# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S246 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 246 (Eingesandt von Dr. Sihler.) Die Briefe St. Pauli an Timotheum und Titum oder das apostolische Pastorale. Der erste Brief St. Pauli an Timotheum. Cap. 1. In diesem Kapitel ermahnt St. Paulus, nach voraufgeschicktem Gruß, den in Ephesus zurückgelassenen Timotheus, als seinen noch jungen Mit⸗ arbeiter am Evangelio, der Trübung und Fälschung der heilsamen Lehre möglichst zu wehren. Wie nämlich in andern von dem Apostel gegründeten Gemeinden, so hatte auch in der zu Ephesus der Teufel dafür gesorgt, daß Männer aufstanden, die da verkehrte Lehren redeten, die Jünger an sich zu ziehen. Auch hier trieben sie heftig die Gerechtigkeit der Werke wider die Gerechtigkeit Christi, die aber allein dem Glauben zugerechnet wird. Auch hier hatten sie aus Un- oder Mißverstand des Evangeliums keinen rechten Verstand vom Gesetz, weder nach seiner wahren Beschaffenheit, noch nach seiner dem Evangelio vorarbeitenden Kraft und Wirkung. Und weil sie weder Gesetz noch Evangelium in ihrer eigenthümlichen Art und Natur zu erkennen und zu unterscheiden vermochten (daran sie zeitlebens genug zu lernen gehabt hätten), so verfielen sie aus Hochmuth und vorwitzi⸗ gem Kitzel auf allerlei müßige und unnütze Fragen, auf mancherlei Wie's und Warum's, deren Lösung Gott in seinem Worte nicht geoffenbart hat, weil dies seinem Volke, das sich hienieden an das Was, an die im Wort geoffenbarten Heilsthaten zu halten hat, für den Glauben nicht noth und nütze gewesen wäre. Nachdem nun St. Paulus diese Thorheit zurückgewiesen hat, gibt er darnach den rechten Verstand vom Gesetze und handelt sodann vom rechten Brauch desselben. Darauf zeigt er an seinem eigenen Exempel die rechte Art und Natur des Evangelii und die Ueberschwänglichkeit der göttlichen Gnade und der Liebe Christi an, die aus ihm, einem vormaligen blinden, unwissen⸗ den, ungläubigen Lästerer, Verfolger und Schmäher des HErrn Christi und seines Evangelii, einen begnadigten, seligen Christenmenschen, ja einen treuen Zeugen des herrlichen Evangelii des seligen Gottes gemacht habe. Und dieses Liebeswunder der bekehrenden Gnade hält er zugleich andern großen Sündern zum tröstlichen Exempel vor, auch an den HErrn Christum zu glauben zum ewigen Leben. Denn wie er sich an andern Orten seiner Briefe, als z. B. 1 Cor. 4, 16. und 11, 1., den Gläubigen zum Muster und Vorbild eines heiligen Lebens und gottseligen Wandels darstellt: so thut er dies hier, wie auch in Gal. 2. und Phil. 3., in Bezug auf den rechtfertigen⸗ den Glauben, den Gottes Gnade in ihm angezündet und erhalten habe, dafür er denn auch V. 17. in eine feurige Lobpreisung und Danksagung gegen Gott ausbricht. Zuletzt schärft er seinem Sohne Timotheus ein, im Festhalten des wah⸗ ren Glaubens an Christum die einem treuen Hirten und Aufseher ziemende Ritterschaft zu beweisen sowohl in der Bewahrung der reinen und heilsamen,