# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1864_S325 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Lehre der lutherischen Kirche vom Sonntag. 325 deinethalben heilig und unheilig, so du heilig oder unheilig Ding daran treibest. Wie gehet nun solches Heiligen zu? Nicht also, daß man hinter dem Ofen sitze und kein grobe Arbeit thue, oder einen Kranz aufsetze und seine beste Kleider anziehe, sondern (wie gesagt) daß man Gottes Wort handle und sich darin übe. Und zwar wir Christen sollen immerdar solchen Feiertag halten, eitel heilig Ding treiben, das ist, täglich mit Gottes Wort umgehen und solches im Herz und Mund umtragen. Aber weil wir (wie gesagt) nicht alle Zeit Muße haben, müssen wir die Wochen etliche Stunden für die Jugend oder zum wenigsten einen Tag für den ganzen Haufen dazu brauchen, daß man sich alleine damit bekümmere, und eben die Zehen Gebot, den Glauben und Vater unser treibe, und also unser ganzes Leben und We⸗ sen nach Gottes Wort richte. Welche Zeit nu das im Schwang und Uebung gehet, da wird ein rechter Feiertag gehalten; wo nicht, so soll es kein Chri⸗ stenfeiertag heißen. Denn feiren und müßig gehen können die Unchristen auch wohl, wie auch das ganze Geschwürm unser Geistlichen täglich in der Kirchen stehen, singen und klingen, heiligen aber keinen Feiertag nicht; denn sie kein Gottes Wort predigen noch üben, sondern eben dawider lehren und leben.“*) Wir gehen nun zu den Zeugnissen unserer Theologen in ihren Pri⸗ vatschriften über und beginnen hierbei natürlich mit Luther.**) Derselbe schreibt in seiner Schrift „von den himmlischen Propheten“ vom J. 1524 also: „Wohlan, wir wollen an den rechten Grund, und sagen, daß uns diese Sündelehrer und Mosischen Propheten sollen unverworren lassen mit Mose, wir wollen Mosen weder sehen noch hören. Wie gefällt euch das, lieben Rottengeister? Und sagen weiter, daß alle solche Mosische Lehrer das Evangelion verlenken, Christum vertreiben, und das ganze neue Testament aufheben. Ich rede itzt als ein Christen und für die Christen. Denn Mose ist allein dem Jüdischen Volk geben, und geht uns Heiden und Christen nichts an. Wir haben unser Evangelion und Neue Testament: werden sie aus demselben beweisen, daß Bilder abzuthun sind, wollen wir ihnen gerne folgen. Wollen sie aber durch Mosen aus uns Juden machen, so wollen wirs nicht leiden. Wie dünkt euch? Was will hie werden? Das will werden, daß man sehe, wie diese Rottengeister nichts in der Schrift verstehen, weder Mosen noch *) Will man sehen, wie von dieser Lehre abgehende Theologen, welche noch ein Gewissen für die Symbole unserer Kirche hatten, die angeführten sonnenhellen Stellen auf ihrer Meinung zu vereinigen oder, wie sie sich lieber ausdrücken, zu „vindiciren“ suchten, so lese man, was Löscher schreibt a. a. O. S. 211 ff. und 294 ff. Man sieht da recht, mit welche Sophistereien selbst sonst orthodoxe, in der Lehre accurate und redliche Männer gera⸗ then, wenn sie in irgend einem Puncte auf einen Irrweg kommen. **) An die Auslegung des dritten Gebotes im kleinen Katechismus wollen wir nur erinnert haben, welche bekanntlich nicht lautet: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir am Sonntag nicht arbeiten“ ꝛc., sondern: „daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern heilig halten, gerne hören und lernen;“ womit aufs schärfste der neutestamentliche Gehalt des dritten Gebotes angezeigt und alles Levitische ausgeschieden ist.