# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1864_S277 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Christlicher Katechismus; ein Leitfaden zum Religionsunterricht. 277 wendung, welche der Katechismus von Gal. 3, 28. macht, können wir unsere unbedingte Zustimmung nicht geben. Er sagt: Hier ist kein Jude, noch Grieche (man darf hinzufügen im Sinne des Apostels: kein Grieche, noch Lateiner, kein Katholik, noch Protestant, kein Lutheraner, noch Reformirter, kein Episcopale, noch Presbyterianer ꝛc.) hier ist kein Knecht, noch Freier, hier ist kein Mann, noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christo Jesu. Sollte hiermit nur die Wahrheit ausgesprochen werden, daß die unsichtbare Kirche ihre Glieder in allen Kirchenparteien hat, wo das Wort Gottes wesentlich bleibt, wenn es auch nicht ganz rein gepredigt wird, so stimmen wir völlig damit überein, nur müssen wir das tadeln, daß der Mißdeutung dieser theuren Wahrheit zu Gunsten des confessionellen Indifferentismus nicht mit einem Zusatze vorgebeugt wird; will aber der Katechismus diesen confessionellen Indifferentismus selbst mit des Apostels Worten vertheidigen, dann können wir uns über die Ungereimtheit, mit der dem Apostel ein solcher Sinn untergelegt wird, nicht genug verwundern. Wäre dem Sinn des Apostels der Satz gemäß: die Verschiedenheit der Kirchen hebt die Einigkeit in Christo nicht auf, es bleibe ein jeder Katholik oder Protestant, Lutheraner oder Reformirter, sie sind doch alle eins in Christo, dann müßte consequenterweise dem Apostel auch der Sinn beigemessen werden: der Jude behalte seine jüdischen Irrlehren, der Grieche seinen Götzendienst und seine Vernunftweisheit; beide können doch eins in Christo sein. Der Sinn des Apostels kann offenbar kein anderer, als der sein, daß Gott jeden ohne Unterschied seines früheren Standes durch den einen Christum allein selig machen will. Weit entfernt, einem confessionellen Indifferentismus das Wort zu reden, beweiset dieser Spruch das gerade Gegentheil und verpflichtet einen jeden Christen, derjenigen Kirchengemeinschaft sich anzuschließen, in welcher der eine Christus und der eine Weg zur Vereinigung mit ihm klar und wahr gelehrt wird, und alle andere Kirchengemeinschaften zu meiden. Was die Lehre vom heil. Abendmahl betrifft, so gibt der Katechismus keine andere, als die des Heidelberger Katechismus, macht Christi Leib und Blut zur Gnade des heiligen Abendmahls, also das Mittel zur Furcht, und definirt den Genuß des Fleisches und Blutes Christi als Aneignung der Lebenskraft seiner wahren Menschheit in und außer dem heil. Abendmahl. Endlich gedenken wir noch des merkwürdigen Widerspruchs, in welchen sich der Katechismus verwickelt, indem er zwar die andern Ceremonien, die von der römischen Kirche als Sacramente angesehen werden, von den wirklichen Sacramenten, Taufe und Abendmahl, sondert, und doch auf die Confirmation einen allzu großen Nachdruck legt. Es wird gesagt: Getaufte Kinder bedürfen der Confirmation, und bald darauf wird die Handauflegung als Mittel des Segnens und der Mittheilung der Gaben des heil. Geistes aufgeführt; ebendaselbst wird von einer Wirkung der Confirmation gesprochen, sodaß diese Handlung, welche doch nur menschlicher Einsetzung ist, nicht scharf genug von den eigentlichen Sacramenten unterschieden wird. Es wäre nun noch der dritte Theil des Katechismus, der vom Decalog