# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S243 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das Leben Jesu von Ernst Renan. 243 Alles, was Jesus über Gott sagt, betrachtet Renan als bewunderns⸗ würdige Irrthümer. „Ihm gab dieser Glaube einen hohen Begriff von der engen Verwandtschaft der Menschen mit Gott und ein übertriebenes Vertrauen in menschliche Macht; bewundernswürdige Irrthü⸗ mer, welche den Grund zu seiner Macht legten,“ 98. Der Haß gegen Gott reißt Renan zu folgender scheußlichen Lästerung hin: „Bald wurde die Wüste seine Schule und er hielt sich lange daselbst auf. Aber der Gott, den er daselbst fand, war nicht der seinige. Es war höchstens der Gott des Hiob, streng und furchtbar, der sich nicht um die Menschen bekümmerte. Nach seinem lieben Galiläa zurückgekehrt, fand er wieder seinen himmlischen Va⸗ ter auf den grünen Hügeln, bei den klaren Quellen, unter den Schaaren von Kindern und Frauen, welche mit freudiger Seele und den Gesang der Engel in ihren Herzen auf die Erlösung Israels harrten,“ 123. Renan macht lästerlicher Weise Christum zum Pantheisten: „In seiner poeti⸗ schen Auffassung der Natur durchdringt nur ein Athem das ganze Weltall; der Athem des Menschen ist der Athem Gottes“ ꝛc. 274. In Galiläa, im Norden Palästinas führte Jesus, wie der Teufel ebenso albern und boshaft lästert, mit seinen Jüngern ein lustiges Schlaraffenleben, wovon Renan folgenden possenhaften Roman schreibt: „Der Norden allein bildete das Christenthum,“ 118. „In diesem irdischen Paradiese wohnte ein emsiges, rechtschaffenes Volk,“ 192, „heitere Kinder,“ 215, „Män⸗ ner und Frauen von jugendlicher Biederkeit und ungekünstelter Einfach⸗ heit,“ 178; schlichte Seelen, glückliche Kinder, deren Herzens⸗ reinheit sie eines Tages würdig machte, Gott zu schauen,“ 206. Dort war Jesus der gefällige Sittenlehrer,“ 163. „Die gläubige Heerde, muntere Wanderer zogen ihm nach“ 206. „So war seine Reise in Galiläa ein beständiger Festtag. Er ritt auf einem Maulthier, einem Thiere, welches im Morgenlande so sicher, so gut ist, in dessen großen schwarzen Augen, von langen Wimpern beschattet, eine Fülle von Sanftmuth liegt. Seine Schüler entfalteten oft ein ländliches Gepränge um ihn, indem sie ihre Kleider als Teppiche ausbreiteten. Sie legten dieselben auf sein Maulthier oder breiteten sie auf seinen Weg. Wenn er bei einem Hause abstieg, kehrte Segen und Jubel daselbst ein. Er verweilte in Marktplätzen und großen Bauernhäusern, wo er eine zuvorkommende Gast⸗ freundschaft genoß,“ 227. „Die Kinder brachten ihm kleine Huldi⸗ gungen dar, welche ihm viele Freude machten,“ 229. „Er affectirte keine strenge Lebensweise und floh die Vergnügungen nicht, sondern nahm heiter an Hochzeitsfesten Theil.“ „Seine sanfte Heiterkeit drückte sich fortwährend durch unschuldige Scherze aus,“ 226. „Die ganze Ge⸗ schichte von der Geburt Christi wurde auf diese Weise zu einer lieblich heitern Idylle. Ein Messias bei einer Hochzeit, die Buhlschwe⸗ ster und der gute Zachäus als eingeladene Gäste bei seinen Gastmählern. Die Gründer des himmlischen Reiches gleich einem Gefolge von Brautfüh⸗ rern, ...... solche Scenen wagte Galiläa der Welt vorzuführen,“ S. 122.