# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1864_S223 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 223 gewähren.“ — Das Consistorium beschied die Eingabe dieses „Friedensvereins“ abschläg⸗ lich. Da traten die städtischen Behörden zu einer vereinigten Sitzung zusammen, deren Resultat wieder eine Eingabe, an den O.-K.⸗Rath war, in welcher die Petenten erklärten, daß sie „den Sup. Petrich nicht länger als ihren Seelsorger anerkennen könnten, und weder zu ihm in die Kirche gehen, noch die sonstigen Amtshandlungen verrichten lassen“ wollten. Dem obigen „Friedensverein“ stellte sich ein ebenfalls auf dem Rathhause zusammenge⸗ tretener Verein von Frauen und Jungfrauen zu seiner Unterstützung zur Seite, dessen beider⸗ seitige Mitglieder sich unter anderm auch dazu verpflichteten, ihre Kinder nicht bei Petrich taufen zu lassen. — So weit ist der Conflict bis jetzt gestiegen. Ob die Unions-Flickmeister, die von lauter Frieden in ihrer Union träumten, wohl bald aufwachen und einsehen, was sie angerichtet haben? — B. Paris. Seit December vorigen Jahres erscheint hier unter dem Titel: „Das Schifflein Christi“, eine monatliche Zeitschrift. Sie ist gegenwärtig die einzige evangelisch⸗lutherische Zeitschrift in Frankreich. Sie kostet jährlich nur 2 Fr. 50 Centimes für das Ausland (zu bestellen in Paris bei J. Schneider, 11 rue des Gres). Ein Cor⸗ respondent der Ev. Kz. schreibt darüber aus Paris unter dem 4. März d. J.: „Es ist das ein besonderes Unternehmen einiger jungen deutschen und elsässischen Geistlichen unserer luth. Kirche und der deutschen Mission in Paris. Dieses unschuldige Blättlein hat jedoch schon einige Windstöße erfahren dürfen, die, wie ich hoffe, dasselbe nicht versenken werden. Man hat ihm besonders seine stolze Flagge vorgeworfen, worauf die Augustana leuchtet, wie wenn diese herrliche Inschrift ein Feuerbrand des Unfriedens sein sollte! — In dieser Be⸗ ziehung werden Ihre Leser nicht ohne Interesse folgende Erklärung unseres lieben Herrn von Bodelschwingh vernehmen, worin ein für allemal solche Angriffe abgefertigt werden; und es steht zu hoffen, daß diese ruhige und freimüthige Vertheidigung im Herzen aller wah⸗ ren Freunde einen günstigen Wiederhall finden und sie über diese Erscheinung vollkommen beruhigen wird. „„So erlaubt sich zum Schluß Schreiber dieses folgendes Bekenntniß abzulegen, für welches er auch allein verantwortlich sein will. Als ich vor 6 Jahren nach Paris kam, wäre ich der Erste gewesen, obige Widersprüche gegen ein bestimmtes Bekenntniß zu unterschreiben, und zwar auf denselben Einwand mich stützend, daß ja nur Eines noth sei. Ich habe diese sechs Jahre nicht auf der Studirstube zugebracht, sondern im beständigen Umgang mit armen Leuten und im Kampf wider sittliche und geistliche Nothstände, wie sie wohl kaum größer innerhalb der christlichen Kirche angetroffen werden. Die Wasser eigener und fremder Trübsal sind mir viel zu hoch an die Seele gestiegen, als daß ich Zeit und Lust gehabt hätte, auf Nebendinge zu fallen, und doch sind mir gerade während dieser Zeit die klaren, festen Bekenntnisse unserer Kirche lieb und werth geworden. Zum Ersten für meine eigene Seele. Ich mußte da gleich zu Anfang dieser Zeit erleben, daß mehrere meiner nächsten Freunde am Glauben Schiffbruch litten, eben weil sie allein dem eigenen Geist bei Auslegung der Schrift trauen wollten und den treuen Wegweiser unserer kirchlichen Bekennt⸗ nisse von sich wiesen, und ich war nahe daran, in einen gleichen Abgrund zu stürzen. Da schickte mir Gott eine Schaar armer Kinder zu, die ich zu ihrem Heiland weisen sollte. Da ich nun in Verlegenheit war, wie ich dies wohl anfangen sollte, so griff ich zum ersten Mal wieder seit meiner Jugendzeit zum kleinen Katechismus Luthers, dieser eigentlichen Bekenntnißschrift für unser Volk. Der half mir zurecht; er half mir in die Schrift hinein, wies mich in derselben auf das Eine was noth ist, und so gewann ich auch die andern Bekenntnißschriften lieb. Es ist mir nun recht wohl dabei, daß ich als ein Haushalter über Gottes Geheimnisse bei Austheilung von Wort und Sacrament nicht auf meine Einsicht allein angewiesen bin, daß ich mich nicht wägen und wiegen lassen muß von allerlei Wind der Lehre und von Täuschereien neuerungssüchtiger Menschen, sondern daß ich über die Grundwahrheiten des christlichen Glaubens das übereinstimmende Zeugniß einer solchen Wolke treuer Zeugen auf meiner Seite habe, die unter Anrufung des heiligen Geistes das Eine, was noth ist, in der Schrift gesucht haben. Dabei kann man gewiß und fröhlich seinen Gang gehen, nicht weil man sich auf Menschen verläßt, sondern weil man eine begrün⸗ dete Gewißheit hat, daß man mit beiden Füßen fest in Gottes Wort steht. Aber auch für