# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1864_S215 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Christlicher Katechismus; ein Leitfaden zum Religionsunterricht. 215 sagt der neue Katechismus: „Unsre Kindschaft hängt ab von der ewigen Sohnschaft Christi.“ So wahr dies in dem Sinne ist, daß wir durch Christum nicht Gottes Kinder hätten werden können, wäre er nicht des lebendigen Gottes Sohn, also wahrer Gott gewesen, so sind wir doch Gottes Kinder eigentlich nicht darum, weil Christus vom Vater in Ewigkeit geboren ist, sondern weil er Mensch geworden ist. — Ferner, woher weiß doch der Autor, daß die Apostel erst nach der Ausgießung des heil. Geistes die volle Bedeutung der Vorrede des V. U. verstanden? Warum nicht schon nach der Auferstehung, als der Herr ihnen die Schrift öffnete? — Endlich erblickt unser Katechismus in dem „Vater“ den Glauben, in dem „unser“ die Liebe, und in den Worten: „der du bist im Himmel“ die Hoffnung, als die drei christlichen Grundtugenden. Der Glaube, von dem es pag. 46. Fr. 9. heißt, er sei kein Verdienst, wird hier doch zu einer Tugend, einem Werk gemacht. — Was nun die Erklärung der einzelnen Bitten betrifft, so läßt sich die Auslegung der zweiten mit der Bibel nicht reimen. Es lautet nemlich die Erklärung also: „Regiere uns immer mehr durch dein Wort, und deinen Geist, und verbreite dein Evangelium über die ganze Welt, bis alle Völker sich zu dir bekehren, und dir allein dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit.“ Als Beweis für diese Lehre der allgemeinen Bekehrung werden die Stellen angeführt: Offenb. 11, 15., Dan. 2, 44., 7, 14., 18, 27., Luc. 1, 33., 1 Cor. 15, 25—28., die aber alle von der Erhöhung Christi handeln, in welcher er als König aller Könige, auch über die Gottlosen herrschen wird. Zu dieser Lehre paßt denn freilich die weiter unten folgende Erläuterung, daß das Heidenthum wild gewachsen sei auf dem Boden der gefallenen, aber doch nach dem unbekannten Gott suchenden Menschennatur. So lehrt zwar Pelagius, aber nicht die Schrift. „Das Judenthum vor Christo,“ sagt der Herr Doctor weiter, „ist die Vorbereitung des Christenthums, oder die wahre Religion im Werden.“ Alle frommen Männer vor Christo hatten also noch nicht die rechte vollständige Religion, noch nicht das vollständige Evangelium, waren noch nicht Christen. Das ist Weisheit unsrer Zeit. Um das Zahlengedächtniß seiner Schüler zu üben, folgt auch noch eine Statistik der Tausende von Christen, Juden, Muhammedanern und Heiden, und während der neue Katechismus solche ungehörige Sachen enthält, läßt er so manche herrliche Punkte weg, wie z. B. in der Erklärung der vierten Bitte, die in eine einzige Antwort zusammengedrängt ist. Zum Schluß noch ein Beleg für die Combinationsgabe unsres gelehrten Katechismusschreibers. Er findet nemlich im V. U. eine Anspielung auf die Dreieinigkeit. Dreieinig ist nach der christlichen Lehre nur Gott; bei Dr. Schaff giebt es noch mehr. Er sagt: „Dreieinig ist die Eintheilung in Anrede — Bitten — Danksagung; dreieinig die Anrede: unser — Vater — im Himmel; dreieinig die beiden Klassen der Bitten (nach der reformirten Sechstheilung); dreieinig die Danksagung: Reich — Kraft — Herrlichkeit.“ Und das soll zu einem — Leitfaden zum Religionsunterricht, wie uns der Titel des Buches belehrt, gehören! (Schluß folgt.)