# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 06 21_S188 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) er auch noch alle ihm gegen ſeinen Willen zu⸗ gekommenen Einnahmen und Beſoldungserhö⸗ hungen. Seid Thäter des Wortes, und nicht Hörer allein, damit Ihr Euch ſelbſt betrüget. Jac. 1, 22.) Zu Eimbeck im Hannöverſchen las an einem Sonntage ein Hausvater in der Bibel, und da er an die Worte des Heilandes kam: „Wer ein ſolches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf“ — (Luc. 9, 48.), ſiehe, da ſtand auch ein armer achtjähriger Knabe, der weder Vater noch Mutter mehr hatte, und ſein Brod vor fremden Thüren ſuchen mußte, gerade in derſelben Minute vor ſeiner Thüre, und bat um ein Almoſen. Der Mann hielt ſogleich inne mit Leſen, ſah ſeine Frau an und rief ihr zu: „Frau, hörſt Du!“ — Damit wollte er ſagen: Laß uns nicht nur Got⸗ tes Wort hören oder leſen, ſondern auch darnach thun! — Die Frau verſtand ihn ſogleich und gab zur Antwort: „Ja, lieber Mann, ich bin völlig Deiner Meinung; wir wollen thun, was geſchrieben ſteht.“ — Alsbald riefen ſie den Kna⸗ ben in's Haus herein, nahmen ihn mit Freuden auf, hielten ihn wie ihr eignes Kind, und führ— ten ihn zu allem Guten an. (Eingeſandt.) Durch den ſogenannten Lutheriſchen Kirchen⸗ boten mögen wohl auch manche treue, aufrichtige Glieder unſerer theuren Kirche in Erfahrung ge⸗ bracht haben, daß dem unterzeichneten Paſtor der Erſten Deutſchen Evang.⸗Lutheriſchen Kirche in Chicago vor reichlich zwei Monaten das Gottes⸗ haus zugeſchloſſen worden iſt. Einestheils um dieſe aus der Beſorgniß zu reißen, daß dieſer von Tag zu Tag wichtiger werdende Poſten für die Lutheriſche Kirche verloren gegangen, inſonderheit aber auch, um die Aufmerkſamkeit im Allgemeinen auf die dortige Gemeinde zu wenden und, ſo Gott will, das chriſtliche Mitgefühl für ſie zu wecken, ſoll hier die Sachlage kürzlich berichtet werden. Sobald ſich eine bedeutendere Anzahl ſogenann⸗ ter proteſtantiſcher Deutſchen in Chicago nieder— gelaſſen, gab ſich mehrfach der Wunſch kund, regel⸗ mäßige gottesdienſtliche Verſammlungen zu halten, und bald fand ſich ein Mann, der ſich ihnen zum Prediger anbot, und von ihnen „gemiethei“ wurde. Nach wenigen Monaten ſtellte es ſich jedoch her⸗ aus, daß er ſchon ſeines ärgerlichen Wandels we⸗ gen (ganz abgeſehen von der Lehre, die wohl gar nicht in Betracht gezogen wurde) nicht geeignet war, eine Gemeinde aufzubauen, und er wurde deshalb alsbald entlaſſen. Ebenſo ging es mit einigen anderen. Mittlerweile faßte die metho— diſtiſche Secte der Albrechtsleute Fuß in der Stadt, und zog unter manchen andern auch wohl den groͤßten Theil der für Gottes Wort noch am mei⸗ ſten empfänglichen Seelen an ſich. Eine nicht unbedeutende Anzahl der noch übrigbleibenden Deutſchen, die einen Kirchenbau für eine „Luthe⸗ riſche und Reformirte“ Gemeinde begonnen haiten, wandte ſich im Herbſt A. D. 1845 durch eine Committee an den Schreiber dieſes, damals im nordöſtlichen Ohio angeſtellt, das Predigtamt in ihrer Mitte zu übernehmen, nachdem ſie ſeit 22 Jahren ganz verlaſſen geweſen. Viele Er— munterungen Seitens treuer Amtsbrüder und vor allem dir deutlichſten Fingerzeige Gottes veran⸗ laßten ihn, im Frühjahr 1846 nach Chicago zu ziehen und, nachdem er über die Unterſcheidungs⸗ lehren unſerer theuren Kirche gepredigt und eine von der Committee verlangte lutheriſche Gemeinde⸗ ordnung angenommen war, einem förmlichen Be— rufe der Gemeinde Folge zu leiſten. Einer ſehr großen Unredlichkeit der Committee bei den ein⸗ 18⁴ leitenden Schritten ſoll hier nicht weiter Erwäh⸗ nung geſchehen. Obwohl nun von außen die Gemeinde gar bald bekämpft wurde, ſo ſchien doch unter den Gliedern anfänglich alles in rechter Ordnung und zur Freude Aller herzugehen. Allein auch hier konnte es ja nicht ausbleiben, daß durch das Wort Gottes die Gedanken endlich offenbar wurden. Die Kirche wurde nach vollendetem Bau zwar auf einſtimmiges Verlangen als eine Luthe⸗ riſche eingeweiht: indeſſen bald waren die gerech⸗ teſten Befürchtungen erregt, daß die Mehrzahl nur den Namen begehre, die Lehre derſelben aber ihr höchlich zuwider ſei. Zuerſt wurden nur die Ceremonien angefochten, und hierin von Seiten des Paſtors und der Minderheit auch allezeit nachgegeben, bis endlich der ſchändlichſte Un⸗ glaube inſonderheit von den Wortführern im Kirchenrath (2) ſich offen ausſprach, ſo daß man ſich über die Predigt von Glauben an den HErrn Chriſtum beſchwerte, ja ſogar die göttliche Vor— ſehung leugnete. Da mußte natürlich, ſollte anders die Ehre Gottes und der wahre Friede nicht ſchändlich mit Füßen getreten werden, alle Nachgiebigkeit aufhören. Jetzt wollte man Hand an den unabänderlich feſtgeſtellten vierten Artikel der Conſtitution legen, in welchem das Bekenntniß der Gemeinde enthalten iſt. Und ſiehe! der Vater der Lügen verließ ſeine Kinder nicht, ſondern lehrte ſie die Liſt, daß ja Artikel 8, worin die Beſtimmung enthalten, daß Artikel 4 unabänderlich feſtgeſtellt, verändert werden könne, und wie man des halb nur erſteren zu beſeitigen brauche, um dann auch mit letzterem frei ſchalten und walten zu können! Am Sonntag Judica dieſes Jahres endlich kam's zur Entſcheidung, und von den etwa fünizig Gegen⸗ wärtigen blieben nur vier dem reinen Bekenntniß treu!! Dieſe aber erfuhren den gnädigen Beiſtand des treuen HErrn in ſolchem Maaße, daß ſie, aller Schwierigkeiten und des bitterſten Spottes nicht achtend, beſchloſſen, die Gemeinde foribeſtehen zu laſſen, auch wenn die Zahl der Glieder ſich nicht vermehren ſollte. Natürlich gab der Paſtor mit großer Freude, daß ſeine Arbeit in dem HErrn nicht vergeblich gewe⸗ ſen, ſeine Zuſtimmung kund, auch ferner ihnen das Wort des Lebens zu verkünden, dem reichen Vater im Himmel es überlaſſend, woher die Mu⸗ tel zur Erhaltung ſeiner nicht kleinen Familie kommen ſollten. Und Gott ſei Lob und Dank, daß Er abermals bewieſen, wie Er die Elenden und Betrübten anſiehet und aufhilft denen, die Ihn fürchten und auf Seine Güte hoffen!! Schon am nächſten Tage zeigte ſich dies an den lieben Confirmanden, ſechszehn an der Zahl, die am nächſten Sonntage eingeſegnet werden ſollten, und denen jetzt in Ausſicht and, an dieſem für ſie ſo wichtigen Tage unter Spott und Hohn an verſchloſſene Thüren zu kommen, da wohl zu er⸗ warten ſiand, daß die Abgefallenen von dem Kir⸗ chenſchlüſſel Beſiz genommen. Zwar waren die Kinder tief ergriffen, da die entmuthigende Sach⸗ lage ihnen mitgetheilt wurde, aber inmitten der Thränen gaben ſie die einmüthige Erklärung, bei der Lutheriſchen Kirche bleiben zu wollen, was auch kommen möge, und ein liebes Mädchen ſprach ſich im Sinne der andern dahin aus, „Gott ſei ja überall bei Seinen Gläubigen und bekenne ſich zu Seinem Worte, darum ſeien ſie bereit, in irgend einem Winkel confirmirt zu werden“. Wider alles Erwarten ſtieg die Zahl der theils bleibenden, theils zur Aufnahme ſich meldenden Lutheraner ſchon am nächſten Freitag auf zwei und zwanzig und in etwa zwei Wochen auf reichlich fünfzig! Gott half auch, daß der vorläufige Gebrauch des Courthauſes zu gottesdienſtlichen Verſammlungen uns eingeräumt wurde, und ſo die theuren Läm⸗ mer Chriſti vor etwa 250 Anweſenden ihr freies und freudiges Bekenntniß ablegen konnten. Man⸗ chen geiſtigen Segen hat die liebe Gemeinde ſeit⸗ dem erfahren, und recht lieblich geht es in derſel⸗ ben nach Gottes Ordnung zu; doch fehlt es. auch abgeſehen von dem Wüthen der Feinde, in den äußern Verhältniſſen auch nicht an großen Schwie⸗ rigkeiten. Obwohl vornehmlich mit Bezug auf geiſtig Arme, gilt es doch auch von den leiblich Armen, daß ihnen das Evangelium gepredigt wird. Die Wohlhabenderen ſind faſt ſämmtlich abgewichen, und mit wenig Ausnahmen die Glie⸗ der der Gemeinde ſehr, ſehr arm. Schon wird ihr ſchwer, den Paſtor zur größten Nothdurft zu verſorgen; ein nur einigermaßen geeigneter Bauplatz iſt zur Zeit nicht unter 8600 00 zu be⸗ kommen, die jedoch die Gemeinde mit Gottes Hülfe auch noch aus eignen Mitteln zu erſchwin⸗ gen hofft: aber zum Bau der Kirche ſelbſt vermag ſie ſchwerlich irgend etwas beizutragen. Zu ver⸗ ſchiexenen Malen ſind der anderen Parthei Vor⸗ ſchläge zu gütlicher Ausgleichung gemacht worden, die ſie ſelbſt als billig bezeichneten, aber zugleich durchaus abwieſen mit der Bemerkung, es gelte hier das Recht!! Nun ſind wir theils zu arm, um einen vorausſichtlich langen Prozeß des⸗ halb führen zu können, und vornehmlich fürchten wir uns, ſelbſt im Falle des Gewinnes durch denſelben im Geiſtlichen ſo viel größeren Nachtheil zu erfahren. Wir zweifeln nicht, der HErr werde ſich unſerer auch in dieſer Noth erbarmen, halten uns aber zugleich verpflichtet, zu thun, was unſeres Theils iſt, und dieſe öffentliche Darlegung der Sache ergehen zu laſſen, ob etwa der treue Gott Hirten und Heerden unſerer Kirche bewegen wolle, ein, wenn auch noch ſo kleines Schärflein zur Ab— hülfe des Nothſtandes beizutragen. Beſondere Ueberredung hierzu bedarf es wohl nicht, da der Chriſt von der Liebe ſeines Heilandes gedrungen wird, und aus Erfahrung es weiß, wie Geben ſeliger iſt, denn Nehmen! Beiträge wolle man gütigſt an den Unterzeichneten einſenden, der jederzeit im Lutheraner dafür quittiren wird. A. Selle, Lutheriſcher Paſtor. Chicago, Ill. —: Erhalten a) für das Seminar zu Altenburg: $2.50 von der lutheriſchen Gemeinde zu Baltimore. 51.00 von Hrn. Traug. Meyer in Milwaukee. b) für die Miſſion am Fluſſe Cass in Mich.: $33.05 von der lutheriſchen Gemeinde in Baltimore (darunter 56.00 von den Kindern der Sonntageſchule), durch Hrn. P. Wyneken. $10.25 von der lutheriſchen Ge⸗ meinde des Hrn. P. Brauer zu Addiſon, Ill. $2.00 von der lutheriſchen Gemeinde des Hrn. P. Schürmann zu Huntersville. à1.00 von Orn. P. Keyl in Milwauket. 53.00 von der Gemeinde des Hrn. P. Trautmann in Danbury, Onawa Co., Ohio. $4.50 durch Hrn. I. Theod. Hengiſt, Weſtgreenville, Mercer Co., Pa. o) zur Synodal-Miſſions⸗Caſſe: $19.02 von der Gemeinde zu Baltimore. 52.00 zur Indianer-Miſſion von derſelben Gemeinde. 51.00 von Hrn. Aug. Schnarr in St. Louis für die deutſche Miſſion. 51.00 von Hin. P. Keyl. 75 Cts. von Hrn. Wilh. Pop⸗ pitz in Seelit. Bezahlt. Den 3. Jahrg. Hr. P. Biewend. perausgeber des Anzeiger des Weſtens. Den 4. Jahrg. Die HH. Brakmann, H. Bruns, Bie⸗ raſch, Bruß, P. Biewend, Dedecke, Dorner, Evere, §. Frerking, Fine, W. Irerking, Abr. Joachim, Frau Jäger, P. Keyl (2 Ex.), H. Kauffuag, Lück, P. Löber (4 Cr.) Meyer, Rappräger, Retzlaff, B. Welcker, Wuſtum, Züuͤhls⸗ dorf. Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Die HH. P. Schieferdecker, H. Stünkel, L. Stünkel. Den 5. Jahrg. Die HH. P. Biewend, P. Franke, Paar, Rothe (bis No. 19.) Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Die HH. P. Hengiſt —der 4. Jahrg. findet ſich No. 20. quittirt —, H. und L. Stünkel. Gedruckt bei Arthur Olshauſen,