# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1864_S320 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 320 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. mittelt werden, von wem und wie die Taufe verrichtet ist, wenn das nach Jahren überall noch möglich sein wird. Da niemand zum heil. Abendmahle zugelassen werden soll, der nicht getauft ist, so knüpfen sich noch weitere Folgen daran. Die Hamburger Kirche beginnt auf diesem Wege ihre Gemeinschaft mit der übrigen lutherischen Kirche aufzuheben und ein Gemeinwesen anzubahnen, in welches die Reformjuden ohne weiteres eingehen können. In Hamburg entsagt man dem Teufel nicht bei der Taufe, dafür entsagt man dem dreieinigen Gott. So will es der „christliche“ Geist haben, der in allen Fortschritt leitet. (Neues Zeitblatt.) Französisches Studium des deutschen Unglaubens. Französische Katholiken haben freilich gegen Renan geschrieben, aber ihre Schriften bedeuten so wenig als ihre Wissenschaft. Da nun Renan aus deutschen Quellen geschöpft hat, so ist der Erzbischof von Paris auf den Gedanken gekommen, seine besten Seminaristen nach Deutschland zu schicken, um an diesen Quellen morgenländische und besonders hebräische Kenntnisse zu schöpfen und die deutsche Philosophie in ihren verwegensten Schulen zu studiren, damit sie die Gegner des Christenthums wissenschaftlich bekämpfen können. Das nächste Ziel ist die Tübinger Universität, an welcher Herr von Kuhn katholische Theologie lehrt, wenn auch zum Verdrusse der Historisch⸗Politischen zu wissenschaftlich. Nächstens wird der junge Abbe Vollot, welcher an der Pariser Sorbonne die glänzendste Prüfung seit zehn Jahren bestanden hat, dahin abgehen. Andre werden ihm folgen, und alle sollen in Deutschland Doktoren der Theologie werden. So hofft der Erzbischof die theologische Fakultät der Sorbonne, die einst das Licht der Welt war, wieder auf ihren frühern Glanz zu bringen, und dem Unglau⸗ ben einen wirksamen Damm zu setzen. Die Noth muß sehr groß sein, daß die katholische Kirche in Frankreich oder doch ihr Erzbischof Waffen aus den deutschen Zeughäusern der Wissenschaft borgt, weil das Ansehen der Kirche, ihr Glanz und Gottesdienst nicht mehr ausreicht die gefährlichen Angriffe der Wissenschaft zurückzuweisen. (N. Zeitbl.) Hamburg. Es wird jetzt geradezu Mode, ein „Leben JEsu“ zu schreiben oder in einer Predigt kurz darzustellen, um dadurch den Eckstein des Christenthums sich aus dem Wege zu schaffen. Zu den Leuten dieser Mode gehört auch ein Herr Doctor A. Krause, lutherischer (!?) Prediger an der St. Catharinen⸗Kirche in Hamburg. Derselbe hielt am Sonntag Rogate d. J. eine nun in den Druck gegebene Predigt mit dem Thema: „Das Wenige, was wir vom äußeren Geschick unseres Herrn (!) nach der heil. Schrift wissen.“ Die erzählende Predigt hat die drei Theile: „1. Von seiner Jugend fast nichts, 2. von sei⸗ nem Mannesalter Zerstreutes und 3. von seinem Tode Verklärtes.“ Darin werden denn Christi Wunder für Anwendung natürlicher Kräfte, seine Auferstehung für eine Sage der Jünger, der Glaube an seine Himmelfahrt für eine abenteuerliche Verirrung erklärt. Wenn dieser Krause sagt, von Christi Tode wissen wir „Verklärtes,“ so macht eine deutsche Zeit⸗ schrift hierzu die Bemerkung: „Ueberall dieselbe miserable Furcht, seinen Unglauben klar auszusprechen.“ Eine Anzahl ernstchristlicher Bürger begehrt vom Senat Schutz gegen solche Verlästerungen des Christenthums. Nekrologisches. In Berlin starb am 8. Mai d. J. der Prof. des Kirchenrechts, Geh. Rath Dr. Aemilius Ludwig Richter, bekannt durch seine die Geschichte des Kirchenrechts betreffenden Schriften. — Einer von den zwei zuletzt in Leipzig abgeordneten luth. Missionaren, Ahner, ist schon am 22. Mai d. J. sanft und selig in dem HErrn ge⸗ storben. — Am 17. Juli starb in Stuttgart der bekannte christliche Liederdichter Albert Knapp nach langem schmerzlichem Leiden. Er war 67 Jahre alt geworden und hatte 30 Jahre lang als Seelsorger in genannter Stadt gewirkt.