# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1864_S290 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 290 Zwei Actenstücke aus der preußisch⸗lutherischen Kirche. setzen müssen. Dies zu thun, ohne einerseits die Treue gegen das lutherische Bekenntniß und ohne andrerseits auch die tragende Liebe und Geduld, die wir irrenden Brüdern schuldig sind, zu verletzen und die kirchliche Gemeinschaft mit letzteren, so lang es irgend Glaube und Gewissen erlaubt, aufrecht zu erhalten und hiefür, wo möglich, den nöthigen Raum und Boden zu gewinnen, das ist unser ernstliches Streben und der Gesichtspunct, von dem aus wir gegenwärtige Anträge an die h. Synode richten. Um der h. Synode unsre theologische und kirchliche Stellung zu bezeichnen, verweisen wir auf die jüngst erschienene Broschüre: „Einfältiges Bekenntniß in Sachen unseres Kirchenstreits von Fr. Brunn,“ worin diese unsre Stellung ausführlicher dargelegt ist. Mit Bezugnahme auf sie erklären wir auch hier: I. daß wir der wesentlichen Unterscheidung unsrer theologischen und kirchlichen Stellung von derjenigen, die von Pastor Diedrich vertreten wird, uns bewußt sind und soweit, als die Separation des Pastor Diedrich und der mit ihm verbundenen Pastoren von ihrer dogmatisch einseitigen und extremen Richtung beeinflußt worden ist, können wir nicht anders, als unsre Mißbilligung über dieselbe aussprechen. Doch halten wir eine weitere Erörterung unsrer Ansicht hierüber um so weniger nöthig, als die Diedrichsche Partei (um der Kürze wegen diesen Ausdruck zu gebrauchen) bereits ihre fest entschiedne Stellung außerhalb unsrer Synodalgemeinschaft genommen hat. II. Im tiefen und völlig ausgeprägten Gegensatz finden wir uns mit der theologischen Richtung des hochw. Oberkirchencollegiums, wie diese namentlich von Herrn Direktor Huschke dargelegt worden ist. Wir müssen hierbei besonders und vor Allem hervorheben, daß es sich uns nicht bloß um die Frage von „göttlicher Stiftung“ des K.⸗Regiments handelt. Dieser Ausdruck scheint uns überhaupt theils gar verschiedener mehr oder weniger falschen Deutung fähig zu sein, theils könnte er möglicherweise sich beschränken lassen auf Grenzen, innerhalb deren er etwa wirklich eine weniger wichtige oder symbolisch vielleicht noch weniger fixirte Bedeutung bekäme, wie manche unter uns dies meinen. Es handelt sich bei dem Gegensatz gegen die theologische Stellung unseres O.⸗K.⸗C. um ein ganzes, in sich vollständig abgerundetes Lehrsystem, das aufs tiefste in alle Theile und Principien unsrer luth. Symbollehre eingreift und dieselbe nach unsrer Ueberzeugung umstürzt. Wir bezeichnen namentlich: 1. Die Huschke'sche Lehre von der Kirche, nach welcher der äußere Verfassungs⸗ und Aemter⸗Organismus der Kirche in solcher Weise zum Wesen derselben hinzugerechnet wird, daß die eigentliche Kirche nicht bloß als die Gemeine der Heiligen oder als ein rein geistliches Glaubensreich gefaßt wird, sondern zugleich als eine äußere, in Aemtern gegliederte Anstalt, woraus — als Spitze und gleichsam als Schibolet dieses Kirchenbegriffs — die Behauptung folgt, daß auch die Gottlosen, die in der äußeren Gemeinschaft der Kirche leben, am Wesen der Kirche participiren oder Glieder des Leibes Christi sind. (Näheres siehe in der Beigabe.)