# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 07 05_S193 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) geraubt, die bekümmerten und göttlich traurigen Seelen um ihren herrlichſten Troſt beſtohlen, und ſtatt dieſes Steckens und Stabes des HErrn (Pſalm 23, 4.) auf die Krücke eines ungeſunden Gefühlsglaubens, eines Stückwerks von geſetz⸗ ftreibriſcher Bekehrung gewieſen. Mit Recht hat deßzhalb die lutheriſche Kirche, nach ihrem heiligen Ernſt und Eifer um die lautere und ungefälſchte Heilswahrheit der heiligen Schrift, die loſen Gau⸗ keleien der Sacramentirer widerlegt und verwor⸗ ſen, und ſie als Feinde der Kirche bezeichnet. Wie ſollte ſie nun jetzt anders thun? Ja! gerade weil dieſe Fälſcher den lutheriſchen, d. i. rechtgläubigen, Namen tragen, und zudem trotz ihres Widerſpruchs gegen das Bekenntniß der lutheriſchen Kirche ſich die „amerikaniſch-lutheriſche Kirche“ nennen, dür⸗ fen aufrichtig und lauter geſinnte Synoden nicht länger dazu ſchweigen, ſondern müſſen ein kräf⸗ tiges und entſchiedenes Zeugniß wider ſie erheben und ihnen den lutheriſchen Ehrennamen herun⸗ ter reißen; denn ſonſt würden ſie durch ihr Schweigen dieſen Verrath an der Wahrheit zu billigen ſcheinen, mit Recht in den Verdacht der falſchen Menſchenrückſicht und Liebedienerei ge⸗ nathen und ſich theilhaftig machen fremder Sünden. Was würden die Herren Synodalen ſagen, wenn ihnen ihre Vettern, wider ihr Wiſſen und Willen, am hellen Tage und vor ihren Augen 3. B. die Bildniſſe Luthers und Melanchthons ꝛc. aus ihren Stuben wegnähmen und ihnen dafür Calvin und J. Wesley an dieſelben Nägel hingen? Würden ſie damit zufrieden ſein und durch +Schweigen dieſen vetterlichen Liebesdienſt billigen? Würde nicht vielmehr Gewiſſens⸗ und Liebes⸗ pflicht die Beraubten gleichmäßig nöthigen, ihre verirrten Vettern mit heilſamem Ernſte zu ſtrafen, und falls dieſe es nicht zu Herzen nähmen, doch ihr Eigenthum zurückzunehmen? Was ſind aber die Bilder von Luther und Melanchthon gegen das reine Wort und Sacrament, das ſie uns in heißem und langen Drange und Kampfe gegen Satan, Welt und das eigene Fleiſch erſtritten und hinterlaſſen haben, damit wir es auch aus innerer Herzens⸗Erfahrung mit ihnen und allen treuen Zeugen von Anfang lebendig bekennen in wahrhafter Einheit des Glaubens und Heiligen Geiſtes, und damit wir es auch, ihnen ähnlich, gegen ſchwärmeriſche An- und Eingriffe falſcher Brüder auf das Entſchiedenſte vertheidigen? Fürwahr, würden die aufrichtig und lauter ge⸗ ſinnten Synoden in dem bisherigen Schweigen beharren und kein Geſammtzeugniß wider die re⸗ formirt⸗methodiſtiſche ſogenannte lutheriſche Ge⸗ neral⸗Synode erheben, ſo gehört eben kein pro⸗ phetiſcher Geiſt dazu, um vorauszuſehen, daß der Herr zur gerechten Strafe und Züchtigung noch ärger als bisher die Methodiſten und vielleicht noch ſchlimmere Secten, auch in deutſcher Sprache, auf ſie loshetzen wird; denn mit der Ruthe, die wir uns ſelbſt binden, werden wir billig geſtraft. 9 189 Der Glaube und das Gefühl. (Siehe: Luthers Werke, Hall. A. Tom. VIII. p. 1164—73.) „Ich ſage allezeit, daß der Glaube ſchlecht nichts, denn das Wort für ſich haben ſoll, und nur kein Klügeln noch Gedanken leiden; ſonſt iſts nicht möglich, daß er bleibe und erhalten werde. Denn Menſchen-Weisheit und Vernunft kann nicht höher noch weiter kommen, denn richten und ſchlie⸗ ßen, wie ſie vor Augen ſiehet und fühlet, oder mit Sinnen begreifet; aber der Glaube muß über und wider ſolch Fühlen und Verſtehen ſchließen, und haften an dem, das ihm vorgetragen wird durchs Wort; das kann er aus Vernunft und menſchlichem Vermögen nicht thun, ſondern iſt des Heiligen Geiſtes Werk im Herzen; ſonſt dürfte er des Glaubens noch Heiligen Geiſtes nirgend zu, wenn ers könnte mit Vernunft faſſen, oder ſollte darnach ſehen und ſchließen, was ſich mit ihr reimet oder nicht. Als, in dieſem Artikel, daß ich ſoll gläuben die Auferſtehung des Fleiſches, daß alle Menſchen auf einen Tag ſollen wieder lebendig werden, und unſer Leib und Seele zuſammen wird kommen, wie ſie jetzt beieinander ſind; das iſt wahrlich nicht Menſchen⸗Kunſt noch Vermögen. Denn die Ver⸗ nunft iſt da, und thut nicht mehr, denn ſiehet ſchlecht auf das Werk, wie es vor Augen iſt, daß die Welt ſo lange geſtanden iſt, und ſtirbt immer einer nach dem andern, und bleibt alles todt und verweſen, und gar zerpulvert im Grabe, und iſt noch nie keiner wiederkommen; dazu der Menſch ſo jämmerlich hin ſtirbet und verdirbet, elender und ſchändlicher, denn kein Vieh noch Aas; item, zu Pulver verbrannt oder zerſtäubet wird, ein Bein in England, ein Arm in Deutſchland, der Schädel in Frankreich, und ſo zertrennet in viel tauſend Stück; wie man der Heiligen Gebeine pflegt zu zeigen. Wenn ſie nun in dieſen Artikel geräth und will ihm nachdenken, ſo iſt es gewißlich gar verloren. Denn es kommen ihr ſo viel wun⸗ derliche, ſeltſame, ungereimte Gedanken für, daß ſie muß ſagen, es ſei nichts dran; gleichwie in allen andern Stücken, wenn das Unglück zuſchlägt, daß man ſie läſſet denken und meſſen in Gottes Wort nach ihrem Verſtand. Als, wenn ein Menſch ſeine Sünde und Gewiſſen fühlet, und ſich nicht bloß an das Wort der Gnade und Vergebung durch Chriſtum hält, ſondern dieſelben in die Augen faſſet, und dem Geſetz und Werken nach⸗ denket, und ſich damit will ſchlagen und beißen, der kommt gewißlich von der Vergebung, und hat die Gnade, die er durch den Glauben ſollte faſſen, verloren. Alſo iſt allen Ketzern geſchehen in dem hohen Artikel von Chriſto. Wie auch noch unſern Rot⸗ ten über der Taufe und Sacrament geſchiehet, weil ſie nicht bloß dem Wort gläuben, ſondern mit der Vernunft ſpeculiren und nachdenken: welche kann nicht anders ſagen, denn, Bood iſt Brod, Waſſer iſt Waſſer; wie kann Brod Chriſti Leib, oder Waſſer ein Bad der Seelen ſein? Denn ſie kann und will nicht im Wort bleiben, noch ſich drein gefangen geben, ſondern ihre Klug⸗ heit mit laſſen gehen, und ſelbſt verſtehen und meiſtern ꝛc. Und weil ſie ſiehet, daß ſo gar wider ihren Verſtand und alle Sinne und Fühlen iſt, ſo fället ſie davon und leugnets gar: oder, wenn ſie nicht fürüber kann, drehet und fiddert Gortes Wort mit Gloſſen, daß ſichs doch muß auf ihren Verſtand reimen, und der Glaube nicht Raum habe, ſondern der Vernunft weichen und unter⸗ gehen müſſe. Aber wider ſolches alles, was die Vernunft eingibt, oder ermeſſen und ausforſchen will, ja, was alle Sinne fühlen und begreifen, müſſen wir lernen am Wort halten, und ſchlecht nach dem⸗ ſelben richten, ob wir wohl vor Augen ſehen, daß der Menſch unter die Erde gelegt wird, dazu, daß er ſoll und muß verweſen, und den Würmern zu freſſen gegeben, und endlich gar zu Staube wer⸗ den. Item, ob ich gleich fühle die Sünde ſo ſtark mich drücken, und das Gewiſſen ſo zerſchla⸗ gen, daß ich nicht fürüber kann; noch muß der Glaube das Widerſpiel ſchließen, und feſt an dem Wort halten in dieſen beiden Stücken. Denn, wenn du willſt dem nach richten, das du ſieheſt und fühleſt, und wenn man dir Gottes Wort vorhält, dein Fühlen willſt dagegen halten und ſprechen: Du ſagſt mir wohl viel; aber mein Herz ſagt mir viel anders, und wenn du fühleſt, was ich fühle, ſo würdeſt du auch anders ſagen ꝛc., ſo haſt du denn nicht Gottes Wort im Herzen, ſon⸗ dern iſt durch deine eigene Gedanken, Vernunft und Nachſinnen gedämpft und ausgelöſchet. Kurz, wo du das Wort nicht willſt laſſen mehr gelten, denn alle dein Fühlen, Augen, Sinnen und Herz, ſo mußt du verloren werden und iſt dir nicht mehr zu helfen. Denn es heißt ein Artikel des Glau⸗ bens, nicht deiner Vernunft noch Weisheit, noch Menſchen⸗Kraft und Vermögen. Darum mußt du auch hier allein nach dem Wort richten, unangeſehen, was man fühle oder ſehe. Ich fühle auch meine Sünde und Geſetz, und den Teufel auf dem Hals, daß ich darunter liege, als unter einer ſchweren Laſt; aber was ſoll ich thun? Soll ich nach ſolchem Fühlen und meinem Vermögen ſchließen, ſo müßte ich und alle Menſchen verzweifeln und verderben. Will ich aber. daß mir geholfen werde, ſo muß ich, wahrlich, mich herum wenden, und nach dem Wort ſehen, und dem nach ſprechen: Ich fühle wohl Gottes Zorn, Teufel, Tod und Hölle; aber das Wort ſagt anders, daß ich einen gnädigen Gott habe, durch Chriſtum, welcher iſt mein HErr über Teufel und alle Creaturen. Ich fühle und ſehe wohl, daß ich und alle Menſchen hinunter im Grabe verfaulen müſſen; aber das Wort ſagt anders, daß ich mit großer Herrlichkeit auferſtehen und ewig leben ſoll. Das heißt nun des Glaubens Kunſt und Weisheit, ſo der Welt Weisheit zur Thorheit macht, welche ſolches hält für eine thörliche Pre⸗ digt, und ſcharret daher: Ja, das Evangelium kann nichts anders ſagen, denn daß wir ſollen Herren ſein über Tod, Sünde und alle Dinge; und ſehen doch nur das Widerſpiel an uns und aller Welt, daß da kein Leben, ſondern eitel Tod, Sünde und Teufels Gewalt iſt. Darauf grün⸗ det und fußet ſie, und ſpricht: Predige hin oder her, und ſage was du willſt, ich ſehe aber viel anders. Darum müſſen hier die zwei bleiben, daß wir Herren ſind des Teufels und Todes, und doch zugleich unter ſeinen Füßen liegen. Eines muß gegläubt, das andere gefühlet ſein. Denn die Welt, und was zu ihrem Weſen gehöret, muß den Teufel zum Herrn haben, der ſich mit aller Gewalt an uns hänget, und iſt uns weit über⸗ legen, denn wir ſind ſeine Gäſte, als in einer fremden Herberge. Darum müſſen wir, ſo viel an uns iſt, von der Welt und dieſem Leben in Blut und Fleiſch ihm unterworfen ſein, daß er mit uns umgehet nach ſeinem Willen. So ſprichſt du: Was predigeſt du und gläu⸗ beſt du denn? So du ſelbſt bekenneſt, daß mans nicht fühle noch empfinde, ſo muß ja deine Pre⸗ digt nichts und ein lauter Traum ſein. Denn, ſollte es etwas anders ſein, ſo müßte ja die Er⸗ fahrung auch etwas davon zeigen. Antwort: Das iſts, daß ich ſage, daß es ſchlecht über die