# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1864_S221 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 221 Natur ihrem Schöpfer immerhin treu ist.“ Nach diesem von 208 gegen 8 Stimmen angenommenen Berichte, sind „alle Personen, welche das Verhält⸗ niß von Meister einnehmen, aus der Kirche auszuschließen.“ Wenn das Meister⸗Verhältniß eine öffentliche Sünde ist, um deretwillen der Ausschluß aus der Kir⸗ che vollzogen werden muß, warum hat die Methodisten-Kirche diese Wahrheit nicht schon frü- her bekannt und geltend gemacht? Ist die Wahrheit und Religion eine Wetterfahne, die sich dreht je nachdem der Wind geht?! B. Die General-Synode hat in ihren Sitzungen auch wieder americanisch-luthe⸗ rische, tapfer-patriotische, ergebenst⸗loyale, papierne Beschlüsse ausgehen lassen. Einer der⸗ selben lautet folgendermaßen: „Beschlossen, daß, da starke Versuche unter uns gemacht werden von solchen Schreibern, die dem Bekenntniß nach Christen sind, aus der heil. Schrift die göttliche Einsetzung der americanischen Sclaverei — die Hauptursache dieser gottlosen Rebellion — zu beweisen; so sprechen wir, die Delegaten der General-Synode der evang⸗ luth. Kirche der Vereinigten Staaten, hiermit unser unbedingtes Verdammungsurtheil über eine solche Richtung aus, welche die Sanction des barmherzigen Gottes und Vaters unser Aller für ein System menschlicher Unterdrückung beansprucht, welches nur besteht durch Ge⸗ waltthätigkeit und unter dem Deckmantel schändlicher Gesetze.“ — Es gab eine Zeit, da wäre es ein Zeichen von Muth, Patriotismus und wahrer Bruderliebe gewesen, wenn in den Sitzungen der General⸗Synode solche Beschlüsse offerirt wären, nämlich vor dem Bür⸗ gerkriege, als die südlichen Lutheraner noch Glieder der General-Synode waren. Damals hätten die Glieder der General-Synode ihre südlichen Brüder belehren, berichtigen, gewin⸗ nen können für die Wahrheit, und von den Banden dieser „entsetzlichsten aller Sünden,“ „diesem Gräuel aller Gräuel“ befreien, und die Seelen der Brüder retten können. Aber die General-Synodalliebe ging so weit nicht. Ob die General-Synodalisten etwa meinen, daß jetzt ihre strafende Liebe tiefen Eindruck auf die Herzen der secessionirten „Brüder“ machen werde? — Damals wäre der glühende Patriotismus am Platze gewesen, hätte dem unglückli⸗ chen Lande vielleicht den Krieg überhoben, wenn die „große, mächtige, einflußreiche“ General Synod of the evang. luth. church of the United States die Kirche des Südens auf ihre Meinung gebracht hätte, und sie so die „principal cause of this wicked rebellion“ hätte hinweg thun helfen. Aber der general⸗synodale Patriotismus ging so weit nicht, der Patriotismus hätte ja die General-Synode spalten können, so viel war der Patriotismus damals nicht werth. Nun aber die Synode gespalten ist, die Gelegenheit, dem Staate durch Einwirkung auf die südlichen Prediger zu helfen, versäumt ist, nun kommt der Patriotis- mus und blähet sich auf. — Damals wäre es Muth gewesen, seine „unqualified condem- nation“ auszusprechen, hätte auch vielleicht Eindruck auf die Südlichen gemacht und hätte so von Nutzen sein können. Aber damals war die Tapferkeit mäuschenstill, die Courage hatte sich vorsichtig nach innen gezogen und machte höchstens eine Faust in der Tasche. Jetzt, da ein solcher Beschluß allgemeinen Beifall erndtet, da nichts zu riskiren ist, ja da man sogar den „provost marshal“ schützend hinter sich hat, nun wird auch in Patriotis- mus und stupender Courage gemacht. — B. Union. Ein Correspondent der „Didaskalia“ (Blätter für „Geist, Gemüth und Publicität“!!) erzählt aus Worms unter dem 21. März 1864 Folgendes: „Heute wurden die irdischen Ueberreste des 79jährigen Rabbi Bamberger zu Grabe geleitet. Der Leichen⸗ zug bestand aus 1500 Personen, gebildet aus den Gliedern aller Confessionen. Das hiesige Officiercorps war sehr zahlreich vertreten; auch die evangelischen und katholischen Herrn Geistlichen fehlten nicht. — Vorgestern fand die Beerdigung des evangelischen Decans Wagner statt. Sein Leichenconduct war ebenfalls sehr zahlreich. Hinter dem Leichen⸗ wagen sah man vereint mit den evangelischen Pfarrern auch die sämmtlichen katholischen Geistlichen, sowie die israelitischen Prediger. — In voriger Woche wurde Stadtrath Baas beerdigt. Nachdem ein evangelischer Pfarrer eine Grabrede gehalten, sprach auch noch ein Jude, Herr Wolfskehl, in schöner und ergreifender Weise.“ Was gibt es doch jetzt für „Christen“ in der Welt, die sich sogar von Christus⸗hassenden Juden „in schöner und ergrei⸗ fender Weise“ Leichenreden halten lassen. B.