# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1864_S213 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Christlicher Katechismus; ein Leitfaden zum Religionsunterricht. 213 und eine starke Beweiskraft haben sollen, sind: Ebr. 1, 12., 2 Pet. 1, 21., 2 Thess. 2, 13., 2 Tim. 3, 16. Bei Erwähnung der Apokryphen drückt der Verfasser den Wunsch aus, es sollten dieselben entweder von der Bibel ausgeschlossen, oder in kleinerem Druck beigefügt werden. Ist keins von beiden nöthig. Wer den Titel liest, wird alles wissen, was er davon zu halten hat. Sie sind „gut und nützlich zu lesen;“ warum also weglassen? sind aber „der heil. Schrift nicht gleichzustellen;“ dieses Urtheil entspricht dem Zweck des vorgeschlagenen kleineren Druckes, der ohnehin für schwache Augen nichts taugte, ohne Zweifel besser. Schließlich trägt der Herr Doctor den Inhalt der Neutestamentlichen Bücher in Form eines Vergleiches vor. Er schreibt: „Die Geschichtsbücher bilden das Fundament, die Lehrbücher die Mauern, die Offenbarung die Kuppel im Tempel des N. T. Die drei Klassen der Bücher verhalten sich zu einander, wie Bekehrung, Heiligung und Vollendung, oder auch wie Glaube, Liebe, Hoffnung.“ Alle Ehre dem Geistesreichthum des Schreibers, aber doch ist nicht abzusehen, welch praktischer Nutzen für Kinder daraus zu nehmen wäre. Bekannt ist ja, omne simile claudicat, jedes Gleichniß hinkt, so auch hier. Nicht allein in den Episteln, sondern auch in den Reden Christi findet sich ein unerschöpflicher Vorrath für die „Hoffnung“ (um bei dem gewählten Ausdruck zu bleiben). Nach der bereits angeführten Ordnung handelt der erste Theil vom Gebet des Herrn. Wenn gleich nun das Büchlein die christliche Lehre „kurz und bündig“ darstellen soll, so sei es doch erlaubt zu bemerken, daß dies nicht immer der Fall ist. Wenn der Katechismus z. B. auf die Frage: „Warum sollen wir beten?“ antwortet: „Weil wir arme hülfsbedürftige Geschöpfe sind, und alle Gaben des Leibes und der Seele von der Güte Gottes empfangen“ — so ist das zwar kurz, ist es aber bündig? Wir meinen nicht. Denn hier sind gerade die zwei Hauptbeweggründe des Gebetes weggelassen. Man vergleiche daher dagegen die Antwort auf dieselbe Frage bei Dietrich: „Nicht allein wegen unsrer eignen Noth und Dürftigkeit, sondern auch wegen des göttlichen Befehls und Verheißung.“ Ebenso läßt der Katechismus bei Beantwortung der Frage, für wen man bitten solle, die Glaubensgenossen aus, an denen allermeist Gutes zu thun der Apostel so nachdrücklich vermahnt (Gal. 6, 10.) „Selbst für unsre Feinde“ sollen wir bitten, ist mißverständlich. Soll damit gesagt sein, daß es eigentlich gegen alle Erwartung sei? Der hier beigesetzte Singspruch giebt Gelegenheit zu sehen, welch hohe Fassungskraft und Phantasie der Herr Doctor von unsern Schulkindern verlangt: „Gebet ist aller Sprachen nächste, die schon auf Kindeslippen bebt; Gebet der Melodien höchste, die uns zu Gottes Thron erhebt. Gebet ist Lebensluft dem Herzen, sein Labetrank und Freudenmahl, sein letzter Trost in Todesschmerzen, sein Lobgesang im Himmelssaal.“ „Die drei ersten Bitten,“ sagt der Verfasser, „handeln von dem Reichthum und der Ehre Gottes, die wir auf die Erde herabflehen.“ Wie sollen Kinder dies leicht fassen können? So einfältig die Hauptstücke christlicher Lehre in der Bibel geschrieben sind, so einfältig sollte billig auch ein Kinderkatechismus sein. Oder bedürfen nicht auch Confirmanden noch des einfachen und leicht verständlichen Unterrichts?