# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S244 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 244 Das Leben Jesu von Ernst Renan. „Bei allem diesem beherrschte ein wunderbarliches Gefühl Jesum sowohl, als die Schaar der heitern Kinder, welche ihn begleiteten, und machte ihn für alle Zeiten zum wahren Schöpfer des Seelenfriedens, zum erhabenen Lebens⸗ tröster,“ 216. Man sieht, der Teufel hat Renan in der „evangelischen Pro⸗ vinz“ allerlei offenbart. Das „fünfte Evangelium,“ was Renan hier „offenbart,“ heißt aus seiner Gaunersprache ins Deutsche übersetzt: Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir todt. Ein solcher heiterer, scherzender, vergnügungssüchtiger Messias, der alle Tage Festtag feiert, ein solcher gefälliger Sittenlehrer und süß schmunzelnder Rabbi, sollte der nicht der Welt gefallen? Natürlich ist dem Renan die Lehre von der Erlösung eine Thorheit. Die Menschen sind ja heitere, biedere, rechtschaffene, glückliche Kinder von reinem Herzen. Und Renan selbst ist ja, wie er sich rühmt: von „unbestechlicher Redlichkeit,“ der gar keiner Erlösung zu bedürfen glaubt, sondern sich hoch über Jesum stellt. Was er an Jesu rühmt, ist demnach nur seine Moral. Allein, die Moral, die Jesus lehrt, „ist die Moral einer Welt, welche leben will und gelebt hat, Das Reich Gottes ist in euch,“ sagte er zu jenen Schlauen, welche äußere Zeichen von ihm verlangten,“ 132. Jesus erklärte, „seine Religion sei, recht zu handeln,“ 258. Von dem Reiche Gottes macht Renan folgende unsinnige Beschreibung: „Das Reich Gottes wird wie eine abgeschlossene im Innern hellerleuchtete Halle sein inmitten dieser Welt voll Finsterniß und Qual“ 300. Jesus lehrte, „daß die Herrschaft der Armen nahe sei,“ 218. „Jedermann sah sich schon auf einem Thron neben dem Meister sitzen. Sie theilten die Stellen aus und suchten den Tag auszu⸗ rechnen. Die Lehre nannten sie nicht anders als „die frohe Botschaft“ 230. Jesus lehrte einen „zarten Communismus“ 217. „Die Sünde des Geizes bestand damals im bloßen Eigenthumsbesitz,“ 213. „Die Bettlerorden, die unzähligen communistischen Secten des Mittelalters .... waren in der That die wahren Schüler Jesu“ 222. „Eigenthum war verboten.... Ehe⸗ losigkeit wurde entschieden vorgezogen,“ 328. Jesus lehrt „Die Verbrüde⸗ rung der Menschen“ 140, „den Millenarianismus“ 172, „die Menschenrechte“ 256. „die Religion der Humanität,“ 450. Jesus war ein „demokrati⸗ scher Führer“ 223, ein „Zerstörer des Judenthums“ 255, „Revolutionär im höchsten Grade“ 256, „Anarchist.“ Die Regierung erscheint ihm einzig und allein nur als ein Mißbrauch“ 173. „Sein Traum ist eine ungeheure so⸗ ciale Umwälzung, in welcher die Rollen gewechselt, in welcher Alles, was Ansehen in dieser Welt besitzt, erniedrigt werden wird,“ 174. „Er verachtete die bestehenden Mächte,“ 166. Das Christenthum „war der erste Triumph der Revolution, der Sieg der Volksmeinung“ ꝛc. 445. „Aufrührerisch im höchsten Grade stellte die Kreuzigung ..... die römischen Adler dar, wie sie die ungerechtesten Strafen sanctioniren, ein Präfect sie anordnet und Sol⸗ daten sie vollziehen. Welch ein Schlag gegen alle bestehenden Autoritäten! Sie haben sich niemals vollkommen davon erholt,“ 446. — — Die menschliche Sprache hat keine Worte, um den gerechten Abscheu