# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 07 05_S192 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Methodismus, der Anlage nach, irrig und krank⸗ haft war. Dahin gehört aber z. B. J. Wesley's ſchiefe Anſicht von der evangeliſchen Heiligung, als ſei diesſeits ihre Vollendung zur Heilig keit möglich, und dann ſein miſſionirendes Umher⸗ ſchweifen auch innerhalb beſtehender Amtsgebiete gegen Pauli Regel Röm. 15, 20. Denn trotz alles evangeliſchen Scheines vor den Augen und Ohren der Unerfahrnen ſtehen ſie nun doch leider, wie wir zur Genüge erſehen haben, mit einem Beine im Geſetz und ſeinen Werken und heißen und ſind mit Recht Methodiſten, nämlich Leute, die da wähnen, daß eine beſondere Methode, d. i. Art und Weiſe, in dieſen und jenen Gefühlen, Uebungen und Auſtalten für und bei der Bekeh⸗ rung und Rechtfertigung mitwirke. Durch dieſe leiſe und feine Aufrichtung von Menſchenwerk aber, innerlich und äußerlich, wird unleugbar, trotz alles Scheins des Gegentheils, Gottes Werk d. i. die Gnade des Vaters, das Verdienſt des Sohnes und die Gnadenmittel des Heiligen Gei— ſtes, theilweiſe verdunkelt; und daher kommt es denn, daß ihnen der Haupt- und Grundartikel von der Aneignung der Gnade Gottes, nämlich der von der Rechtfertigung d. i. Gerechterklärung des Sünders aus der freien Gnade Gottes durch das Verdienſt IEſu Chriſti, mittelſt des Glau— bens ergriffen, ohne alles innere und äußere menſchliche Bei-und Nebenwerk, ein noch halb— verſchloſſenes Geheimniß iſt; daher kommt es ferner, daß nicht wenige „Vergebung der Sünde haben und keine Sünde mehr haben“ ſo kläglich verwechſeln und gar mancher Bußbänkler wähnt, ein ſo ziemlich fertiger Heiliger zu ſein, bevor er doch in That und Wahrheit der rechte arme Sün⸗ der in Adam und der Gerechte in Chriſto gewor⸗ den iſt. Philipp. Aber was hilft uns denn unſere beſſere Erkenntniß und Lehre, wie ſie unſere kirch⸗ lichen Bekenntnißſchriften bezeugen, und wie ſie auch von den rechtgläubigen lutheriſchen Predigern bekannt und gelehrt wird? Mittlerweile reißen die Methodiſten, zumal in verlaſſenen Gegenden, einen unerfahrenen Lutheraner nach dem andern an ſich. Rühmt nicht der Methodiſten⸗Aelteſte, Herr P. Schmucker, im Apologeten, daß im Laufe des Jahrs 1844 acht bis zehn deutſche Metho⸗ diſtenkirchen in den Vereinigten Staaten erbaut worden ſeien? Martin. Dieß iſt freilich herzbetrübend, und ſoll mich und dich, und alle Treugeſinnten gründ⸗ lich zur Buße leiten und zum rechten Flehen zum HEirrn bewegen, daß er aus dem Schooße unſerer Kirche je länger je mehr treue Arbeiter ſende in ſeine Ernte. Zwar bin ich nicht ſo fanatiſch, da⸗ für zu halten. ein ungläubiger Lutheraner ſei beſſer daran, als ein gläubiger Methodiſt; kann aber jener durch Gottes Gnade mittelſt des Dien⸗ ſtes eines treuen lutheriſchen Predigers und Hirten zu dem geſunden, innerlich lebendig erfahrenen Kirchenglauben gelangen, ſo iſt er noch viel beſſer daran, als wenn er nur den geſetztreiberiſchen Ge⸗ fühlsglauben der Methodiſten bekommt; denn wie 188 werk, und kann eben deßhalb dem armen Herzen keinen feſten Frieden verleihen. Möchte doch aber jene traurige Thatſache von dem Umſichgreifen des Methodismus unter unſern deutſchen Glau⸗ bensgenoſſen hieſelbſt eine ernſte Mahn- und Weckſtimme für unſere Mutterkirche in Deutſch⸗ land werden, daß ſie ſich kräftig aufmache, ihre hieſigen verwaisten und verirrten Kinder mütter— lich zu ſammeln und zu pflegen, damit dieſe nicht geiſtlich verdorren und keinerlei Schwarm- und Flattergeiſtern zur Beute werden. Lange genug iſt ſie für dieſe innere Miſſion läſſig und ſäumig geweſen in der Arbeit der Liebe; und mich dünkt, es ſei eben ſo wichtig, wo nicht noch mehr, daß lutheriſche Chriſten nicht zu Schwärmern oder zu Heiden, als daß Heiden zu lutheriſchen Chriſten werden. Oder welche Mutter wird nicht zuvor den eigenen Kindern das Brod reichen, bevor ſie die fremden verſorgt? welche wird über dem Aus⸗ ſchauen nach neuen Kindern die ſchon gebornen verlaſſen und verſäumen? Und wiewohl wir zwar Gutes thun ſollen an Jedermann, ſo heißt es doch: „allermeiſt aber an des Glaubens Genoſſen“. Ja nennt es nicht der Apoſtel den Glauben verleugnen, wenn man ſeine Hausgenoſſen nicht verſorgt? Freilich müſſen die Sendboten aus unſerer lieben Heimath nicht bloß gläubige Arbeiter ſein nach dem pietiſtiſchen, unioniſtiſchen Zuſchnitte — denn an ſolchen gefühlsgläubigen Leutlein, auch in deutſcher Zunge, iſt hier ſchwerlich ein Mangel — ſondern kirchlichgeſinnte und kirchlichgebildete, zur Lehre und Wehre geſchickte, nüchterne und beſon⸗ nene und doch zugleich eifrige und ſelbſtverleug⸗ nende Knechte müſſen es ſein, die einmüthig und einhellig mit dem Glauben und Bekenntniß der deutſchen Mutterkirche hier ihre zerſtreuten und verwaisten Kinder ſammeln und ſie pflegen, wie es recht iſt, mit Wort und Sacrament, nicht aber auf methodiſtiſche oder ſogenannte neu-lutheriſche Weiſe au ihnen handthieren. So z. B. müßte jeder einzelne von ihnen nur eine oder höchſtens zwei, und dann nahe gelegene und noch entſchie⸗ den deutſche Gemeinden annehmen und jedenfalls die Schule gründlich und ernſtlich ſelbſt überneh⸗ men; denn nur auf dieſe Weiſe kann unſere Kirche und Sprache auch im kommenden Ge⸗ ſchlechte rein erhalten werden. Philipp. Wer ſind denn eigentlich die ſoge⸗ nannten Neulutheriſchen, deren Weiſe du ſoeben Erwähnung thateſt? Martin. Dem Weſen und der Wahrheit nach gehören ſie gar nicht der lutheriſchen Kirche an und ſind ein Miſchmaſch von reformirter Lehre und methodiſtiſcher Praxis; denn ſie haben, von Seiten ihrer Häupter und Stimmführer ſicherlich nicht in purer Unwiſſenheit, die goldenen Ehren⸗ gefäße der alt⸗evangeliſch apoſtoliſchen Kirche, die ihre Väter von römiſch-papiſtiſchem Unrath ſäuberten und ſodann den Händen der Schwarm⸗ geiſter entriſſen, bewahrten und ihren Söhnen hin terließen, jetzt freiwillig aus brüderlicher Liebe den Reformirten geſchenkt und deren meſſingene Gefäße ſich erbeten: dieſe haben ſie ſodann in wir ausführlich geſehen, ſteht dieſer nun einmal neuer brüderlicher Liebe — denn ſie haben ein wei⸗ mit einem Beine auf Sand, d. i. auf Menſchen⸗ tes Herz und Gewiſſen — den Methodiſten dar⸗ gereicht, und ſich von deren Ueberfluß an würzigem Glühwein Einiges erbeten, um ihre Gemeinden ſchneller damit anzufeuern, auch vielleicht ihr wackliges und unſtetes Gewiſſen heilſam damit zu betäuben, das bei ihrem doppelten Haß und Treubruch gegen ihre Kirche doch unmöglich ſo gar ſtille ſein konnte. Oder ohne Bild: ſie haben, um hier das Weſentlichſte anzuführen, die Luthe⸗ riſche d. i. die reine und kirchliche Lehre von den heiligen Sacramenten, zumal vom heiligen Abend⸗ mahle, fahren laſſen und dafür die reformirte d. i. die ſchwärmeriſche Irrlehre davon angenommen, theils aus dem eigenen Unglauben der alten fleiſch⸗ lichen Vernunft, theils vielleicht aus brüderlicher Liebe zu den mancherlei hieſigen reformirten eng⸗ liſchen Kirchen, damit „die amerikaniſch-lutheriſche Kirche“ doch nicht gar zu altfränkiſch, und mit dem Scheine der römiſch-papiſtiſchen Kirche be⸗ haftet, unter ihnen ſich ausnähme. Die hierdurch! nun entſtandene Lücke haben ſie ſodann — wie gewöhnlich der Aberglaube die Löcher des Unglau⸗ bens zuſtopfen ſoll — durch die Annahme metho⸗ diſtiſcher Kunſt- und Preßmittel auszufüllen ge⸗ ſucht und ſind alſo aus lutheriſch, d. i. rechtgläu⸗ big geſinnten, Chriſten Kopf- und Herzensſchwär⸗ mer zugleich geworden. Nun möchten ſie meinet⸗ halben dieſe ihre Luſt und Belieben haben, wenn ſie meinen, mit ihrem loſen und leichtfertigen Weſen vor dem Richterſtuhl Chriſti zu beſtehen; aber ſie machen ſich dabei einer doppelten Falſch⸗ heit und Unlauterkeit ſchuldig. Die erſte beſteht darin, daß ſie ſich in dieſem Treubruch und Abfall die amerikaniſch-lutheriſche Kirche nennen (ſ. Luth. Observer V. 11. No. 43. und ſ. po- sition of the American Lutheran church by Mr. W. M. R.), indeß ſie doch ja ſelbſt wiſſen, daß bis jetzt noch mehrere lutheriſche Synoden ihre abtrünnige Geſinnung nicht theilen, wiewohl ſie dieſelben durch glatte und ſüße Worte, z. B. über die „admired liturgy“ zu ködern ſuchen; die andere beſteht darin, daß ſie ſich die amerikaniſch⸗ lutheriſche Kirche nennen. Nun iſt es faſt unmöglich, in ihren Wortführern eine ſo über⸗ mäßige Unwiſſenheit anzunehmen, daß ſie nicht wüßten, wie dieſe ihre Sacramentsverachtung ein entſchiedenes Sichabhauen vom Stamme der lutheriſchen Kirche ſei, deren Einheit nun einmal nirgends anders zu ſuchen und zu finden iſt, als in ihren ſelbigen und allgemein gültigen Bekennt⸗ niß⸗ und Lehrſchriften; denn dieſe legen den ge⸗ ſunden Schriftverſtand der Heilslehre der evange⸗ liſch⸗apoſtoliſchen Kirche in ihrer Entwicklung gründlich und ausführlich dar. Wer nun mit lauterem und aufrichtigen Wahrheitsſinn dieſe Schrift lieſet, zumal Angeſichts des hieſigen Sec⸗ tengewirres, das mehr oder minder aus Verach⸗ tung der heiligen Sacramente herrührt, der wird wohl inne werden, daß es kein Kin derſpiel ſei, ob man hierin lutheriſch, d. i. rechtgläubig, oder ſchwärmeriſch geſinnt ſei. Denn es handelt ſich hier nicht um ein wenig Sauerteig — wiewohl man auch das nicht in der Lehre dulden ſoll —, ſondern die Hälfte der Wahrheit für die Aneig⸗ nung des Heils wird durch die Aushöhler und Fälſcher der heiligen Sacramente der Chriſtenheit