# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1864_S324 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 324 Die Lehre der lutherischen Kirche vom Sonntag. chet würden. Wiewohl sie es hernach allzuenge spanneten und gröblich miß⸗ brauchten, daß sie es auch an Christo lästerten, und nicht leiden kunnten solche Werk, die sie doch selbst daran thäten, wie man im Evangelio liest, gerade als sollt das Gebot damit erfüllet sein, daß man gar kein äußerlich Werk thäte, welches doch nicht die Meinung war, sondern endlich die, daß sie den Feier⸗ oder Rugetag heiligen, wie wir hören werden. Darum gehet nu dies Gebot nach dem groben Verstand uns Christen nichts an, denn es ein ganz äußerlich Ding ist, wie andere Satzungen des alten Testaments an sonderliche Weise, Person, Zeit und Stätte gebunden, welche nu durch Christum alle frei gelassen sind. Aber einen christlichen Verstand zu fassen für die Einfältigen, was Gott in diesem Gebot von uns fordert, so merke, daß wir Feiertage halten, nicht um der verständigen und gelehrten Christen willen, denn diese dürfens nirgend zu, sondern erstlich auch um leiblicher Ursach und Nothdurft willen, welche die Natur lehret und fordert, für den gemeinen Haufen, Knecht und Mägde, so die ganze Wochen ihrer Arbeit und Gewerbe gewartet, daß sie sich auch einen Tag einziehen zu rugen und erquicken. Darnach allermeist darum, daß man an solchem Rugetage (weil man sonst nicht dazu kommen kann) Raum und Zeit nehme Gottesdiensts zu warten, also daß man zu Hause komme Gottes Wort zu hören und handeln, darnach Gott loben, singen und beten. Solchs aber (sage ich) ist nicht also an Zeit gebunden wie bei den Jüden, daß es müsse eben dieser oder jener Tag sein; denn es ist keiner an ihm selbs beßer, denn der ander; sondern sollt wohl täglich geschehen, aber weil es der Haufe nicht warten kann, muß man je zum wenigsten einen Tag in der Woche ausschießen. Weil aber von Alters her der Sonntag dazu gestellet ist, soll mans auch dabei bleiben laßen, auf daß es in einträchtiger Ordnung gehe, und niemand durch unnöthige Neuerung ein Unordnung mache. Also ist das die einfältige Meinung dieses Gebots, weil man sonst Feiertage hält, daß man solche Feier anlege Gottes Wort zu lernen, also daß dieses Tages eigentlich Amt sei das Predigtamt, um des jungen Volks und armen Haufens willen; doch daß das Feiren nicht so enge gespannet, daß darum andere zufällige Arbeit, so man nicht umgehen kann, verboten wäre. Derhalben wenn man fragt, was da gesagt sei: Du sollst den Feiertag heiligen, so antworte: Den Feiertag heiligen, heißt so viel, als heilig halten. Was ist denn heilig halten? Nichts anders, denn heilige Worte, Werk und Leben führen. Denn der Tag darf für sich keines Heiligens nicht, denn er ist an ihm selbst heilig geschaffen; Gott will aber haben, daß er dir heilig sei. Also wird er