# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S250 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 250 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Die Protestantischen Zeitblätter in Cincinnati, schreibt der Evangelist vom 9. Juli, sind nicht ganz damit zufrieden, daß wir ihren Bund als rationalistisch erklä⸗ ren. Sie behaupten, über den alten Rationalismus fortgeschritten zu sein, so daß sie sich nicht mehr bemühen, Wunder u. d. gl. auf natürlichem Wege zu erklären, sondern sie einfach als erdichtete Fabeln betrachten. Sie nehmen auch keinen Anstand, manche Aus⸗ sprüche der Apostel in den Episteln als irrthümlich zu bezeichnen. Buffaloer Unehrlichkeit. Herr Pastor Schiedt hatte geschrieben, „daß die sogenannten demokratischen Principien die der wahren lutherischen Kirche sind,“ nehmlich in Absicht auf Verfassung. Darauf sagt das Informatorium vom Juli d. J.: „Pastor Fr. Schiedt will damit sagen, daß die demokratischen Principien d. i. die Principien der demo⸗ kratischen Partei die Principien der wahren luth. Kirche seien.“ Eine schamlosere und lügenhaftere Verdrehung läßt sich wohl kaum denken. „Warum die Synode von Pennsylvanien ein neues theologi⸗ sches Seminar zu gründen wünscht?“ Auf diese Frage antwortet ein Corre⸗ spondent des Lutheran mit 7 Gründen, der 2. ist folgender: „Weil es durchaus nothwen⸗ dig zu sein scheint, eine Anstalt zu haben, deren doctrineller Charakter ohne Vorbehalt und unabänderlich auf alle Bekenntnißschriften der evangelisch⸗lutherischen Kirche sich gründet. Dieser Charakter sollte unbestritten und Jedermann völlig bekannt sein. — Es soll eine An⸗ stalt sein, deren Professoren den Lehren und Gebräuchen unserer lutherischen Kirche treu sind, nicht nur in ihren Vorlesungen und in ihrem Umgange mit den Studenten, sondern auch in ihren Predigten und allen ihren Druckschriften.“ Hierzu macht der Lutheran u. A. folgende Bemerkung: „So lange eine gewisse zufällige Lehrschlaffheit bei Individuen als der Regel zuwider laufend betrachtet wird, und Hoffnung vorhanden ist, das Uebel innerhalb der bestehenden Institutionen zu heilen, so ist es möglich, und mag selbst wünschenswerth sein, dieselbe in Hoffnung, Sanftmuth und Liebe zu tragen, wenn aber der Irrthum ruhig Anstalten trifft, sich selbst zu verewigen, und den Namen „„lutherisch““ gebraucht, um einen Kampf auf Leben und Tod gegen das Lutherthum zu führen, dann sind ehrliche Män⸗ ner gezwungen alle Gemeinschaft aufzuheben, und die Synode von Pennsylvanien scheint es einzusehen, daß sie in dieser Nothwendigkeit sich befindet.“ Wir entnehmen dieses der Luth. Zeitschrift. Mexico. Der „Wahrheitsfreund“ vom 3. Juli macht „über das Christenthum in Mexico“ u. A. folgende Notizen: Beinahe die ganze Bevölkerung Mexico's (8 Millionen) bekennt sich zur katholischen Kirche; fast alle Indianer, die zwei Fünftel der Bevölkerung ausmachen, sind bekehrt und so weit gebracht, daß aus ihnen selbst ein großer Theil der Geistlichkeit herangebildet werden kann. Das ganze Land ist heutzutage in 3 Erzbisthümer und 15 Bisthümer (alle besetzt) eingetheilt; es finden sich dort zahlreiche Klöster der Domi⸗ nikaner, Franziskaner, Karmeliter, Augustiner und Benediktiner; und die Gesammtzahl der Geistlichkeit wird auf beiläufig 10,000 angegeben. Kirchliche Feste, z. B. Ostern, Frohnleich⸗ nam werden mit viel größerem Pompe als wohl selbst in Europa gefeiert. Eigenthümlich ist der Gebrauch, daß kein kirchliches Fest vorübergehen darf, ohne daß es durch ein prachtvol⸗ les Feuerwerk verherrlicht wird. Es soll einen herrlichen Anblick gewähren, wenn im Abend⸗ dunkel innerhalb des ganzen Umfanges einer großen Stadt mehrere Stunden hindurch Tau⸗ sende von feuersprühenden Raketen und glänzenden Leuchtkugeln auf einmal emporfahren. Die großartigsten Kunstfeuerwerke sieht man natürlich in der Hauptstadt des Landes; aber in der Regel hat jede Dorfgemeinde an solchen Festen ihr Feuerwerk; ganze Kirchen, deren Inneres in vollkommener Perspektive mit allen seinen Säulen, Schwibbögen, Altären und Statuen sich zeigt, kämpfende und zuletzt in die Luft fliegende Schiffe werden auf äußerst kunstreiche Weise bei solcher Gelegenheit dargestellt. Die Kirchen sind in der Regel schön und reich an Schätzen, Ornamenten und Gefäßen. Weltberühmt ist die Kathedrale in der Hauptstadt selbst und die in Puebla. Reisende berichten, daß man diese Kirchen selbst sehen müsse, um sich einen Begriff von ihrer Pracht und ihrem Reichthume machen zu können. Wohin das Auge blickt, trifft es auf Altäre von massivem Silber, ungeheure Leuchter und Ampeln von demselben Metall, zum Theil vergoldet, mehrere Zentner schwer, goldene und