# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1864_S274 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 274 Christlicher Katechismus; ein Leitfaden zum Religionsunterricht. einer tyrannischen Obrigkeit stets sprechen: Behüte mich Gott, daß ich meine Hand an sie legen sollte; ihre Frevel wird der gerechte himmlische Richter zeitig genug strafen, und ihre gottlosen Befehle will ich nicht vollbringen, oder ausführen helfen; in allem aber, was ohne Sünde geschehen kann, will ich ihr gehorchen, denn trotz aller Tyrannei ist und bleibt sie dennoch die von Gott über mich gesetzte Obrigkeit, der ich nicht bloß der Strafe, sondern mehr noch des Gewissens halber unterthänig sein soll. (Eingesandt von Past. G. Löber.) Christlicher Katechismus; ein Leitfaden zum Religionsunterricht in Schule und Haus, von Philipp Schaff, Doctor und Professor der Theologie. (Schluß.) Obwohl alle Hauptstücke christlicher Lehre im Allgemeinen gleiche Wichtigkeit haben, insofern sie ein Mensch wissen und glauben muß zur Seligkeit, so ist doch das apostolische Symbolum das Centrum und die Sonne, zu der die Strahlen aller übrigen Stücke sowohl zurückgeführt werden, als auch davon ausgehen. Von so viel größerer Wichtigkeit ist es, daß dieses Bekenntniß einem Christen rein und unverrückt bleibe. Um so mehr muß die mehrfache Entstellung der christlichen Lehre befremden, die sich auch bei Erklärung dieses zweiten Theils findet. Die einleitende Frage: „Was ist Glaube?“ läßt eine Definition des Wortes „Glaube“ erwarten, ist aber nichts weniger als eine solche. Denn wenn die Antwort lautet: „Die lebendige Gemeinschaft der Seele mit Christo, wodurch wir seines Lebens und aller seiner Wohlthaten theilhaftig werden,“ so läßt sie den Schüler über das Wesen des Glaubens ganz im Dunkeln bleiben, ja eine ganz irrige Vorstellung von ihm bekommen, indem der Katechismus den Glauben mit der Folge und Wirkung des Glaubens vermengt. Wenn ferner der Katechismus das Wort „Hölle“ im zweiten Artikel mit dem Ausdruck „Todtenreich“ zu verbessern meint, so macht er allerdings aus Christi Höllenfahrt etwas ganz anderes, als die symbolische Lehre sowohl der lutherischen als auch der reformirten Kirche ist. Beim dritten Artikel beschuldigt der Katechismus Luthern einer mit Unrecht vorgenommenen Veränderung des Wortes „katholisch“ in „christlich.“ Wie grundlos Luthern diese Veränderung zur Last gelegt wird, hat bereits B. Carpzov in seiner Isagoge in libr. symb. nachgewiesen. Luther hat, so schreibt er, in der deutschen Uebersetzung dieses Symbolums für katholisch christlich gesetzt, nach dem Beispiele der alten deutschen Kirche, welche, wie Chemnitz berichtet, auch vor Luthers Zeiten diesen Artikel also gibt: Ich glaube eine heilige christliche Kirche. Ebenso irrelevant, ja ungerechtfertigt ist es, daß statt der gewöhnlichen Uebersetzung des griechischen σαρξ (Fleisch) „Auferstehung des Leibes“ substituirt wird; denn was der Katechismus als Grund dafür anführt: Fleisch und Blut im grob materiellen Sinne werden das Reich Gottes nicht ererben, ist in der That allzu schwach, um als Grund