# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1864_S285 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 285 Ev. Luth. Kirche zu Philadelphia. 2. Daß die Facultät dieses theol. Seminars für diese Zeit bestehe aus drei Professoren ordinarii und einer hinlänglichen Anzahl Hilfs-Professoren (extraordinarii). Einer dieser Professoren soll das deutsche Departement, ein anderer das Englische vertreten und ein dritter in beiden Sprachen lehren. 3. Daß Dr. C. F. Schäffer, unser deutscher Professor in Gettysburg, als einer der Professoren ordinarii angesehen werden soll und es deshalb den Directoren zur Pflicht gemacht wird, denselben, sobald es die Umstände gestatten, von Gettysburg nach Philadelphia zu versetzen. 4. Daß die Synode nun Dr. W. J. Mann als Professor des Deutschen, und Dr. C. P. Krauth, jr., als Professor des englischen Departements erwähle. 5. Daß die Synode aus unsern Predigern in Philadelphia und der Nachbarschaft, eine hinlängliche Anzahl Gehilfs-Professoren ernenne, welche Glieder der Facultät sein sollen, und welche in solchen Zweigen zu unterrichten haben, die ihnen vom Directorium zugewiesen werden.“ II. Ausland. Verfassung der Kirche. Bei Gelegenheit der Versammlung des kirchlichen Centralvereins in der Provinz Sachsen (in Gnadau) am 5. und 6. April d. J. legte Pastor Ahrendts in Ilsenburg acht Thesen über Kirchenverfassung vor. Dieselben zeugen davon, wohin man gekommen ist, nachdem man die reine Lehre verloren hat und doch der Kirche helfen möchte. Die 3. bis 5. Thesis lautet, wie folgt: „3. Die auf Grund des vierten Gebotes in der Kirche erwachsene Ordnung, daß geistliche Aufseher oder Bischöfe jure divino über die Presbyter oder Pastoren gesetzt sind, und die Presbyter ihr Pfarramt wiederum jure divino verwalten, und das Alles nach bestimmten, aus der göttlichen Offenbarung und aus dem christlichen Leben erwachsenen Normen, ist die Episcopal-Verfassung der Kirche. 4. Diese Episcopal-Verfassung ist von den Tagen des heil. Ignatius an für das einzig richtige Schirmdach der Kirche angesehen und conservirt worden. Sie konnte durch Willkür und Vergewaltigung der Päbste und Bischöfe wohl geschädigt, aber nicht vernichtet werden. Ihren Werth behält sie so gut in der Kirche für alle Zeiten, wie die ständische Monarchie im Staat. 5. Auch die Reformatoren konnten sich trotz ihrer Oppositionsstellung gegen die damaligen Träger des Episcopats je länger desto weniger der Ueberzeugung entziehen, daß ohne episcopale Verfassung die Kirche auf die Dauer nicht bestehen könne.“ In Meran (Tirol), woselbst für die evangelischen Kurgäste längst eine kleine Kapelle besteht und jetzt ein festes Pfarrsystem gegründet werden soll, ist die Aufregung besonders stark. Vor einiger Zeit hatte die Badedirection zwei Figuren aus Terracotta zur Verschönerung eines Platzes aufgestellt. Diese bewirkten einen heftigen Tumult, der mit der Zertrümmerung der Figuren endete durch die Hände armer Leute, denen man vorgeredet hatte, dieselben stellten lutherische Göttinnen dar. Hannover. Die Beschlüsse der hannoverschen Vorsynode in Betreff einer neuen Kirchenverfassung für die hannoversche Landeskirche haben die Zustimmung der ersten hannoverschen Kammer nur mit Mühe und Noth erhalten. Indeß sind sie nun allseitig genehmigt und es wird nun wohl auf dem gelegten Grunde weiter gebaut werden. Kirchenzucht. Denen, welche keine Kirchenzucht üben wollen, um nur den Hausen zusammenzuhalten, hält Pfarrer Vollert in Clodra bei Weida im Weimarschen in seinem Blatt „Gideon“ vom 15. Juni Folgendes vor: „Gideon hat keinen Versuch gemacht, die 9700 zu halten, viel weniger hat er Gewalt dazu angewendet. Warum, ihr Landeskirchler, laßt ihr die 9700 Abgefallenen nicht von euch, da sie doch Gott von seiner Kirche scheiden will am Wasser, d. h. durch das hl. Schlüsselamt? Ihr vergleichet und vertraget euch mit ihnen, ihr seid ängstlich besorgt und bemüht, sie ja nicht zu beleidigen, ihr gebt ihnen sogar nach, damit sie nur bei euch bleiben, ihr gebet also die Wahrheit den Herrn Jesum selbst preis, ihr wagt nicht das Schlüsselamt zu üben, ihr wagt nicht aus der Gemeine auszuschließen, welche offen ihren Unglauben bekennen, ihr lügt euch vor, sie seien Schwachgläubige, mit denen man Geduld haben müsse, da sie doch Starkungläubige sind, welche keine Kirche tragen soll, ihr werfet die Perlen vor die Säue und das Heiligthum vor die Hunde.