# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 07 05_S191 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchenlehre, als alleinigen Gerecht⸗ und Selig⸗ macher, ſondern nach dem Wahne ſeiner un⸗ erleuchteten Vernunft, als bloßen Geſetzeslehrer, Tugendprediger und Werkheiligen predigte, ſo müßte der gläubige Methodiſtenprediger ihn zuerſt unter vier Augen ſtrafen; und wenn das nichts hülfe, ſo könnte er ihn zu einem öffentlichen Ge⸗ ſpräche fordern, und da ſeine ſchriftwidrige und unkirchliche Lehre aufdecken. Dies wäre wenig⸗ ſiens ein offenes und ehrliches Verfahren. Jenes verſteckten unrechtlichen Einſchleichens aber zu einzelnen Kirchkindern eines gläubigen Predigers und treuen Hirten, jenes vom Apoſtel gemiedenen „Bauens auf einen fremden Grund“ würde ſich hoffentlich jeder rechtliche Jude und Türke ſchä— men. Wer es nun gleichwohl thut, der beweiſet, daß nicht der Heilige Geiſt ihn treibet, der da iſt ein Geiſt der reinen und heiligen Liebe, der Wahrheit und Demuth, ſondern der Schwarm⸗ geiſt, der da iſt ein Geiſt der Selbſtſucht, der Un⸗ lauterkeit und des Hochmuths, und der auf gut jeſuitiſch meint, der Zweck heilige die Mittel. e. daß auch die Nichtprediger unter den Me⸗ . thodiſten eine krankhafte Sucht haben, mit ihrem langen Geplauder von ihren kurzen, innern Buß⸗ und Gnadengefühlen, die Unbekehrten zu bekehren und die Gläubigen zu erbauen. Dagegen ſchei⸗ . nen ſie vielweniger zu bedenken, daß die ſtumme Predigt eines wahrhaft gottſeligen Wandels im ungefärbten Glauben, in brünſtiger und ſelbſtverleugnender Liebe und in unge—⸗ heuchelter Demuth eine viel mächtigere und eine viel wirkſamere Erbauung ſei. 4. Die Erzeugung eines krankhaften Gebrauchs und Anwendung der hei⸗ ligen Schrift. Dieſes iſt aber daraus er⸗ ſichtlich: a. daß ſie eine beſondere Vorliebe für ſolche Stellen und Capitel haben, die vorzugsweiſe das „Gefühl stärker ergreifen, wie z. B. die Bekehrung des Paulus, Ap. Geſch. 9., des Kerkermeiſters zu Philippi. Ap. Geſch. 16., und dergleichen, dagegen nicht denſelben Fleiß auf die Beweisſtellen der Heilslehre wenden, um zu einer gründlichen Erkenntniß zu gelangen. b. daß ſie ziemlich leichtfertig darin ſind, die Stelen der heiligen Schrift aus ihrem Zuſam⸗ menhange zu reißen und zu Gunſten ihres We⸗ ſens und Treibens, wenn auch noch ſo ſchief und einſeitig, anzuwenden. So z. B. muß jene Stelle Matth. 10, 32. 33. vom Bekennen und Ver⸗ fleugnen Chriſti vor den Menſchen und den ſeligen Folgen des Bekennens, wie den ſchrecklichen Fol⸗ gen des Verleugnens fleißig herhalten, und ver⸗ kehrt von ihnen angewendet werden. Der Zu⸗ ſammenhang nämlich lehrt, daß der HErr jene FWorte (vergl. V. 28 —31.) von den Zeiten der Verfolgung der Gläubigen, zur Warnung vor falſcher Menſchenfurcht und zur Ermuthigung für die rechte Gottesfurcht redet. Die Methodiſten aber, wie ſie denn überhaupt mit der Gottſeligkeit tin Gewerbe treiben, machen auch aus jener Stelle eine Art Profeſſion; denn ohne von Jemand ge⸗ zwungen zu werden, Chriſtum zu verleugnen — dann nämlich gilt es eben recht eigentlich, zu be⸗ 187 kennen — halten ſie es für ein Verleugnen, wenn ſie den Leuten — auch ſolchen, die ihren berufenen Prediger haben, nicht in die Häuſer fallen oder ſie auf der Straße anpacken und zum Beſuche ihrer Gottesdienſte, zum lauten Zuſammenbeten u. ſ. f. auffordern. Das nennen ſie Chriſtum bekennen. Trifft nun hierbei ihren unweiſen und unreifen Bekenn⸗ und Bekehreifer — ſtatt eben beſonders durch einen heiligen gottſeligen Wandel Chriſtum zu bekennen — irgend eine derbe Ab⸗ fertigung, ſo nennen ſie dieſe, ziemlich voreilig und ungehörig: „die Schmach Chriſti tragen, um ſeinetwillen verfolgt werden“. Desgleichen mißbrauchen ſie auch die Stelle Röm. 8, 16.: „derſelbe Geiſt gibt Zeugniß un⸗ ſerm Geiſte, daß wir Gottes Kinder ſind.“ Denn ſie treiben damit theils ein ruhmrediges Schau⸗ gepränge, theils wenden ſie dieſe Worte, wie oben berührt, verkehrt gegen Andere an. Statt näm⸗ lich die Selbſtgerechten, Werkheiligen und Maul⸗ gläubigen mit dieſen Worten heilſam zu ſchrecken, kehren ſie dieſelben gerne gegen aufrichtige und heilsbegierige, aber etwas blöde Seelen, und ſtören dadurch den allmählichen Gang, den der HErr mit ihnen geht, machen ſie ohne Noth be⸗ kümmert und unruhig, und ärgern dieſe Kindlein in Chriſto, daß dieſelben auch an der Gnaden⸗ arbeit des Heiligen Geiſtes in ihrem Herzen irre werden, weil ſie nach ihrer bisherigen Erfahrung jenes Zeugniß noch nicht ſo entſchieden in ihrem Innern gefühlt hätten, als die Methodiſten rüh⸗ men. Und gleichwohl kann es vor dem HErrn, dem Herzenskündiger, alſo ſtehen, daß bei den Methodiſten der Saame des göttlichen Worts nur auf ſteiniges Erdreich gefallen und der Abfall ihnen vielleicht nahe bevorſteht (Luc. 8, 6. 13.), indeß er bei jenen ſtillen einfältigen Seelen auf ein gutes, auf ein tiefer empfängliches Land gefallen iſt, das zuerſt das Gras, darnach die Aehren, darnach den vollen Weizen in den Aehren bringt. (Luc. 8, 8. 15. Marc. 4, 28.) c. daß ſie immerdar lernen und doch nicht zur Erkenntniß der Wahrheit kommen; denn es möch⸗ ten wohl gar Wenige unter ihnen ſein, die in der Gnaden⸗ und Heilsordnung unſerer Kirche, wie ſie z. B. nur der kleine lutheriſche Katechismus darbietet, gründlich bewandert und heimiſch wä⸗ ren. Die bibliſchen Beweisſtellen, die ihnen gewöhnlich zur Hand ſind, gehen faſt ausſchließ⸗ lich dahin, das Erfahrungs-Chriſtenthum bibliſch zu begründen; und allerdings gegen todte Kopf⸗ und Maulgläubige iſt es recht und gut, ſolche Schriftworte anzuwenden. Dagegen iſt es ſicher⸗ lich noch weſentlicher und wichtiger, zumal in dieſem Lande der Sectirerei und aberwitzigen Menſchenfündlein, die geſunde, klare und zuſam⸗ menfaſſende Heilserkenntniß der heiligen chriſt⸗ lichen Kirche zu haben, wie wir ſie durch Gottes Gnade ſchon im kleinen lutheriſchen Katechismus beſitzen, der in ſeiner unverwüſtlichen Jugend und Trefflichkeit und in ſeiner mehr als 300jährigen Dauer nun ſchon ſo viel katechetiſches Stoppel⸗ und Stümper⸗Werk hat zu Grabe tragen ſehen. Wo iſt aber der Methodiſt, der dieſe Heilserkennt⸗ niß hätte, und der ſie mit den rechten ſchlagenden Bibelſtellen zu begründen, und gegen die An⸗ griffe des römiſch⸗papiſtiſchen Aberglaubens und des ſchwarmgeiſteriſchen Un⸗ oder Falſchglaubens ſiegreich zu vertheidigen und zu behaupten wüßte? Wo iſt der Methodiſt, der nicht innerlich von allerlei Wind der Lehre beunruhigt würde, und gründlich die Irrlehre zu bekämpfen und zu wi⸗ derlegen verſtünde? Vielmehr ſtehen ſie eben ſel⸗ ber ſchief, unklar und verworren in den wichtigſten Artikeln und wiſſen z. B. Rechtfertigung und Heiligung nicht reinlich und klar zuerſt von ein⸗ ander zu trennen, und dann richtig miteinander zu verbinden. Dies erhellt aber aus den Schluß⸗ worten jenes unreifen und verworrenen Aufſatzes im Apologeten: „die Waſſertaufe — keine Wie⸗ dergeburt“, von dem aufgeblaſenen Neuling Hr. Joh. Geyer; denn da heißt es: „nur der Glaube, der durch die Liebe thätig wird, macht ſelig.“ Dieſe falſche Behauptung iſt aber eine Vermiſchung und Verwirrung von Rechtfertigung und Heili⸗ gung; denn dieſer letzteren gehört der ſpäter in der Liebe (des Nächſten) werkthätige Glaube an; aber nur der früher Chriſtum und ſein Ver⸗ dienſt aneignende Glaube erklärt gerecht und macht ſelig (ſ. Röm. 3, 24 —27., vergleiche Apg. 15, 11. Epheſ. 2, 8. 9.), ohne alles Geſetzes⸗ werk zuvor, und ohne alles Liebeswerk darnach, wie dies auch das Exempel des Schächers lehrt, dieſes Erſtlings der Seligen des neuen Bundes; denn ohne alles nachfolgende Liebeswerk, allein durch die gläubige Ergreifung Chriſti, war dieſer frühere Räuber lange mit dem HErrn im Para⸗ dies, ehe die hohen Apoſtel Paulus und Johannes nach ihren vielen Liebeswerken, in demſelben Armenſünder⸗Glauben zu ihrem HErrn und Hei⸗ land eingingen. Luther ſagt hierüber kurz und gut: „Der Glaube gibt dir Chriſtum zu eigen mit all ſeinem Weſen und Werk, die Liebe gibt dich dem Nächſten zu eigen mit all deinem Weſen und Werk.“ Aus dem Fehlen der Liebeswerke wird jedoch erkannt, daß auch der rechtfertigende Glaube fehle und nur ein todter Heuchelglaube vorhanden ſei. Dieſes wären nun, ſo weit ich es bis jetzt er⸗ kenne, die vier vornehmſten Wirkungen der Lehre und Weiſe des Methodismus in ihren mancherlei Kennzeichen und Merkmalen, und ich hoffe, du ſiehſt jetzt klar genug ein, daß, und warum der Methodismus, als ſolcher, keine geſunden und feſten evangeliſchen Chriſten bilden könne, viel⸗ mehr ſelbſt als eine Krankheit, und zwar etwa als ein Fieberzuſtand des chriſtlichen Glaubens und Lebens zu betrachten ſei. Gleichwohl iſt ein Un⸗ terſchied zwiſchen den einzelnen Methodiſten, wie es gelinde und heftige Fieberkranke gibt. Wie ſchon früher bemerkt, ſind unter ihnen auch ern⸗ ſtere, tiefere, ſtillere, liebliche und aufrichtige See⸗ len, die gleichſam unter einer beſonderen Gnaden⸗ leitung des Heiligen Geiſtes ſtehen, alſo daß ihnen das Gute im Methodismus mehr nützt, und das Krankhafte weniger ſchadet. Umgekehrt dagegen gibt es am andern Ende auch wilde erhitzte Fana⸗ tiker, die in widrigen Zerrbildern das darſtellen, was ſchon in der Lehre und Praxis der Väter des