# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1864_S212 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 212 Christlicher Katechismus; ein Leitfaden zum Religionsunterricht. seid gehorsam euren leiblichen Herren, nicht mit Augendienst als Menschengefällige, sondern mit Einfältigkeit des Herzens als Gottesfürchtige.“ Ebenso Kap. 4, 1.: „Ihr Herren, erweiset den Knechten, was recht und billig ist, bedenkend“ ꝛc. Das griechische οἶδα heißt übrigens nicht sowohl bedenken, als vielmehr wissen, so daß hier Luther wohl auch einmal wörtlich übersetzt hatte. Proverb. 22, 1. soll Luther das Wort Gerücht mißverständlich für „guter Ruf“ übersetzt haben. Die neue Uebersetzung hat daher: „Ein (guter) Name ist köstlicher“ ꝛc. Wer aber Luthers Schreibweise kennt, wird das um so weniger mißverstehen, wenn er, wie jeder fleißige Bibelleser, auch die Parallele Pred. 7, 1. dazunimmt. Dies wären einige Beispiele der neuen Bibelübersetzung. Es wäre freilich zu beklagen, wenn unsre deutsche Bibel hiernach so viele Fehler hätte; indeß gereicht es zum Trost, daß durch Luthers Uebersetzung, weder auf der einen Seite der Sinn der Schrift durch zu freies Uebersetzen verdreht ist, und darum zu falschen Lehrconsequenzen gerechte Ursache gegeben hat, noch auf der andern Seite unsre deutsche Sprache durch zu wörtliches Uebersetzen verderbt ist, im Gegentheil eine solche Schönheit und Einfachheit besitzt, daß sie noch heute nach mehr als 300 Jahren trotz aller Verbesserungsversuche unter den Christen deutscher Zunge allgemein im Gebrauch ist. — Eine weit wichtigere Frage ist aber, was für Hauptstücke christlicher Lehre hat nun Dr. Schaff aus seiner Bibel gezogen? Dies zu erkennen, wird uns der Inhalt seines Katechismus an die Hand geben. Auf die Frage: „Kannst du aus eigner Kraft selig werden?“ antwortet der Katechismus allerdings ganz richtig: „Nein; sondern allein durch die Gnade Gottes in Christo Jesu;“ aber unmittelbar folgt darauf: „Was mußt du thun, um selig zu werden? — An Jesum Christum glauben und ihm nachfolgen.“ Wie? ist also das der Trost, den dieser christliche Katechismus seinen Lesern bringt, daß keiner selig zu werden hoffen dürfe, der nicht das Gesetz halte? Der Beweisspruch, welcher angeführt wird, Luc. 9, 23. zeigt allerdings, was es heiße, Jesu nachfolgen, sagt aber kein Wort davon, daß es eine Bedingung der Seligkeit sei (Röm. 11, 6.) Vom Weg zur Seligkeit nimmt der Katechismus nun Gelegenheit, von der Quelle der Erkenntniß, der heiligen Schrift, zu reden. Nach einer allgemeinen Beschreibung der Bibel läßt der Verfasser ein Zeugniß von dem „weltlichen Dichter“ Göthe“ folgen. (N. B. in einem christlichen Katechismus!) „Je höher die Jahrhunderte an Bildung steigen, desto mehr wird die Bibel zum Theil als Fundament, zum Theil als Werkzeug der Erziehung von wahrhaft weisen Menschen benützt werden.“ Wir sollten meinen, dieses Lob der Bibel aus dem Munde eines Mannes, dem die von ihm gekannte Predigt von dem gekreuzigten Christus eine Thorheit war, ist keineswegs ein Analogon zu den Citaten eines Apostels aus Schriften heidnischer Schriftsteller. Die Beweisstellen für die Göttlichkeit der heiligen Schrift sollen nach Dr. Schaff zwar zunächst auf das A. T. zu beziehen sein, im stärkeren Sinn aber auf das N. T. Hiernach scheint es, als solle also auch dieses in einem stärkeren Sinne Gottes Wort sein, als jenes. Die Stellen, welche hiernach eine schwache