# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1864_S224 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 224 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. die mir anvertrauten Seelen ist mir das feste kirchliche Bekenntniß und die damit zusammen⸗ hängenden kirchlichen Ordnungen theuer geworden. Eins ist noth, daß Sünder selig werden, so spreche ich noch einmal. Aber es ist schwer, daß Sünder selig werden; die Pforte ist eng, der Weg schmal und der Teufel mächtig überall und besonders in Paris. Da reicht es nicht aus, daß das Wort vom Kreuz hie und da in den Häusern ausgestreut, oder durch eine Erweckungspredigt sichere Sünder aus dem Schlafe aufgeweckt werden. Der Teufel würde bald den guten Samen vom Herzen genommen und die Aufgeweckten wieder ein⸗ geschläfert haben. Die erweckten Seelen müssen auch gründlich bekehrt und die Bekehrten durch treue Pflege auf dem schmalen Weg erhalten werden. Damit dies möglich sei, müssen die überaus zerstreuten Glieder zu festen Gemeinden gesammelt und zum gemeinsa⸗ men Kampf wider Fleisch und Blut, Teufel und Welt durch Wort und Sacrament gestärkt werden. Das Eine, was noth ist, muß ihnen auf eine einfache und übereinstim⸗ mende Weise immer auf's Neue vorgehalten, und in ihren Herzen ein tiefer Grund der Buße und des Glaubens gelegt werden. Zu solchem gemeinsamen Rettungsplan ist eine Kirche mit festem Bekenntniß nöthig, davon habe ich mich überzeugt. Wir predigen den armen Seelen, die wir hier zu sammeln haben, nicht Luther und lutherisches Bekenntniß, sondern Christus und sein Kreuz. Wir predigen ihnen Christum, bis sie selbst glauben und bekennen; aber wir predigen ihnen den Christus, den unsere Kirche bekennt, und nicht einen selbsterdachten. Das ist ein großer Unterschied.““ Humane Duldung. Das Prager „Fremdenblatt“ berichtet unter dem 4. Fe⸗ bruar d. J. von der dortigen Universität: Ein israelitischer Candidat der Rechte sollte zum Doctor promovirt werden. Bisher war es üblich, daß jeder Candidat des Doctorhutes den vorgeschriebenen Eid leistete, indem er die Spitze des Universitätsscepters berührte. An der Spitze dieses Scepters befindet sich ein Crucifix, doch bisher nahm kein Israelit irgend Anstand, den Eid in dieser üblichen Weise vorzunehmen. Diesmal aber stellte der Rector der Universität an den israelitischen Candidaten das Ansinnen, seine hebräische Bibel mitzu⸗ bringen, und auf diese Weise den Eid zu leisten. Das war dem Candidaten zu viel, der sich damit in die Classe der altgläubigen Juden zurückversetzt sah. Er weigerte sich, und der Rector, welcher die Weigerung gewissenhaft und respectabel fand, schrob das Crucifix von dem Scepter ab und ließ den Candidaten auf das Scepter schwören. Die religiösen Gefühle des Candidaten waren berücksichtigt, auch die, welche er nicht hatte, religiösen Wirren war vorgebeugt, und das juristische Verfahren um einen neuen Eid vermehrt, nämlich um den Eid auf einen bloßen Stock. (Neues Zeitblatt.) In England haben Dr. Pusey und Andere wegen Freisprechung der gegen das Ansehen der heil. Schrift und einzelnen Kirchenlehren gerichteten „Essays and Reviews“ von Seiten des Geheimenraths der Königin energischen Protest eingelegt, welcher von 10,000 anglicanischen Geistlichen unterzeichnet worden ist. Unterstützt wurde der Protest durch den letzten Hirtenbrief des Bischofs von Canterbury. „Freimund“ fügt dieser Nachricht hinzu: „Dieses einmüthige Zeugniß der englischen Geistlichen und Theologen beschämt den deutschen Clerus, der das Leben Jesu von Strauß oder das Charakterbild Jesu von Schenkel ohne einhelliges Zeugniß vorübergehen läßt, als wenn diese Schriften weniger Unheil stifteten, als jene Essays!“ — B. In Frankreich hat das Buch von Renan im Senat einen Ankläger gefunden, derselbe wurde aber freigesprochen. Sein Advokat hatte die Instanz geltend gemacht, daß gerichtlich nur solche Christen verfolgt werden dürften, welche in „Form und Aus⸗ drucksweise“ eine Beleidigung enthielten; auf den Inhalt komme es gar nicht an. Es sei wahr, daß Renan die Gottheit Christi leugne, aber er thue es in anständigen Ausdrücken, folglich habe das Gericht keinen Grund, die Veröffentlichung zu untersagen. (Neue Evang. Zeitung.) In Dänemark ist in den Kammern ein Gesetzesvorschlag eingebracht worden, nach welchem Candidaten der Theologie sich überall freie Gemeinden sollen bilden können. — B.