# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1864_S237 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das Leben Jesu von Ernst Renan. 237 Art gezeigt werde, mit ihrem Gelde das Nöthige so zu erwerben, daß das Gewissen nicht verletzt wird. Wenn nun jemand sagen wollte, mir gefällt weder der Wiederkaufs⸗, noch der Gesellschafts-Contract, sondern ich wünsche die Macht zu behalten, das Capital wiederzufordern und sowohl des Gewinnes, als des Capitals ohne Gefahr eines Verlustes gewiß zu sein, wie bei dem Wucher geschieht: einem solchen, weil er nicht nach der Liebe wan⸗ deln will, können wir keinen andern Rath aus Gottes Wort geben, als 1 Thess. 4, 6. Der HErr ist der Rächer über das alles. (Fortsetzung folgt.) (Eingesandt von Pastor Fick.) Das Leben Jesu von Ernst Renan. Uebersetzt von H. Otto. Renan's Schrift, das Leben Jesu, hat bekanntlich ungeheures Aufsehen gemacht. Was hat ihr einen solchen Erfolg verliehen? Diese Frage ist in der That der Beachtung werth. In Renan's ganzem Buche sehen wir uns vergeblich nach einem einzigen neuen Gedanken um. Alle Lästerungen, Ein⸗ würfe und Gründe, die er gegen das Christenthum vorbringt, sind schon längst dagewesen, schon viel „wissenschaftlicher“ bewiesen und viel „geist⸗ voller“ ausgesprochen. Der Zauber, welchen Renan's Buch auf die Welt ausübt, liegt in etwas anderem. Renan hat den Geschmack des Zeitgeistes studirt; er kennt die Ideen, welche gegenwärtig die Massen bewegen. Er weiß gut genug, welche Aufnahme der wahre Christus in der Welt gefunden hat und noch findet. Darum hütet er sich wohl, das Leben des wahren Christus, wie ihn die Evangelisten uns vorhalten, der Welt zu beschreiben. Statt dessen entwirft er unter dem Namen Jesu ein solches Ideal, in wel⸗ chem jeder, auch der ordinärste Weltmensch, sich zu seiner angenehmen Ueber⸗ raschung selbst wieder erkennt. Natürlich hat der Jesus, den Renan zeichnet, mit dem Jesus der heil. Schrift so wenig Aehnlichkeit, wie der Teufel mit Gott. Um nun für seinen Jesus Raum zu gewinnen, muß Renan zunächst das Ansehen der heil. Schrift entkräften. Dies thut er denn auch mit der größten Unverschämtheit. Er kann nicht Worte genug finden, die Apostel und Evangelisten zu verlästern. „Selbst die Evangelisten, sagt er S. 455, welche uns das Bild Jesu hinterlassen, stehen so weit unter ihrem Meister, daß sie ihn häufig entstellen, da sie sich nicht zu seiner Höhe erheben können. Ihre Schriften sind voll falscher Auffassungen und Mißver⸗ ständnisse. In jeder Zeile erkennen wir Reden von erhabener Schöne, berichtet von Leuten, welche dieselben nicht verstanden, und ihre eigenen Ideen für jene substituirten, die sie nur halb begriffen. Im Ganzen wurde der Charakter Jesu von seinen Biographen nicht nur nicht ausgeschmückt, sondern sogar verkleinert. Um denselben in