# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1864_S211 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Christlicher Katechismus; ein Leitfaden zum Religioneunterricht. 211 ich für die Wahrheit zeugen soll.“ Cap. 5, 33. wird ebenfalls der dativ gebraucht. Sollte Christus nur für die Wahrheit zeugen, so hätte er nicht sagen können: „Ich bin die Wahrheit.“ Aber eben damit diese Wahrheit des Evangeliums, welches allen Menschen verborgen war, kund würde, sollte Christus als die Wahrheit selber Zeugniß geben durch seine Erscheinung. Sebastian Castellio, jener große Philolog und Uebersetzer, setzt in der ersteren Stelle: veritatem tester, in der andern: verum testatus est. Röm. 3, 28. läßt Dr. Schaff den Apostel Paulus also schreiben: „So urtheilen wir nun, daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt werde“ ꝛc. Welcher Deutsche fühlt nicht, daß Luther viel schöner sagt: „So halten wir nun!“ In Klammern fügt der Verfasser hinzu: „Das allein der lutherischen Uebersetzung steht nicht im Grundtexte, ist aber dem Sinn der Stelle angemessen.“ Danke für Ihre Güte, Herr Doctor! Ist es dem Sinn der Stelle angemessen, warum sollen wir es nicht beibehalten, zumal, da Christen die Bibel lesen, um den Sinn derselben zu merken. Es wird aber dem Autor nicht unbekannt sein, daß Luther selbst sich wegen des schon zu seiner Zeit angegriffenen Wortes sola vertheidigt hat, besser, als ein Anderer es vermöchte. 2 Cor. 7, 1. sagt die neue Uebersetzung: „Und vollenden die Heiligung in der Furcht Gottes.“ Es ist nicht zu leugnen, daß das Wort ἐπιτελεῖν die Bedeutung des Vollendens hat, es liegt aber, laut des Vergleiches mit den meisten Stellen, in denen es gebraucht wird, ein Fortfahren zu Grunde, als ein Vollenden durch immerwährendes Hinzuthun (ἐπί). Das reine Vollenden wird mehr durch die Worte ἀποτελεῖν und συντελεῖν ausgedrückt. Wenn daher die neue Version auch nicht geradezu unrecht hat, so ist doch nicht Grund genug vorhanden, von Luthers ebenfalls nicht falsch übersetztem „Fortfahren“ abzugehen. Als Beleg dafür, daß die neue Uebersetzung auch ohne Noth von Luthers Bibelsprache abgeht, mag die Stelle 2 Pet. 1, 5. ff. dienen: „Erweiset in eurem Glauben die Tugend, und in der Tugend die Erkenntniß, und in der Erkenntniß die Enthaltsamkeit, und in der Enthaltsamkeit die Standhaftigkeit, und in der Standhaftigkeit die Gottseligkeit, und in der Gottseligkeit die Bruderliebe, und in der Bruderliebe die Menschenliebe.“ Wie wir schon gesehen haben, bleibt der Verfasser seinem Vorsatz, wörtlich zu übersetzen, nicht getreu. Während es 1 Joh. 3, 2. heißt: „Daß wir ihm ähnlich (nicht gleich) sein werden,“ so lautet Matth. 22, 39: „Das andre aber ist dem gleich (ὁμοία). Ebenso könnte man zur Uebersetzung der Stelle Jes. 42, 8. ani jehovah: „Ich bin der Herr,“ des Verfassers eigne Randglosse machen: „bin“ steht nicht im Grundtext. Es rühmt sich der Herr Doctor, Jes. 58, 13. wörtlich übersetzt zu haben: „So du den Sabbath eine Wonne heißest.“ Der Unterschied zwischen Beiden ist, daß Luther deutsch, Dr. Schaff hebräisch redet. Daß aber Gen. 2, 3. das Wort asah durch „vollbringen“ übersetzt wird, nemlich: „Das Gott erschaffen und vollbracht hatte,“ hat wenig Grund, es wäre denn der eine, zu zeigen, daß es auch anders, als durch machen ausgedrückt werden könne. Ein besonderes Beispiel einer wohllautenden Uebersetzung ist Col. 3, 22.: „Ihr Knechte,