# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1864_S287 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 287 lutherischen Abendmahlsformel, oder die Beeidigung der Geistlichen auf die symbolischen Bücher, oder der Beichte fordern? Hat man das Eine den Glaubensschwachen zugestanden, wird man das Andere nicht verweigern können, ohne inconsequent zu sein. Die Schrift spricht: Halte was du hast, daß Niemand deine Krone nehme. Unsre Krone ist unser alter, lutherischer Glaube und ein ehrliches, unbeflecktes Gewissen. Das wollen wir halten.“ Wien. So berichtet Münkel's Neues Ztbltt. vom 6. Mai: „Die evangelische theologische Facultät zu Wien hat in jüngster Zeit zwei neue Besetzungen erfahren, die wir als bedeutsame Fingerzeige ansehen können. Man weiß, welch eine Theologie unter den Protestanten in Wien regiert hat und wie wenig Aussicht zur Besserung vorhanden zu sein schien, zumal unter dem gegenwärtigen liberalen Regimente des Herrn von Schmerling. Indessen hat derselbe an Ungarn ein Beispiel vor Augen, auf welche abschüssige Bahn die Kirche geräth, wenn die verneinende Theologie ihre Zügel in die Hände bekommt. Gegen Schluß des vorigen Jahres wurde Sebering als Professor der praktischen Theologie eingesetzt, nachdem er schon neun Monate den Lehrstuhl stellvertretend inne gehabt hatte. Gegen seine Ernennung wurde alles in Bewegung gesetzt. Die Professoren Lipsius' und Roßkopf begaben sich persönlich deswegen zum Minister von Schmerling; sie verstanden die Duldung so, daß nur Männer ihres Schlages geduldet werden sollten. Dennoch mußte Roßkopf selbst Sebering einführen (11. December), und er that das mit einer Rede, die lauter Fortschritt (von dem Grunde der Bibel) athmete und möglichst ins Licht stellen sollte, daß es mit der Theologie Seberings nichts sei. Sebering, anfangs bleich und fast zitternd, antwortete darauf (nach dem Berichte des Freimund) mit einem guten Bekenntnisse. Dem ist nun bald darauf eine zweite Berufung nachgefolgt, welche die Protest. K. Z. mit den Worten einleitet: „„Schon wieder hab' ich Ihnen ein Stück Leidensgeschichte der hiesigen ev. theol. Facultät zu erzählen.““ Der Lehrstuhl der reformirten Glaubenslehre ist mit Lic. Böhl, bis dahin Privatdocenten in Basel, besetzt. Seine zwölf messianischen Psalmen sind ihrer Zeit im Zeitblatte angezeigt, und wenn sie auch noch mehr wissenschaftliche Versuche auf einem mit Kreuzen besetzten Gebiete sind, so möchten sie leicht den Leistungen der Wiener Professoren ebenbürtig sein, sind aber jedenfalls Zeugnisse aus treuem Glauben. Nun, das letztere war genug, ihn den Professoren gründlich zu verleiden, zumal ihm ein so wichtiges Fach zugewiesen werden sollte. Noch übler empfand man es, daß die theologische Facultät gar nicht einmal vorher um ihr Gutachten gefragt wurde, was um so überflüssiger erscheinen konnte, da dieselbe schon bei einer früheren Gelegenheit sich diesen Böhl verbeten hatte. Als nun die Kunde von dem verhängnißvollen Beschlusse der Regierung kam, versuchte man ihn noch einmal rückgängig zu machen, indem man sich einstimmig dahin erklärte, daß Böhl überhaupt für einen Lehrstuhl untauglich sei. Der Minister kam ihnen jedoch zuvor, und die Bestätigung Böhls vom Kaiser überraschte sie, ehe sie ihren eigenen Beschluß eingereicht hatten. Kirchliche Zustände in Schleswig-Holstein. Hierüber lesen wir in Münkel's Neuem Zeitbl. vom 10. Juni: Ueber den kirchlichen Zustand Schleswigs ist viel geklagt und die Schuld auf die dänische Wirthschaft geschoben, welche mit ihrem Sprachzwange die Leute aus der Kirche hinausgetrieben habe. Das ist gewiß nicht ohne Grund. Früher ganze kirchliche Gemeinden, ja ganze Gegenden sollen dadurch arg verwüstet sein. Indessen kann das nur von dem kleinern deutschredenden Theile gelten, und überdies erfahren wir aus einem Berichte der N. Ev. K. Z., daß der Sprachenzwang nicht der einzige und auch nicht einmal der erste Grund ist. Außer denen, die aus politischen Gründen nicht in die Kirche gehen, gibt es noch eine große Anzahl politisch Gleichgültiger. Was hat diese der Kirche entfremdet? fragt der Berichterstatter und antwortet darauf: Der irreligiöse Zug der Zeit, der fast durchgängig zur Herrschaft gelangt ist. Es ist hier aber nur von den Städten die Rede. Man beschwerte sich in diesem letzten Kriege, daß die Schulen und nicht die Kirchen zu Lazarethen eingerichtet seien, da man diese entbehren könne, jene behalten müsse. Warum auch nicht? In Flensburg mit 19,000 Einwohnern sind sämmtliche Kirchen Sonntag um Sonntag erschreckend leer, in Schleswig fast ganz leer. Ein Pastor in E. erzählte, daß er am letzten Sonntag vor vier Erwachsenen gepredigt habe. Doch sind die Pastoren fast durchweg gläubig. In Holstein ist es etwas besser, aber nicht viel besser. Tritt man in