# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S249 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 249 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. —.— I. America. Buffalo⸗Synode. Daß diese Synode, resp. Hr. Pastor Grabau, zu den bewußten Gegnern der Lehre Luthers und seiner treuen Nachfolger gehören, haben sie schon vielfältig offen dargelegt. Ein neuer Beleg dafür findet sich in dem „Informatorium“ vom 1. Juni l. J. Darin wird eine „Uebersicht des Gerhardschen Locus von der Kirche“ gegeben, in einer Anmerkung aber zu Gerhards Darstellung der Lehre von der katho⸗ lischen Kirche heißt es: „Diese Darstellung (die sich öfter bei J. Gerhard wiederholt) läuft zwar zuletzt unter § 2 auf das Richtige hinaus. In ihr selbst aber ist richtiges und unrichtiges neben einander. Richtig ist es, daß die Gläubigen, mithin auch die Auserwählten, auf Erden, sammt ihrem Haupte Christo, der Person-Bestand der heiligen katholischen Kirche sind. Aber unrichtig ist es, daß das apostolische Symbol: Ich glaube eine heilige christliche Kirche, diese, das ist, den Kirchenbestand nur als unsicht⸗ bar bekenne! Mit solchen Künsten geht das apostolische Symbol unter allen am wenigsten um! .... Das apostolische Symbol meint keine unsichtbare heil. Kirche, son⸗ dern „„die Eine heilige christliche Kirche,““ die sowohl externa als „„interna socie- tas““ (äußeres und inneres christl. Gemeinwesen) ist, wie es unsere Symbole heißen. Und diese haben allein Recht, und respectiren keines Theologen Künste mit Eintheil⸗ ung und Trennen in vielerlei Betreffe und Rücksichten, was alles doch nur abstracte Wege der Logik und Denkkunst sind.“ Zum Glück gehört Gerhard längst nicht mehr zu den Lebenden, sonst würde derselbe ohne Zweifel dem Schicksale nicht entgehen, von Hrn. Past. Grabau mit Zustimmung seiner ganzen Synode als ein missourisches Irrlicht anathemati⸗ sirt zu werden. Methodismus. Wie wir aus dem Apologeten vom 4. Juli erfahren, hat die methodistische Generalconferenz bereits Schritte gethan, im Jahre 1866 das hundertjährige Jubiläum des Methodismus in America zu feiern. In dem von ihr ausgegebenen Pro⸗ gramm heißt es denn u. A.: „Nach reiflicher Ueberlegung halten wir es für recht, wenig⸗ stens zwei Millionen Doll. zu fordern und zu erwarten, um Thaten zu verrichten, die unse⸗ rer großen und geschätzten Kirche würdig sind.“ — Wunderlich! — Um Thaten zu verrichten, die ihrer Kirche würdig sind, fordern die Herrn zwei Millionen Doll.! — Erfreulicher ist der nach dem Bericht des „Lutheran“ von der Generalconferenz gefaßte Beschluß, daß in Zukunft das Gebet des HErrn bei jedem öffentlichen Gottesdienste vom Prediger gebraucht und von der ganzen Gemeinde laut nachgesprochen werden solle. — Fernere Beschlüsse dieser Conferenz waren folgende: „Es befindet sich jetzt eine deutschredende Bevölkerung von bei⸗ nahe fünf Millionen Seelen in diesem Lande, und diese Zahl wird vergrößert durch die Zehn⸗ tausende, welche jährlich zu uns herüberkommen, aus dem Lande von Huß, Luther und Nast (!!) Diese ungeheuren Schaaren strömen unsern Küsten zu mit einer Sprache, die von der unsrigen verschieden ist, mit ganz andern Sympathieen, und mit scharf markirten rationalistischen Systemen und organisirten Gesellschaften. Sollen diese nun von der Sünde gerettet werden, so muß man ihnen begegnen mit dem Evangelium des Friedens, in ihrer eigenen Sprache verkündigt, welche Sprache die Trägerin der Gedan⸗ ken bleiben wird, so lange als Deutschland seine zuströmende Tausende uns herüber sendet. Diesen Tausenden zu begegnen, und dieselben Christus zuzuführen, scheint die besondere Aufgabe der deutschen Methodisten-Kirche in diesem Lande zu sein. Um diesen Zweck zu erreichen, erfordert es Concentralisation der Kräfte, Steigerung der Bildung und Thätigkeit, sowohl als tiefe Frömmigkeit.“ Hierzu macht der „Lutheran“ die Anmerkung: „Beim Lesen dieser Verhandlung der Methodisten-Conferenz drängten sich unserer Seele die Worte Hiobs auf: Ja, ihr seid die Leute, mit euch wird die Weisheit sterben (12, 2.) Mögen die kirchlichen Organisationen wachen wider die Sünde Lucifers!“ Daß die Conf. Deutschland „das Band von Huß, Luther und — Nast“ nennt, ist, gelinde ausgedrückt, eine zum Lachen reizende americanisch⸗theologische Naivetät.