# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S241 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das Leben Jesu von Ernst Renan. 241 die Evangelien Zeugniß ablegt, wie auch Christus den Teufel nicht hören wollte, obwohl er ihn für den Heiligen Gottes erklärte Luc. 4. Wenn aber Renan sich einbildet, daß er darum das evangelische Ideal, die Person Christi recht verstanden habe, weil er das Land bereiste, worin Christus lebte, so beweist er damit nur, daß er der dümmste Esel des neunzehnten Jahrhunderts ist. Die Juden und Heiden, welche Christum kreuzigten, und Judas, Renans Vorgänger, haben auch die „evangelische Provinz“ bereist, „Jeru⸗ salem, Hebron und Samaria“ besucht, ohne daß diese „Lichtquelle“, „das fünfte Evangelium“ sie zur wahren Erkenntniß Christi gebracht hätte. Das Verhältniß Renans zu den Quellen seines Lebens Jesu gestaltet sich also folgendermaßen. Die Evangelien betrachtet er als die „schlauen Schöpfungen, unwissender und verstandesschwacher Jünger,“ welche nicht im⸗ mer die lautere Wahrheit sagten. Ihnen kann er also nicht viel entnehmen, desto mehr schöpft er aus Philo, Josephus und vor allem aus dem Talmud, dieser Cloake des Teufels. Das Uebrige, was sich noch in Renans Werke findet, hat ihm der Teufel in der „evangelischen Provinz“ offenbart, wo Renan die „Lichtquelle,“ sein „fünftes Evangelium“ gefunden hat. Damit wollen wir indeß keineswegs leugnen, daß Renan aus seinem eignen Eselskopfe keine Zusätze gemacht habe. In Renans Werke stehen nämlich Behauptungen so wahnwitziger Art, daß, so dumm der Teufel auch ist, es doch wahrscheinlicher ist, daß sie entweder von Renan, oder was auch nicht unmöglich ist, von dem Juden Neubauer herrühren. Außer dieser Stellung Renans zu den Quellen der Geschichte kommt noch seine eigene persönliche Ueberzeugung in Betracht. Er ist ein ganz gemeiner Atheist und zwar von der pantheistischen Sorte, welche jetzt am meisten Mode ist. So muß man in der That sagen, daß der Teufel kein passenderes Werkzeug zur Verlästerung Jesu hätte finden können, als Renan. Dabei besitzt er einen lächerlichen Hochmuth, daß er sich folgendes Eigenlob ertheilt: „Wir Alle, die wir unser Leben der Wissenschaft geweiht, haben durch unsere strenge Gewissenhaftigkeit in Anwendung der Mittel zur Ueberzeugung, durch unsere unbestechliche Redlichkeit und unsere uneigennützige Liebe zu der reinen Idee ein neues Ideal der Moral gegründet.“ S. 455. So sehr uns nun auch davor ekelt, von Renans Lästerungen etwas anzu⸗ führen; so glauben wir doch, die Hauptsätze des Ideales, welches Renan von Jesu entwirft, mit den Worten desselben dem Leser vorführen zu müssen, damit er sich einen klaren Begriff von diesem Schandbuche mache, womit Re⸗ nan schon 250,000 Thaler verdient hat, welches also jedenfalls eines der gelesensten Bücher der Gegenwart ist. Renan leugnet nicht bloß die Gottheit Christi — „nicht ein einziges Mal spricht Jesus die gotteslästerliche Idee aus, daß er Gott sei“ S. 128; „die Legende machte ihn zum Gott,“ S. 454, sondern auch seine Sündlosigkeit. „Jesus war nicht ohne Fehler.“ „Wie so viele erhabene Züge seines Characters durch die Schuld seiner Schüler für uns verloren gingen, so