# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S239 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das Leben Jesu von Ernst Renan. 239 Jesu,“ S. 34. „Dies unaufhörliche Streben, sich selbst zu erheben und in den Vordergrund zu stellen, dies beständige Argumentiren, dies hochtrabende, theatralische Auftreten, dies ewige Moralisiren nach jedem Wunder, diese steifen, schwerfälligen Reden, die oft in Ausdrucksweise falsch und holprig sind, und die langen Disputationen sind in Vergleich mit den herrlichen Vorträgen in den synoptischen Büchern für einen Mann von Geschmack un⸗ ausstehlich,“ S. 37. Endlich kommt er zu dem Schlusse, daß das Evangelium Johannis die „manchmal wunderbar frischen, manchmal arg verstellten Er⸗ innerungen eines alten Mannes“ enthält, S. 32, und „daß die Reden im vierten Ev. nicht historisch, sondern einfach Compositionen sind, welche den Zweck haben, gewisse dem Compilanten am Herzen gelegene Doctrinen mit der Autorität Jesu zu bekleiden,“ S. 35. Johannes, „gewohnt, seine Gedanken mit der fiebrischen Rastlosigkeit einer exaltirten Seele arbeiten zu lassen, gestaltete seinen Meister um, während er ihn zeichnen wollte, und leitet uns manchmal zu dem Verdachte, daß er bei der Verfassung jenes eigenthümlichen Werkes nicht immer die lautere Wahrheit als leitenden Grund⸗ satz anerkannte, — es müßten denn andere Hände sein Werk umgemodelt haben“ S. 199. Deutlich genug sagt Renan in seiner versteckten Gauner⸗ sprache, daß sämmtliche Evangelisten Betrüger waren: „Allzu schlichte Erklärungen sind stets falsch in der Analyse dieser schlauen für die Volksmasse berechneten Schöpfungen, welche durch ihren blendenden Schimmer und ihre unendliche Mannigfaltigkeit jeder systematischen Ordnung Trotz bieten,“ S. 49. Auch Johannes war ebenso kolossal dumm, wie die andern Jünger. „Die Stifter des Christenthums lebten zum wenigsten eben so vollständig, wie St. Clara und die drei Ge⸗ fährten, in einem Zustande poetischer Unwissenheit,“ S. 286. Natürlich mußte das Evangelium St. Johannis vorzugsweise den Zorn Renans auf sich laden, weil es die Gottheit Christi so unumstößlich bezeugt. Ebenso giftig verlästert Renan das Alte Testament, besonders die fünf Bücher Mosis, die er einen Blutcodex nennt. „Wahnwitzige Gläubige reiz⸗ ten fortwährend zur Verfolgung und Bestrafung eines Jeden auf, welcher vom Dienste Jehovahs abfiel. Ein Blutcodex, welcher auf religiöse Verbrechen die Todesstrafe setzte, wurde mit Erfolg eingeführt“ S. 70. Das Buch Daniel versetzt Renan unter die Apokryphen, dagegen legt er dem sagenreichen apokryphischen Buche Enoch eine hohe Bedeutung bei. Doch die Krone setzt Renan seinen blödsinnigen Behauptungen dadurch auf, daß er den Talmud für eine der wichtigsten Quellen der Geschichte Christi erklärt. „In der Geschichte der Quellen des Christenthums schenkte man bis jetzt dem Talmud bei Weitem nicht die Beachtung, die er verdient. Wir sind mit M. Geiger derselben Ansicht, nämlich daß gerade diese seltsame Compilation, welche neben dem nichtssagendsten Scho⸗ lasticismus viel werthvolle Auskunft bietet, uns einen rich⸗ tigen Begriff von den Verhältnissen gibt, unter denen Jesus auftrat. Während die christliche und die jüdische Theologie in der That zwei parallel