# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 07 05_S189 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Redigirt von C. F. W. Walther. Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 25. Juli 1848. No. 24. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛr. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern über den Methodismus. Drittes Geſpräch. Die Wirkungen der Lehre und Weiſe der Methodiſten. Martin. Ich hoffe nun, Freund Philipp, du wirſt jetzt wiſſen, warum die methodiſtiſche Lehre und Weiſe, als ſolche, keine geſunden und evan⸗ geliſch begründeten Chriſten bilden und fördern könne? Dieſe meine frühere Behauptung ſchien dir anfangs zu eng und zu hart zu ſein. Philipp. Allerdings erſcheint mir die Sache jetzt in einem klareren Lichte. Aber ſei doch ſo gut und faſſe mir noch einmal kurz und überſchaulich das zuſammen, was du in unſern früheren Ge⸗ prächen in der Lehre und Weiſe der Methodiſten als krankhaft und ſchwärmeriſch nachwieſeſt. Martin. Es waren folgende Stücke: 1. Die Ueberſchätzung ihrer „Kirchenordnung“ und die Unterſchätzung ihrer „Lehre“; jenes in den 200 Seiten, dieſes in den 12 Seiten jenes Buches: „Die Lehre und Kirchenordnung der biſchöflichen Methodiſtenkirche“; Cincinnati 1841. (nach der neueſten engliſchen Ausgabe.) 2. Die Auslaſſung wichtiger und weſentlicher . Artikel in dieſer ihrer Lehre (die faſt ausſchließlich 1 nur ein Auszug der 39 Artikel der biſchöflichen Kirche Englands iſt), wie z. B. die vom Predigt⸗ amte, den Gnadenmitteln und der Buße. 3. Die unklare und ausleerende Faſſſing ein⸗ zelner Artikel dieſer ihrer Lehre; jene z. B. im 7. Artikel „von der Erbſünde“; dieſe z. B. im 17. Artikel „von der Taufe“. . 4. Der Ueberſchwang der Gefühlstreiberei und der Mangel an gründlicher Heilslehre und „rech⸗ tem Theilen des Wortes der Wahrheit“ (d. i. des Geſetzes und Evangeliums) in ihrer Predigtweiſe. 5.ᷣ Das geſetzestreiberiſche Hinzunehmen künſt⸗ locher unevangeliſcher und unkirchlicher Preß⸗ und Zwangsmittel und das abergläubiſche Vertrauen auf die Mit⸗ oder gar Hauptwirkung derſelben zur . Bekehrung. Dieſe ſelbſtgemachten Bekehrmittel aber (auch neue Maßregeln, new measures“ genanut), die künſtlich und gewaltſam ſolche ſo⸗ genannte Erweckungen (revivals) und Bekeh⸗ rungen erzwingen ſollen, wie ſie ohne all dieſe Zuthaten der Geiſt Gottes durch J. Wesley's und Whitefield's Predigten wirkte, ſind vornehm⸗ lich folgende: a. Die Feldverſammlungen (eamp meetings). b. Die fortgeſetzten Verſammlungen (pro- tracted meetings) mit Anwendung mehrerer Prediger, dié hinter einander predigen. c. Die Bußbank (anxious seat, mourner's bench) ſammt allem Zubehör. 6. Die offenbare Geringſchätzung der heiligen Sacramente und beſonders der heiligen Taufe im Vergleich zu N. 5., da ſie auf gut ſchwärmeriſch dieſelbe, gegen Matth. 28, 19. Mare. 16, 16. Tit. 3, 5. nicht als den Grund und Quell der Wiedergeburt anſehen. 7. Das Aufrichten ihrer Vierteljahrsverſamm⸗ lungen, ſtatt der kirchlichen Feier der chriſtlichen Feſtzeiten, meiſt zum Zweck dieſer ſogenannten Erweckungen. 8. Der ſtete Wechſel der Prediger in den metho⸗ diſtiſchen Gemeinden innerhalb eines, höchſtens zweier Jahre. 9. Die Ueberſchätzung der einzelnen Buß- und Gnaden gefühle und ihrer beſondern Geberdung und der Wahn, daß dieſe möglichen Anfänge der Bekehrung ſchon der rechte und feſte Buß⸗ und Glaubens ſtand ſeien. 10. Die große Maſſe der unſtudirten Prediger und das Nichtanerkennen dieſes Zuſtandes als eines Nothſtandes und Uebels. 11. Die Verachtung einer ſorgfältigen Kate⸗ chismusſchule und einer gründlichen Heilserkennt⸗ niß, und damit endlich im Zuſammenhang 12. Die Vernachläſſigung ihrer Kinder in Be⸗ zug auf treuen und gründlichen Unterricht in der bibliſchen Geſchichte und Katechismus. Philipp. Haben ſie denn keine Sonntags⸗ ſchulen? Martin. Sie ſollen freilich, nach Ab⸗ ſchnitt 16. S. 32 ihrer „Kirchenordnung“, ſolche errichten und halten. Aber erſtens ſind die ſo viel geprieſenen Sonntagsſchulen überhaupt nur ein dürftiges Stück⸗ und Flickwerk und ein kläg⸗ licher Erſatz für gründliche und tüchtige Wochen⸗ tagsſchulen, und dann hält ſie ja nicht der Pre⸗ diger, ſondern allerlei wohlmeinende und gläubige Leute ſchnitzeln und bäſteln da ihres Gefallens an den Kindern herum. Da iſt nichts aus einem Guſſe und aus einer Hand, da iſt keine Begründung in der bibliſchen Geſchichte und im Katechismus, kein Lernen und Singen ſchöner Kirchenlieder. Bloße Sonntagsſchulen ſind über⸗ haupt nur jämmerliche Lückenbüßer und nicht viel beſſer als gar keine. Wären, auch bei dem völ⸗ ligen Mangel an öffentlichen Schulen, die Väter und Mütter meiſt nur Leute, die 5 Moſ. 6, 7. und 1 Moſ. 18, 19. treulich vor Augen hätten in herzlicher Gottesfurcht, und die, nach dem Exempel ihrer kirchgläubigen Vorväter, alſo ihren Kindern die heilſame Lehre fleißig einſchärften in und außer dem gemeinſamen Hausgottesdienſt: — ſo könnte man dieſes oberflächlichen Betünchens und Be⸗ leckens mit dem Bischen Sonntagsſchule gar füglich entbehren. Philipp. Welches ſind denn nun, nach dei⸗ ner Meinung, die Wirkungen dieſer 12 Mängel und Gebrechen in der Lehre und Weiſe der Metho⸗ diſten? Denn wiewohl es mir ſelber jetzt zum Theil ſchon einleuchtet, was beſonders durch die Uebelſtände von 4—12 ſich bilden müſſe, die ich jetzt auch für unkirchliche und ſchwärmeriſche Weiſe halte, ſo möchte ich es doch noch klarer und beſtimmter aus deinem Munde hören. Martin. Was mir Gott hierin an Erkennt⸗ niß ſchenket, das will ich dir wieder geben. Die traurigen Wirkungen aber jener Lehre und Weiſe ſind folgende: 1. Die Erzeugung eines feinen geiſt⸗ lichen Hochmuths. So ſchwer dieſer Vorwurf auch lautet, ſo iſt er doch leider nur allzuwahr, denn es iſt klar und am Tage, und mündlich zu hören, ſo wie ſchrift⸗ lich zu leſen: a. daß die wirklichen Glieder der methodiſtiſchen Gemeinden ſich ganz beſonders für den Augapfel Gottes, das geiſtliche Israel und die Gemeinde der Heiligen halten. b. daß ſie ihre Form und Weiſe zur Erweckung