# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1864_S219 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich - Zeitgeschichtliches. 219 aus der preußischen Union mit schweren Opfern von sich gestoßen hat? Verurtheilt sie nicht ihre Separation, wenn sie zwiespältige Lehre duldet, die sie zuvor in der Lan⸗ deskirche gerichtet hat? Anders stände die Sache, wenn es sich bloß um Theologu⸗ mena, das heißt, um theologische Meinungen handelte. Vielleicht wird es mancher so ansehen; aber die Hauptstimmführer in der Freikirche sind nicht der Ansicht, werden auch nicht davon zu überzeugen sein. Welchen Werth Huschke auf seine Lehre legt, kann man bei ihm selbst nachsehen. „Sein oder Nichtsein, das ist die Frage“; und so sieht man den Handel an. Gott weiß, wie da zu helfen ist! Vor der Hand kann man aber auch noch einige andere Betrachtungen anstellen. Kein Kirchenkörper hat die Verheißung, daß er von schweren Krankheiten verschont werden soll, wenn er auch in dem gesundesten Zustande zur Welt kommt. Das darf sich die Freikirche nicht anfechten lassen, daß es ihr nach dem Austritt aus der Union so geht; und daher darf sie keinen Grund nehmen, sogleich mit Messern an die kran⸗ ken Glieder zu gehen und sie abzuschneiden. Es ist doch auch ein göttliches Verhäng⸗ niß, das über sie gekommen ist, ihr zur Prüfung, Uebung und Demüthigung. Das will in Geduld getragen sein, mit der Bitte zu Gott, die rechte Heilung zu verschaf⸗ fen. Zwar sagt man: Die Heilung besteht darin, daß falsche Lehrer excommunicirt werden. Gut! aber kann man nur immer gleich mit der Excommunication, das ist, mit Brennen und Reißen darein fahren? Hat man keine Rücksicht auf die ganze Kirche zu nehmen? Hat man nicht unter Umständen zu warten, wenn noch eine geringe Aussicht auf bessere Zustände ist, und darf man die Excommunication dem leitenden Arm des Evangeliums entreißen? Würde die Generalsynode die falsche Lehre zur geltenden in der Kirche erheben, so ständen allerdings die Sachen sehr bedenklich, und ich könnte es begreifen, daß man ihr den Scheidebrief gäbe. Für so blind halt' ich sie aber nicht; es müßte ihr schon die allergewöhnlichste Klugheit abhanden gekommen sein, und Gott müßte ihr eingeben, sich selber den Hals zu brechen. Außerdem glaub' ich gar nicht, daß diese freie Regimentskirche für die Zukunft große Aussichten hat. Der geschichtliche Hauptstrom geht offenkundig ganz wo anders hin, und diese Regimentskirche scheint mir nur eine von den kleineren Rückströmungen zu sein, welche die Hauptströme zu begleiten pflegen. Es ist ja offenbar, an welchen Einseitigkeiten die Hauptströmung leidet, man muß sich daher die Rückströmung schon gefallen lassen und nur zusehen, daß man das Schiff zwischen beiden wohlbehal⸗ ten durchbringt. Aber ohne große Noth die Kirche zerreißen, das ist ein ganz verzweifelten Mittel, zu dem man nur gezwungen greifen sollte. Denn auch im günstigsten Falle, wenn es nicht anders hat gehen wollen, bleiben die schweren Nach⸗ wehen nicht aus. Aber ein unbegründeter Riß gehört nach Gal. 5 zu den Werken des Fleisches und trägt seinen Fluch in sich selber. (Neues Zeitblatt.) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. Mennoniten. Um einer von dieser Secte zu errichtenden Bildungsanstalt aufzuhel⸗ fen, machte vor kurzem ein Mennonit in deren Organ, dem „Christlichen Volksblatt“, welches in Milford Square, Pa., herauskommt, den Vorschlag, daß man zwar die Glau⸗ benslehre von Cornelius Ris zur Grundlage der Anstalt machen, aber die Artikel, welche den Kriegsdienst und das Begleiten obrigkeitlicher Aemter verwerfen, für nicht verbindlich erklä⸗ ren solle. Hierauf machte ein Mennonit in demselben Blatte vom 18. Mai die Bemer⸗ kung: „Erstlich wüßte ich nicht, wozu dieser Anstalt der Name gegeben werden sollte: „„Mennonitische Lehr-Anstalt,““ wenn doch einer der wichtigsten mennonitischen Grund⸗ sätze also sollte ignorirt werden. Zweitens sehe ich keine Nothwendigkeit, eine solche ins Leben zu rufen, und ich würde lieber dazu rathen, uns mit den Baptisten zu vereinigen und ihre Anstalten gemeinschaftlich zu gebrauchen. Der Unterschied der Taufe zwischen uns und ihnen möchte leichter eine Modification aushalten, ohne der Schrift zu nahe zu treten, als in der Wehrlosigkeitsfrage. Auch wird er mir zugeben müssen, wenn das menschliche Geschlecht nicht gefallen, sondern das Ebenbild seines Schöpfers beibehalten hätte, so wäre