# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1864_S315 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 315 leicht daran denken, ein Kind lieber in eine katholische Academy als auf ein protestantisches College zu schicken, als daß wir einem Sohn, der Theologie studiren will, rathen würden, lieber auf das neue Seminar als nach Gettysburg zu gehen. In dieser vorgerückten Zeit der christlichen Liberalität und des Fortschritts können wir keine Prediger brauchen, die nach dem veralteten theologischen System und nach dem übertriebensten Symbolismus dieses abnormen Seminars gebildet sind. Wir brauchen jetzt Männer voll Leben und keine vor⸗ sündfluthliche Versteinerungen und theologische Automaten.“ Nun, das ist wieder einmal ächt generalsynodistisches Gift gegen lutherische Rechtgläubigkeit und Bekenntnißtreue. C. Promotion. Kaum hatte Prof. Sternberg im „luth.“ (??) Hartwick⸗Seminar sich durch feindseliges Auftreten gegen die specifisch⸗lutherischen Lehren, namentlich gegen die vom heil. Abendmahl hervorgethan, so wurde er von dem Union⸗Collegium in New⸗ York mit dem Titel eines Doctors der Theologie beschenkt. Gettysburg. — Dr. J. A. Brown, mehrere Jahre Pastor in York und Rea⸗ ding, Pa., nachher Professor in Süd⸗Carolina und seit einigen Jahren Kaplan in einem Regierungs⸗Hospital, ist einstimmig an die Stelle des Dr. S. S. Schmucker, als Professor im Gettysburg Seminar erwählt worden. — Dr. Schmucker hatte schon im Frühjahr resignirt und gedenkt sich mehr mit schriftstellerischen Arbeiten zu beschäftigen. II. Ausland. Union. In Genf hat man zur Calvinsfeier das Lutherlied „Ein' feste Burg“ gesungen. Umhersegelnde Kirchen. Der Bischof von Neufundland hat eine sinnige Erfin⸗ dung gemacht, um bei dem geographisch schwierigen Terrain seines Sprengels, der nicht überall Kirchenbauten gestattet, auszuhelfen. Er hat ein eigenes Schiff zur Capelle ausrü⸗ sten lassen, und fährt an gewisse Stationen hin, woselbst die betreffenden eingepfarrten Böte besteigen, um dem Schiffs⸗Capellen⸗Gottesdienst beizuwohnen. Duldung in Spanien. Spanien ist jetzt noch das einzige Land in Europa, das an den alten strengen Religionsgesetzen festhält. Nur in Spanien haben die Gesandten der pro⸗ testantischen Mächte, Deutschlands und Englands, keine gottesdienstlichen Capellen, welche ihnen doch selbst der Papst in Rom nicht versagt hat. Königin Isabelle ist streng katholisch mit allem Aberglauben, der in Spanien reichlich daran hängt. Als sie ihrer Entbindung entgegensah, ließ sie von Saragossa eine Reliquie, den Arm St. Johannis, holen und in ihrem Gemache niederlegen. Sie wacht daher mit Strenge über den Gesetzen zum Schutze ihrer Kirche. Als sie am 24. März, „allein mit den huldvollen Antrieben ihres eigenen Herzens zu Rathe gehend,“ alle politischen Verbrecher begnadigte, waren allein diejenigen ausgeschlossen, welche, wie Matamoros u. a., ihres protestantischen Glaubens halber ver⸗ bannt waren. Den 5. Januar wurde der Herausgeber einer Zeitung vor Gericht gefor⸗ dert, der in einem Artikel gesagt hatte, die religiöse Duldung würde das beste Mittel sein, das Land wieder zu bevölkern und die Colonien in Aufnahme zu bringen. Dieser streng katho⸗ lische Geist geht aber noch durchs ganze Land, und es sind nur vereinzelte Stimmen, welche sich öffentlich dagegen erheben, wenn auch in der Stille die Zahl derer wachsen mag, die nach mehr Freiheit verlangen. Africa. Die lutherische Gemeinde der Capstadt in Africa besteht nach einem Berichte der vierteljährlichen Nachrichten von Consistorialrath Cammann schon vor der Eroberung der Colonie durch die Engländer im Jahre 1795. Englischem Einflusse ist es zuzuschreiben daß sich die Gemeinde seit der Zeit bis zum Jahre 1827 ihre Prediger von dem Consistorium zu Hannover erbat. Die Erfahrung aber, daß diese Prediger sich nach einer Reihe von Jahren wieder nach ihrer Heimath begaben, bewog sie von da an bis 1850 sich ihre Prediger anderswo herzunehmen. Unter diesen zeichnete sich durch Gaben und Thätigkeit besonders Stegmann aus, der auch das Werk der Mission kräftig angriff, obgleich dasselbe nir⸗ gends weniger Gunst als in der Nachbarschaft der Heiden hat. Da er sich aber in seiner Amtsthätigkeit große Freiheiten erlaubte, und nicht nur die Sacramente gegen den lutheri⸗ schen Brauch verwaltete, sondern auch in seiner Lehre, z. B. von der Taufe, reformirte