# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S248 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 248 Der erste Brief St. Pauli an Timotheum. dem göttlichen Rechte verfallenen und vom Gesetze verfluchten und verurtheil⸗ ten Sünder, um sie durch und in Christo selig zu machen. Die Gnade aber, wenn das Wort Barmherzigkeit darauf folgt, hat sicherlich einen weiteren Be⸗ griff, als dieses, und befaßt alle Momente der versöhnenden und erlösenden Liebe Gottes von dem ewigen Rathschluß des dreieinigen Gottes zur Erlösung der sündigen Welt durch Christum bis zur Vollendung der Auserwählten zur ewigen Seligkeit und Herrlichkeit in Christo. Das Wort Barmherzig⸗ keit aber drückt den Affekt der brünstigen Liebe Gottes gegenüber von dem unergründlichen und unbeschreiblichen geistlichen und leiblichen Elend des sün⸗ digen Menschengeschlechts aus. Und da besonders davon die Botschafter an Christi Statt, die da bitten: „Lasset euch versöhnen mit Gott!“ einen tieferen Eindruck bekommen sollen, so folgt in dem Gruße St. Pauli an Timotheum und Titum dem Worte Gnade auch noch sonderlich das Wort Barmherzigkeit. Und gewiß ist es, um so tiefer wir Diener Christi als arme Sünder in uns selbst, die Barmherzigkeit des HErrn an uns erfahren haben und täglich erfahren, um so mehr werden wir im Stande sein, sie unsern sündbekümmerten Kirchkindern sonderlich in dem für uns Alle gekreuzigten Christus in Predigt und Seelsorge eindringlich vorzumalen und anzupreisen. Der angewünschte Friede aber ist die Wirkung der im Evangelio angebotenen Gnade und Ver⸗ gebung der Sünde in Christo, wenn sie der reumüthige Sünder durch den Glauben ergreift und festhält und also ein ruhsames Gewissen gegen Gott erlangt. Mit Gnade und Friede von Gott dem Vater und unserm HErrn Jesu Christo sollen wir Prediger denn auch unsere Gemeinden nicht nur bei unserm Auftreten auf dem Predigtstuhl begrüßen, sondern beide sollen auch stetiglich der vornehmste Inhalt unserer Predigten sein. Denn wo der Predigt des Gesetzes, des tödtenden Buchstabens und der Verdammniß nicht die der Gnade folgt und wo aus der Vergebung der Sünden und dem Frieden mit Gott nicht die Erneuerung und Heiligung, die beginnende Lebensgerechtigkeit abgeleitet wird, da ist es sicherlich eine verlorene Predigt. 4) Wie in andern Stellen, so wird auch hier Gott der Vater Heiland genannt, sofern er eben durch die gnädige Sendung des Sohnes die oberste und vornehmste Ursache unseres Heils ist. Außer Christo nämlich ist er kein Heiland, sondern ein in seinem Gesetze mit unerbittlicher Strenge fordernder, drohender, fluchender, tödtender und verdammender, eifriger, heiliger und gerechter Gott, gegen uns Sünder, als Kinder des Zorns. Unsere Hoff⸗ nung heißt der HErr Christus hier deshalb, weil aus Ihm und seinem für uns vollbrachten Heil und Versöhnung allein, die der Glaube ergreift, die feste und gewisse Hoffnung des ewigen Lebens, die ewige Seligkeit und Herrlichkeit in Ihm fließt. Und diese Hoffnung erhält denn das Herz des Christen fröhlich mitten in den Leiden dieser Zeit und unter allerlei Kreuz und Trübsal; denn alle Leiden dieser Zeit sind nicht werth der Herrlichkeit, die an den Gläubigen am lieben jüngsten Tage, an diesem Tage der Erfüllung ihrer Hoffnung, soll geoffenbaret werden. (Fortsetzung folgt.)