn ein Kaiser oder König in seinem Lande sonderliche Gesetze und Ordnungen machte, wie der Sachsenspiegel in Sachsen, und doch gleichwohl die gemeinen natürlichen Gesetze durch alle Lande gehen und bleiben, als Eltern ehren, nicht morden, nicht ehebrechen, Gott dienen ꝛc. Darum laß man Mose der Juden Sachsenspiegel sein, und uns Heiden unverworren damit; gleichwie Frankreich den Sachsenspiegel nicht achtet, und doch in dem natürlichen Ge⸗ setze wohl mit ihm stimmet ꝛc. Warum hält und lehret man denn die zehen Gebot? Antwort: Da⸗ rum, daß die natürlichen Gesetze nirgend so fein und ordentlich sind verfasset, als im Mose. Drum nimmt man billig das Exempel von Mose. Und ich wollt, daß man auch etliche mehr in weltlichen Sachen aus Mose nähme, als das Gesetz vom Scheidebrief, vom Halljahr, und vom Freijahr, von den Zehenden, und dergleichen, durch welche Gesetze die Welt baß würde regiert, denn jetzt mit den Zinsen, verkaufen und freien; gleich als wenn ein Land von des andern Landen Gesetzen Exempel nimmt, wie die Römer von den Griechen die zwölf Tafeln nahmen. Daß man aber den Sabbath oder Sonntag auch feiret, ist nicht von⸗ nöthen, noch um Moses Gebot willen; sondern daß die Natur auch gibt und lehret, man müße ja zuweilen einen Tag rugen, daß Mensch und Vieh sich erquicke: welche natürliche Ursache auch Mose in seinem Sabbath setzet, da⸗ mit er den Sabbath, wie auch Christus Matth. 12, 1. ff. und Marc. 3, 2. ff. thut, unter den Menschen setzt. Denn wo er allein um der Ruhe willen soll gehalten werden, ists klar, daß wer der Ruhe nicht bedarf, mag den Sabbath brechen, und auf einen andern Tag dafür ruhen, wie die Natur gibt: auch ist er darum zu halten, daß man predige und Gottes Wort höre.“ (Luther's Werke. Erl. A. XXIX., 150 — 157.) Ferner schreibt Luther in seiner Auslegung des zweiten Buchs Mose vom Jahre 1526 über die Worte des dritten Gebotes: „Gedenke des Sabbathtages, daß du ihn heiligest“ ꝛc., Folgendes: „Paulus und das ganze neue Testament haben den Sabbath der Jüden aufgehoben, auf daß man ja greifen kann, daß der Sabbath die Jüden allein angehet. Darum ists nicht vonnöthen, daß die Heiden den Sabbath halten, wiewohl es ein groß und gestreng Gebot war bei den Jüden. Die Propheten habens auch angezogen, wie dieser Sabbath sollt aufgehoben werden. Esaias am letzten Capitel spricht: Wenn der Messias kommen wird, so wird eine solche Zeit sein, daß ein Neumond am andern, ein Sabbath am andern sein wird; als wollt er sprechen: Es wird alle Tage Sabbath, und alle Tage Neumond sein. Also, im Neuen Testament liegt der Sabbath darnieder, nach der groben, äußerli⸗ chen Weis. Denn dieß Gebot hat auch zween Verstand, wie die andern Ge⸗ bot, einen äußerlichen und einen innerlichen oder geistlichen. Es ist im Neuen Testament bei den Christen alle Tag Heiligtag, und sind alle Tage frei. Darum spricht Christus: Des Menschen Sohn ist ein