# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S256 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 256 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. geltenden Artikeln und Formularen der Kirche nach ihrem eigentlichen Wortsinne zu ver⸗ gleichen und zu entscheiden, ob ein klarer nicht zu leugnender Widerspruch herauskomme. Denn was nicht in den Bekenntnissen festgesetzt sei, das müsse frei bleiben. Drei Anklage⸗ puncte lagen vor, die nach diesen Grundsätzen beurtheilt wurden. Erstlich die Inspirations⸗ lehre, ob die Bibel im Ganzen und Einzelnen Gottes Wort, oder ob Gottes Wort nur in der Bibel. (Letzteres ist die Lehre der Essayisten.) Der Gerichtshof entschied: „Der Satz, daß jeder Theil der Schrift geschrieben wurde unter der Eingebung des heil. Geistes, ist nicht zu finden weder in den Glaubensartikeln, noch in irgend einem Formular der Kirche.“ Der 20. Art. des Bekenntnisses sagt nur allgemein, die Schrift sei „Gottes geschriebenes Wort.“ Der zweite Anklagepunct lautete: Von den Essayisten werde gelehrt, daß in der Rechtfertigung die Verdienste Christi nicht auf uns übertragen würden, die Ueber⸗ tragung sei ein bloßes Gedicht. Der Gerichtshof entschied: daß das Wort „übertragen“ nicht in dem Bekenntnisse der Kirche zu finden sei. Beim dritten Anklagepuncte wegen Leug⸗ nung der Ewigkeit der Höllenstrafen, wurde geltend gemacht, daß die Bekenntnißschriften ausdrücklich ein „ewiges Feuer“ lehrten. Der Geheimerath ließ das nicht gelten, weil die Bedeutung des ewigen Feuers nirgends erklärt sei. Die Bekenntnisse hätten also nach der Meinung des Geheimenraths ausdrücklich hinzusetzen müssen, daß sie unter dem „ewigen“ Feuer nur ein ewiges Feuer verständen und kein zeitliches. — Landeskirchliche Ober⸗ Gerichtshöfe sind der Kirche Schutz auch nicht. Alle sichtbaren Stützen des Reiches Gottes erweisen sich als faul. Wohl dem, der nicht auf Sand baut. B. Entdeckung in Jerusalem. Die Franzosen de Saulcy und Michon, nebst dem Deutschen Salzmann haben mit türkischer Erlaubniß in Jerusalem Nachgrabungen gehal⸗ ten. Davon wird so berichtet: Sie waren im Stande, mit vollständiger Freiheit die innere Ringmauer des Salomonischen Tempels, welche bisher nur einige wenige Reisende heimlicherweise besuchten, in den Bereich ihrer Forschung zu ziehen, Gerüste zu erbauen und Abdrücke zu nehmen, und die der Feuersbrunst, welche den Tempel bei der Einnahme Jeru⸗ salems durch Titus zerstörte, entgangenen kostbaren Ueberreste der Salomonischen Architec⸗ tur zu zeichnen. Die wichtigste dieser Arbeiten aber ist die Ausgrabung und vollständige Aufdeckung der unter dem Namen „Grab der Könige“ bekannten umfangreichen Nekropole (Todtenkammer). Das Sühnedenkmal, welches der König Herodes auf diesen Gräbern hatte errichten lassen, nachdem sie entweiht worden waren, um die darin enthaltenen Schätze zu rauben, ward inmitten der Trümmer, die den Haupteingang versperrten, wieder aufge⸗ funden. Außerdem haben die Reisenden das unerhörte Glück gehabt, eine noch unverletzte, mit vieler Kunst versiegelte Leichenkammer zu entdecken, in welcher der Sarg eines Königs von Jerusalem beigesetzt war. Eine prachtvolle Inschrift in hebräischen Buchstaben aus der ältesten Zeit ist auf dem Vordertheil des Sarkophags eingegraben. Der königliche Leich⸗ nam, welchen dieser kostbare Marmorsarg enthielt, zerfiel in Staub, als die äußere Luft in die Höhle eindrang. Dieses Denkmal, einzig in seiner Art und wie kein europäisches Mu⸗ seum Aehnliches besitzt, ist im Louvre angekommen mit den anderen während der Expedition entdeckten Alterthümern. Das Ganze ist bestimmt, ein hebräisches Museum zu bilden, und wird von großem Interesse sein. Herr de Saulcy wird in Bälde ein Werk über die Resul⸗ tate seiner Expedition herausgeben. (Wandsb. Sonntagsb.)