# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1864_S286 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 286 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Und warum? Nur damit ja alle, alle, auch die offenbar Gottlosen bei euch bleiben, nur um der Allerweltsunion willen. Und warum sollen sie bei euch bleiben? Die Hand aufs Herz: ihr belügt euch nur, wenn ihr sagt, ihr hoffet, sie sollten sich noch bekehren in eurer Gemeinschaft. Ihr habt einen anderen Grund, einen elenden, erbärmlichen Grund. Es ist euch zu thun um den äußern schönen Bestand eurer sogenannten Kirche, um irdisch Gut, Geld und Herrschaft ists euch zu thun. Ihr fürchtet, diese armseligen irdischen Dinge zu verlieren, darum wagt ihr nicht zu thun, was euch Jesus befiehlt, darum haltet ihr die 9700 zurück, mit Gewalt zurück in euren Banden. O des Jammers! Meint ihr damit dem Herrn einen Dienst zu thun? Ja dem Teufel thut ihr wohl Dienste damit, aber nicht Christo! Ihr verderbet die 9700 und die andern auch noch obendrein. Lernet doch von Gideon. Wo nicht, so wisset, daß draußen — nicht im Himmelreiche — sein werden die Verzagten und die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Todtschläger und die Abgöttischen und Alle, die lieb haben und thun die Lügen. Als die Midianiter sahen, daß sich Gideons Heer so verringerte, da mögen sie wohl frohlockt haben. Sie waren desto siegesgewisser — aber sie lagen im Grunde, und sie sollten zu Grunde gehen. Laßt denn auch heute immerhin die Gottlosen frohlocken, wenn der Haufe der Heiligen klein und gering wird — die Feinde lagern im Grunde, im menschlich-teuflischen Grunde der Hoffart und Bosheit. Zu seiner Zeit wird sich der Abgrund aufthun und sie verschlingen ewiglich.“ Möncherei. Im „Evangelisten“ lesen wir: „In England macht ein protestantischer Mönchsorden unter der Leitung eines gewissen Bruder Ignatius viel Aufsehen. Diese Mönche machen Wallfahrten, führen ein Klosterleben und veranstalten pomphafte Prozessionen.“ Teufelsentsagung. Ueber die relative Abschaffung derselben in Hannover spricht sich auch Th. Harms, Pastor in Müden a. d. Oerze, Bruder des bekannten Harms, sehr gut u. A. folgendermaßen aus, wie wir in Räthjens Kz. lesen: „Endlich sagt man, eine förmliche Teufelsentsagung ist bei der Taufe nicht nothwendig, und die Schrift sagt nichts davon. Indem der christliche Glaube bekannt wird, wird damit zugleich dem Teufel entsagt. Somit bleibt die Taufe eine rechte Taufe auch ohne Teufelsentsagung. — Allein es handelt sich bei der Entsagungsfrage nicht um das Sacrament der Taufe, sondern um das Bekenntniß der Lehre. Warum sträuben wir Lutheraner uns so sehr gegen die Spendeformel der Reformirten beim heiligen Abendmahle: „„Unser HErr Christus spricht, dies ist mein Leib““ und sagen: Nehmet hin und esset, dies ist der wahre Leib des Herrn Jesu Christi? Eben weil die reformirte Spendeformel nicht bekennt, während die lutherische das klarste, bestimmteste Bekenntniß ist. Aus demselben Grunde ist das klare Bekenntniß bei der Taufe nothwendig. Dies Bekenntniß wird eben in der neuen Entsagungsformel hinfällig, denn der Sinn des Gesetzes und die laute Forderung der sogenannten Glaubensschwachen verlangt, daß der Täufling durch die Gevattern nicht zu entsagen und damit also nicht zu bekennen brauche, daß es einen persönlichen Teufel gibt und daß die Sünde Teufelei ist. Darnach kann Jemand ein guter rechtgläubiger Christ und ein wohlgeschickter Taufzeuge sein, wenn er, obschon die heil. Schrift und das Bekenntniß der Kirche auf das Klarste und Unzweideutigste bezeugt, die Lehre von dem persönlichen Teufel verwirft, und selbst als Gevatter dafür sorgen, daß der Täufling in dem lutherischen Bekenntniß mit aller Treue später unterwiesen werde. Es wird damit die Lehre vom Teufel zu den gleichgültigen Mitteldingen gezählt, während sie doch zu den allerwichtigsten Lehren gehört, ohne die das Dasein der Sünde unerklärlich und das ganze Erlösungswerk des Herrn geradezu unmöglich wäre. Weil der in unsern Landen aufgeregte Sturm gegen die Lehre vom Teufel gerichtet ist, die bei der Taufhandlung ihren wichtigsten und schärfsten Ausdruck erhält, muß die Teufelsentsagung gerade bei der Taufe gefordert werden. Hält man dem entgegen: der Prediger entsage ja bei der Taufe dem Teufel, so ist die Antwort: der Prediger hat bei der Taufe nicht zu entsagen, sondern der Täufling durch die Gevattern. Die neue Entsagungsformel kann von gläubigen, bekenntnißtreuen Predigern und Laien ohne Gewissensbeschwerung nicht gebraucht werden. Hat man dem Drängen der Glaubensschwachen hierin nachgegeben, was wird man für Gründe haben können zu verweigern, wenn sie z. B. die Abschaffung der