# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S247 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der erste Brief St. Pauli an Timotheum. 247 als in der Abwehr der theils falschen, theils unnützen Lehre. Und gleich⸗ zeitig thut er seinen heiligen Ernst in Bestrafung der verderblichen Irr⸗ lehre dar, indem er Timotheo schreibt, daß Hymenäus und Alexander aus der Gemeinde ausgeschlossen seien (vgl. 2 Tim. 2, 17.), damit sie Buße thäten. V. 1. 2. In diesem apostolischen Gruße ist auf folgende Stücke zu achten: 1) St. Paulus hebt auch gegen den Timotheus, seinen treuen Mit⸗ arbeiter am Evangelio, seinen apostolischen Beruf eigends hervor. Und dies geschah theils deshalb, damit dem Timotheus im Lesen und Betrach⸗ ten des folgenden Briefes stets eindrücklich und gegenwärtig bleibe, daß der⸗ selbe von Paulo, als einem vom heiligen Geiste unmittelbar erleuchteten Diener Christi, geschrieben sei. Und dasselbe soll auch uns Spätlingen kräftig vor der Seele stehen, zumal in der schrecklichen Zeit, darin wir leben; denn es ist ja klar und offenbar, daß die neugläubigen, angeblich lutherischen Theologen fast durchweg die wörtliche Eingebung der heiligen Schrift in Abrede stellen. Das Nähere darüber später. 2) St. Paulus nennt Timotheum in diesem Gruße seinen „rechtschaffenen“, d. i. seinen echten oder ebenbürtigen „Sohn im Glauben;“ theils weil er ihn, nach Apg. 16., durch das Evangelium gezeugt hatte, theils weil er ihm im Handeln und Anwenden der evangelischen Predigt so gar ähnlich war; denn er bezeugt an einer andern Stelle, daß er Nie⸗ mand habe, der so gar eines Sinnes mit ihm sei, als Timotheus, während andere seiner Gehülfen das Ihre suchten, wie es sich später auch bei Demas herausstellte, der die Welt wieder lieb gewann und Paulum verließ. Gott helfe uns lutherischen Predigern, daß wir auch möchten echte und rechte Söhne St. Pauli darin sein, daß wir ihm ähnlich mit Beweisung des Geistes und der Kraft sonderlich die evangelische Lehre von der Rechtfertigung, auch den glaublosen Werklern gegenüber, gründlich und unablässig, öffentlich und sonderlich bezeugen. Denn daß die fleischlich gesinnten Zuhörer zunächst im Herzen dieser Lehre zu ihrem Verderben mißbrauchen, das schadet nicht uns, sondern ihnen allein. Den werklosen Heuchlern und den trägen Christen aber ist ebenso entschieden die Lehre von der Heiligung oder Erneuerung zu bezeugen, wie St. Paulus in den Schlußcapiteln thut, damit sie aus dem Nichtdasein der guten Werke und des neuen Gehorsams den Rückschluß machen können, daß der rechtfertigende d. i. Christum ergreifende Glaube in ihnen nicht da sei (wiewohl sie ihn mit dem Munde bekennen), der sich darnach in der Liebe nach außen thätig erzeigt. 3) Da schon in diesem Gruß St. Pauli jedes Wort vom heiligen Geiste eingegeben ist, so ist es beachtenswerth, daß er in diesen drei Pastoralbriefen zwischen Gnade und Friede noch das Wort Barmherzigkeit einfügt, das in den andern zehn Sendschreiben an die verschiedenen Gemeinden und an den Philemon nicht vorkommt. Nun haben Gnade und Barmherzigkeit allerdings eine verwandte Bedeutung, sowohl ihrem begrifflichen Inhalte, als auch dem Gegenstand nach, auf den sich beide beziehen. Beide nämlich sind sonderliche Erweisungen der Liebe Gottes, und beide beziehen sich auf die