# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1864_S276 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 276 Christlicher Katechismus; ein Leitfaden zum Religionsunterricht. für einen christlichen Katechismus ist die Antwort auf die Frage: Was nützt uns das Leben Jesu? Es ist ein Spiegel der höchsten Frömmigkeit und Tugend oder der vollkommenen Gottes- und Menschenliebe zu unserer Nachahmung. Weiß der Katechismus seinen Schülern keinen anderen Nutzen des Lebens Jesu zu sagen, dann sind sie in der That zu beklagen. Hätte er sie nicht vor allem belehren sollen, daß Christus in seinem Leben darum unter das Gesetz gethan war, auf daß er die, so unter dem Gesetze waren, erlösete? Gal. 4, 45. Dies hätte in einem christlichen Katechismus, als Nutzen des Lebens Jesu, den ersten Platz einnehmen und dann das Tugendmuster folgen sollen. Was der Katechismus von den drei Grundformen des Christenthums und deren Repräsentanten, Petrus, dem Apostel der Hoffnung, Paulus, dem aufbauenden Apostel des Glaubens, und Johannes, dem vollendenden Apostel der Liebe und Repräsentant der vereinigten Kirche redet, mag gewiß manchem höchst schön und geistreich vorkommen; wir können es nur als eine, alles biblischen Grundes ermangelnde, Fehlgeburt ansehen. Denn lehrt nicht Petrus den Glauben eben sowohl, als die Hoffnung? Ermahnt nicht Paulus in allen seinen Episteln zur Liebe, als des Gesetzes Erfüllung? und daß Johannes so klar und eindringlich schreibt: Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, (also nicht die Liebe), macht uns rein von aller Sünde, weiß jeder Bibelleser. Und was ist denn die vereinigte Kirche, zu deren Repräsentant der Apostel der Liebe gemacht wird? Etwa die aus Juden und Heiden vereinigte Kirche? O das sei ferne! Der Verfasser des Katechismus würde in starken Ausdrücken eine solche Auslegung corrigiren und sagen: nein, sondern die unirte Kirche. Allein für die Ehre, der Repräsentant einer solchen Kirche zu sein, würde sich der Apostel Johannes bedanken. Wenn wir dem Katechismus den Vorwurf machen, er unterscheide nicht genau Gesetz und Evangelium, Mosen und Christum, Werke und Glauben, so ists uns wohl bewußt, daß es eine schwere, aber nicht ungegründete Beschuldigung ist. Einen Beleg dafür haben wir schon anticipirt, da von dem Nutzen des Lebens Jesu die Rede war; wir müssen jetzt noch einen anderen hinzufügen: Wozu ermahnt dich die Himmelfahrt Jesu? Zu trachten nach dem, was droben ist, damit ich dereinst seiner himmlischen Herrlichkeit theilhaftig werde. Vom eigentlichen Nutzen der Himmelfahrt weiß uns der Katechismus kein Wörtlein zu sagen, und um der Herrlichkeit theilhaftig zu werden, ist es ihm nicht vor allem um den Glauben, sondern um das Trachten nach dem, das droben ist, zu thun. Einen dritten Beleg nehmen wir daraus, daß er die Bergpredigt die Gesetzgebung des Neuen Bundes vom Berge der Seligpreisung nennt. Wie schön der Gedanke sein mag, irrig ist er doch. Die Bergpredigt ist nicht eine neue Gesetzgebung, sondern eine Auslegung des mosaischen Gesetzes. Christus ist nicht ein neuer Gesetzgeber, sondern ein Heiland, der uns vom Gesetze erlöset hat, und so oft er das Gesetz lehrt, thut er ein fremdes Werk, um dadurch zu seinem eigenen Werke zu kommen, die armen Sünder zu trösten und selig zu machen. Es sei uns erlaubt, noch einiges über die Ausführung des dritten Artikels zu bemerken. Zu der An⸗