# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S255 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 255 Jahrhundert her sein, in Folge davon, daß eine ganz neue geistige Bewegung hervorbrach, unabhängig von der Kirche und ohne sich zu ihr in ein gegenseitiges Verhältniß zu setzen. Sie hob mit der Schöpfung einer nationalen Literatur an, breitete sich sodann über den wei⸗ ten Bereich der sich immer vielfacher verzweigenden Wissenschaft aus, trieb einen mächtigen Aufschwung der Philosophie hervor und warf sich je länger desto energischer auch auf das Gebiet des Staatslebens, den Ausdruck im weitesten Sinne genommen, auch das gemeinhin sogenannte sociale Gebiet ausdrücklich mit eingeschlossen. Ganz wie die Natur der Sache es mit sich bringt, concentrirte sie sich nach und nach immer ausgesprochener in diesem staat⸗ lichen Kreise. In demselben Verhältniß, in welchem dies geschah, stellte es sich aber auch immer deutlicher heraus, welches ihr eigentlicher Sinn und ihr letztes Ziel war. Ihren Im⸗ puls hatte sie von Anfang an darin, daß dem Geschlecht ein neuer Sinn sich erschlossen hatte, der bis dahin noch geschlummert: der Sinn für die irdische Welt. Diese war bis dahin für etwas Gemeines gehalten worden, zu dem der seiner ganzen Würde sich bewußte Mensch, bevorab der Christ, lediglich ein negatives, abwehrendes Verhältniß einzugehen habe; jetzt fing sie an, gerade den Edelsten in einem gar viel anderen Lichte sich darzustellen. Dem neuen Geschlechte ging das Auge auf für ihren geistigen Gehalt und ihre geistige Bedeutung; es fing an, in ihr einen Reichthum von Mitteln für die Zwecke des Geistes wahrzunehmen, einen unerschöpflichen Gegenstand für seine Erkenntniß in Natur und Geschichte, und einen nicht minder unerschöpflichen Stoff, aus dem er sich durch seine gestaltende Bearbeitung einen wunderbaren Apparat von Werkzeugen für seinen Gebrauch zurechtbilden könne. Demgemäß stellte sich nun auch allmählich ein deutlicheres Bewußt⸗ sein fest über das Ziel des gewaltigen Dranges, der das neue Geschlecht bewegte. Dies nämlich erschien immer unzweideutiger als dieses Ziel: die Erde für den Men⸗ schen zu erobern, sie ihm vollständig unterthänig zu machen als Mittel für seinen Zweck, und eben damit den Menschen in seine wahre Würde einzusetzen, — die Erde zu einem thatsächlichen Reiche des Menschen umzugestalten.“ Die freudige Vereinigung und den beherzten Handschlag der „Protestanten“ mit dem Teufel, dem Fürsten dieser Welt, beschreibt der Herr Kirchenrath mit folgenden Worten: „Diesen ehedem als profan ge⸗ ächteten Boden scheuen sich unsere Christen, welche zugleich, wie es sein soll, Kinder ihrer Zeit sind, als Kinder Gottes nicht mehr zu betreten, sondern freudig entschlossen ihr Christen⸗ thum nicht innerhalb der engen Kirchenmauern allein, sondern an der, wenn auch mitunter scharfen, doch allein frischen und gesunden freien Luft der Weltgeschichte zu führen, reichen sie den rüstigen Anbauern der modernen Cultur aufrichtig und beherzt die Hand, in der Hoffnung, auf ihrer Seite dem Verständniß dessen, was sie wollen, zu begegnen.“ Nun, das hat keine Gefahr, verstehen werden sich diese beiden schon. B. In der schwedischen kirchlichen Gesetzgebung sind vor Kurzem folgende wichtige Veränderungen vorgenommen worden. Das Sacramentsgesetz vom Jahr 1855, welches Jeden, der, ohne ordinirt zu sein, die Sacramente verwaltet, zu Geldstrafe oder gar Gefäng⸗ niß bei Wasser und Brod verurtheilt, ist aufgehoben. Ebenso das Gesetz von 1686, durch welches jeder Confirmirte, besonders wenn er Staatsbeamter war, gezwungen wurde, wenigstens einmal im Jahr das heilige Abendmahl zu genießen. Endlich ist durch ein eigenes Gesetz eine Generalsynode für die schwedische Staatskirche geschaffen, in der die zwölf Bischöfe des Reichs ex officio sitzen, neben ihnen aber noch die Geistlichen und Laien durch gewählte Repräsentanten vertreten sein werden. Die Entscheidung über Liturgie, Katechismus, Gesangbuch u. s. w., welche bis jetzt der politischen Vertretung des Landes im Reichsrath zukam, soll künftig dieser kirchlichen Convocation, wie sie (also die Synode) heißt, über⸗ wiesen werden. (Kirchl. Zeitbl.) In England hat der höchste Gerichtshof der englischen Kirche, der Geheimrath, welcher aus 4 weltlichen und 3 geistlichen Mitgliedern zusammengesetzt ist, auf Folgendes hin die Essayisten freigesprochen: Der Geheimrath habe nur die ausgezogenen Sätze zu untersuchen, wegen welcher die Berufung stattgefunden habe, unangesehen, ob sich sonst noch Irrlehren in dem Buche fänden. Die ausgezogenen Sätze habe er einfach mit den gesetzlich