# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 07 05_S190 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und Bekehrung der Sünder für überaus trefflich und köſtlich erachten. c. daß ſie gern alles „draußen“ nennen, was nicht Methodiſt heißt, und auf nicht methodiſtiſch Gläubige ſo ziemlich mitleidig herab ſchauen, als wollten ſie ſagen: Eins fehlt dir noch: werde ein Methodiſt! ů d. daß ſie auf ihre einzelnen Sünden ſchmer⸗ zen und Buß kämpfe, Glaubens gefühle und Glaubensfreuden einen übertriebenen Werth und Nachdruck legen und dieſe ſchon für den echten und rechten evangeliſchen Gnadenſtand halten. e. daß ſie dieſen ihren ſchiefen und einſeitigen Maßſtab der Bekehrung überall anlegen, als müſſe jeder wie David, Petrus und Paulus zu Chriſto kommen, nicht aber auch wie Joſeph und Jo— hannes. f. daß ſie deßhalb alle langſamen und allmäh⸗ lichen Bekehrungen mit hochmüthigem Mißtrauen betrachten. g. daß ſie wähnen, in ihren menſchlich er— fundenen Bekehr-Anſtalten und Erweckungs⸗ Anſtrengungen (in Nr. 5.) den göttlichen Gnaden⸗ mitteln des Heiligen Geiſtes in der lautern Pre— digt des Evangeliums und in der richtigen Ver⸗ waltung der heiligen Sacramente gleichſam zu Hülfe kommen zu müſſen, um die heilſamen Ein⸗ drücke des Wortes Gottes feſt zu halten und die Leute ſchnell zur Entſcheidung zu treiben, als wenn alle Pflanzen, wie Pilze, über Nacht aus der Erde wüchſen. h. daß ſie demgemäß dem Menſchen eine Mit⸗ wirkung für und bei der Bekehrung zuſchreiben, neben dem Evangelium und den heiligen Sacra⸗ menten, alſo gleichſam ein neues Beſchneidungs⸗ geſetz in ihrem Bekehr- und Bußapparat auf⸗ richten und als neue Juden unter dem Scheine des Evangeliums die freie Gnade Gottes, das alleinige Verdienſt Chriſti und die allein wirk⸗ ſamen Gnadenmittel des Heiligen Geiſtes ver⸗ dunkeln und ſchmälern. Dies aber alles von a — h kommt aus Hoch⸗ muth und führt zu Hochmuth. 2. Die Erzeugung eines krankhaften und weibiſchen Gefühlschriſtenthums. Dies erhellt aber daraus: a. daß ſie ſich mehr an die Gefühls-Eindrücke hängen, die das gepredigte oder geſchriebene Wort Gottes in Geſetz und Evangelium in ihnen erregt, als an dieſes Wort ſelber. b. daß ſie deßhalb in großer Gefahr ſtehen, den Grund und Quell ihrer Seligkeit mehr in ihrer innern Erfahrung von Chriſto, mittelſt des Eoan⸗ geliums, als außer ihnen, in der Perſon und dem Erlöſungswerke Chriſti und in dem Worte Gottes und den heiligen Sacramenten zu ſuchen, die Chriſtum und ſein Werk den heilsbegierigen See⸗ len zueignen. c. daß ſie demgemäß die Beſchaffenheit ihrer Buße und ihres Glaubens mehr nach ihren innern Schmerzen und Freuden beurtheilen, als nach den feſten und unwandelbaren Geſetzen und Verheißungen Gottes in ſeinem Worte und nach den Früchten und Werken ihres Lebens und Wandels. — 86— d. daß ſie das viele und vielerlei Geplauder von dieſen ihren innerlichen, mitunter ziemlich kleinlichen Leiden und Freuden höher achten, als den ſtillen, feſten und männlichen Wandel in dem HErrn. e. daß ſie das Mehr oder Minder dieſes gläu⸗ bigen Geſchwätzes und Gewäſches an Andern zum Maßſtabe von der Bekehrung derſelben machen. f. daß ſie bei ihrem Beten einen beſondern Werth auf ihr Knieen, Seufzen und Stöhnen und alle dergleichen äußerliche Geberdung legen, und ſtatt allein Gottes Befehl und Verhei— ßung hiebei gläubig im Auge zu behalten, dieſe feine äußerliche Zucht als mitwirkend für die Er⸗ hörung anzuſehen ſcheinen. g. daß ſie gerne nach Erneuerung der frühern Gnadengenü ſſe trachten und ſich in ihnen auf weibiſche und gefühlige Weiſe ſpiegeln, ſonnen und mit ſich liebäugeln. h. daß ſie bei all dieſem ihrem Beten, Singen, Schwätzen, Rennen und Laufen, Haſchen und Naſchen, Drängen und Treiben, Stöhnen und Jauchzen, Rühmen und Klagen, doch kein feſtes Herz, nach Ebr. 13, 9. und Pſ. 73, 23—26., haben; denn da ſie, wie aus 1. und 2. a—h erhellet, ihr Vertrauen theilweiſe auf ſich, d. i. auf ihre Gefühle, Uebungen und Anſtalten, als da z. B. ſind Sündenſchmerzen, Gebetsanſtren⸗ gungen, Bußbänke und dergleichen, ſetzen, als wirke dies für und bei ihrer Bekehrung und Rechtfertigung mit, ſo iſt klar, daß ſie es auch nur theilweiſe auf die Gnade Gottes, das Verdienſt Chriſti und die Gnadenmittel des Hei⸗ ligen Geiſtes ſetzen. Frage z. B. nur einen gründlichen, aber ehrlichen Methodiſten auf ſein beſtes Wiſſen und Gewiſſen, Hand auf's Herz was er für weſentlicher und wirkſamer für die Bekehrung halte, die heilige Taufe, das Gottes⸗ werk (um deren willen doch eben der Heilige Geiſt, durch das Wort Gottes, dem bundbrüchigen Menſchen Gnade zur Bekehrung und Erneuerung ſchenkt), oder die Bußbank und N. 5. überhaupt, das Menſchenwerk? Frage ihn ferner, was ihm glaubensſtärkender ſei, der einfache Genuß des heiligen Abendmahls, auch ohne beſonderes „We⸗ hen des Geiſtes“, oder das Schauſpiel einer ſtür⸗ miſchen Bußbanksbekehrung? Frage ihn zuletzt, ob er vom einfältig⸗gläubigen Gebrauche des hei⸗ ligen Vater Unſers, gleichgültig, wann, wie und wo gebetet, mehr Frucht und Wirkung erwarte, oder von ſeinem knieenden freien Herzens⸗ und Schrei⸗Gebete? Und ich fürchte, er wird ſich in allen drei Fällen für das Letztere entſcheiden. Und daher kommt denn Zweierlei: zur guten Zeit nämlich, wenn ſie keine äußere oder innere Noth beſonders drückt, ſind ſie leicht ſicher und obenauf und verſäumen, das heilige Geſetz Got⸗ tes fleißig zu betrachten, um den Stand ihrer Buße und ihrer guten Werke an und in ihnen zu erforſchen; zur böſen Zeit aber, wenn Trübſal, Dürre und Angſt über ſie kommt, ſind ſie leicht verzagt und niedergeſchlagen und verſäumen, das liebe Evangelium ernſilich zu gebrauchen, um an ſeinen tröſtlichen und unwandelbaren Verheißun⸗ gen in der heiligen Schrift, die alle in Chriſto Ja * und Amen ſind, ihren ſchwachen und wankenden Glauben zu befeſtigen. Und ſo ermangelt ihnen denn das feſte Herz. 3. Die Erzeugung eines unreifen und ſchwärmeriſchen Bekehreifers. Dieſer zeigt ſich aber in folgenden Stücken: a. daß ſie: Methodiſt werden und ſich bekehren als ein und dasſelbe annehmen. b. daß ſie ein abergläubiſches Vertrauen auf jene äußerlichen gewaltſamen Bekehrmittel in N. 5. ſetzen und mündlich und ſchriftlich wider die Taufe, ſtatt gegen den Mißbrauch derſelben, eifern. c. daß ſie in ihren Predigten aus verſchuldetet Unwiſſenheit oder Bosheit (wenigſtens unter den Deutſchen) die lutheriſche Schriftlehre und die römiſche Irrlehre, beſonders von der heiligen Taufe, durcheinander wirren, Erſtere mit dem Schein der Letzteren verdächtigen und die Wun⸗ derthätigkeit ihres Menſchenfündleins in N. 5, zumal der Bußbank und Comp., rühmen und ſchmücken. d. daß die Methodiſten⸗Prediger hinter dem Rücken der Prediger anderer Confeſſionen als geiſtliche Hauſirer zu ihren Kirchkindern ſchleichen, ihre Gebets- und Bekehrungskunſt dieſen anbie⸗ ten, deren Prediger als unbekehrte Leute verdäch⸗ tigen, ohne ſie ſelbſt in ihren Predigten gehört zu haben, Aufforderungen derſelben aber zu einem öffentlichen Geſpräche, z. B. über die Schriftlehre von der heiligen Taufe oder über die Schrift⸗ und Zweckmäßigkeit der Bußbank, feige und feld⸗ flüchtig ausſchlagen und bei all dieſer durchaus unrechtlichen Handlungsweiſe dennoch vorgeben, den Heiligen Geiſt zu haben, und wahrhaft be— kehrte Leute zu ſein und auch Andere dazu zu machen. Wir haben ja dieſe Griffe und Kniffe der methodiſtiſchen Bekehrjäger erſt kürzlich unter uns erlebt, wobei ſie überdem ſo liſtig ſind, ſich an ängſtliche und noch unbegründete Leute zu machen, um durch Fragen, die gegen Phariſäer und todte Maulgläubige ganz gut und am Orte ſind, ihr Herz und Gewiſſen zu ängſten; ſo z. B. „ob ſit das Zeugniß des Heiligen Geiſtes ſchon in ihrem Herzen haben, daß ſie Kinder Goltes ſeien?“ u. Mit groben Sündern aber, oder dicken Phariſäem, die doch ihrer untrüglichen und ſchnell wirkſamen Bekehrmethode am meiſten bedürften, pflegt ſich ihre chriſtliche Liebe nicht zu befaſſen. Hätten dieſe deutſchen Methodiſtenprediger aber die Liebe Chriſti wirtlich und wahrhaftig in ihren Herzen wohnen, ſo würden ſie nur dahin ſich wenden, wo leiter noch verirrte Schafe ohne Hirten ſind; und dies thun ſie freilich auch, unſerer Kirche zur heilſamen Züchtigung und Erweckung, wenn⸗ gleich in ihrer krankhaften Weiſe; ſicherlich aber würden ſie da, wo ein Hirte ſteht, und durch Got⸗ tes Gnade ein kirchlich geſinnter und gläubiger, ſich durch jene heimliche Einſchleicherei keine Ein⸗ griffe in ſein Amtsgebiet erlauben, was auch der Apoſtel Paulus Röm. 15, 20. (vergleiche 2 Cor. 10, 15. 16.) nicht that, dem ſie ſonſt nachzueifern vorgeben. Ja ſtünde es alſo, daß der von einer lutheriſchen oder reformirten Gemeinde berufene Prediger Chriſtum nicht nach der Schriſt- und