# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1864_S214 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 214 Christlicher Katechismus; ein Leitfaden zum Religionsunterricht. Noch dunkler ist das folgende: „Die übrigen drei Bitten handeln von der Armuth und den Bedürfnissen des Menschen, von denen wir uns im Gebete zu Gott erheben.“ Ist das nicht auch Reichthum Gottes, wenn wir bekennen, daß er seine Creaturen speist. (Der neue Katechismus nemlich hat dadurch, daß er, auf Grund des Wörtchens „sondern“ die sechste und siebente Bitte als Eine betrachtet, nur sechs Bitten.) Den Höhepunct von Gelehrsamkeit und Dunkelheit erreicht aber der Herr Doctor in seiner Erklärung zu diesem Abschnitt: „Wenn man das ganze Wörterbuch der Erbauung erschöpft hat, so kehrt man gerne immer wieder zu diesem Gebete zurück.“ Denke man sich einen Schulmeister, welcher dies liest! Wie wird er seiner Schuljugend eine Beschreibung von diesem Wörterbuch geben? Daß ein noch so geförderter Schüler hier keinen Sinn findet, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Auf wo möglich noch höherem Cothurn geht der Verfasser in folgender Erklärung einher: „Man wird seiner“ (des Vater-Unsers) „nie müde.“ Es ist ja freilich wahr, daß man seiner nicht müde werden sollte, aber wer kann sagen, daß er seiner nie müde werde? Der heilige Apostel Paulus wenigstens konnte das noch nicht von den Christen seiner Zeit rühmen; denn er schreibt Röm. 12, 12.: „Haltet an am Gebet.“ Und ist etwa diese Ermahnung für unsre Tage überflüssig geworden? Nachdem nun der Autor aus den Worten der Vorrede „der du bist im Himmel“ nachgewiesen hat, daß wir unser Herz zum Himmel erheben sollen, fragt er: „Ist denn Gott nicht auch auf Erden? Antwort: Gott ist allgegenwärtig, der Himmel ist sein Thron, und die Erde seiner Füße Schemel.“ Dieser Frage und Antwort fehlt offenbar die Erklärung, weshalb wir doch unser Herz beim Gebet gen Himmel erheben sollen. Denn ohne dieselbe schließt der Schüler entweder, er hat nicht nöthig, sein Herz zum Himmel zu erheben (denn Gott ist ja überall), oder wenn er es nöthig hat, so hört Gott das Gebet auf Erden nicht. Weil Dr. Schaff betet: „Unser Vater, der du“ ꝛc., so findet er es für nöthig, das bei Lutheranern gebräuchliche „Vater unser“ als eine von der römischen Kirche herstammende Sitte darzustellen, und setzt gleichsam entschuldigend hinzu: „Die Macht der Sitte in Sachen der Religion ist sehr groß, und man muß fromme Gewohnheiten und Vorurtheile mit zarter Schonung behandeln.“ Wollte der Herr Doctor wirklich diese Formel mit zarter Schonung behandeln, warum behielt er sie dann nicht bei? Daß aber hier ein Vorurtheil wirksam sei, kann er gar nicht beweisen. Gesetzt jedoch, es wäre ein solches, will er dasselbe auch schonen, oder nicht vielmehr uns darüber belehren? Denn ein Vorurtheil, zumal einer ganzen Kirchengemeinschaft, dürfte doch sicher nicht geschont werden. Er belehrt uns zwar, daß im Englischen ohne Unterschied der Confession our father gebetet werde, allein vor zwei Jahrhunderten betete man auch, und ohne Zweifel nicht ohne Grund, father our. Die Belehrung Dr. Schaffs soll vielleicht zu verstehen geben, daß die Lutheraner durch Annahme des „Unser Vater“ den Weg zur Union mit den Reformirten anbahnen sollten. Gewiß, wenn sonst nichts der Einigung im Weg stände, als dies Eine, so wäre das Festhalten an dem „Vater Unser“ ein starkes und höchst thörichtes Vorurtheil. — In der nächsten Anmerkung