# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 01 25_S43 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 43 mer derselben), die Anzeige, daß der im Jahre 1840 gegründete „deutsch-evangel. Kirchenverein des Westens“ seine siebente Versammlung im October vorigen Jahres im Gravois Settlement, bei St. Louis, Mo., gehalten habe, und daß dabei 6 ordinirte Prediger und 3 Candidaten gegenwärtig gewesen seien. Als Beamte für das nächste Vereinsjahr werden genannt die Herrn Pastoren: Garlichs in Femme Osage, Mo., Nollau in Gravois Settlement, Mo., und Rieß in Centreville, Illinois. Zugleich werden die aus 16 Paragraphen bestehenden Statuten mitgetheilt, wie sie von dem Vereine 1843 revidirt (einer Musterung unterworfen) und angenommen worden sind. Das Eigenthümliche der Kirche, deren Ausbreitung der Verein zum Zwecke hat, ist in dem sechsten, dem einzigen unveränderlichen Paragraphen der Statuten angegeben; dieser lautet nehmlich, wie folgt: „Die Glieder des Vereins erkennen die h. Schrift Alten und Neuen Testaments für das Wort Gottes und für die alleinige Richtschnur des Glaubens, und bekennen sich dabei zu der Auslegung der h. Schrift, welche in den symbolischen Büchern der evangel.-lutherischen und der evangel.-reformirten Kirche Deutschlands niedergelegt ist, insofern dieselben übereinstimmen. Dieses Bekenntniß legt es klar an den Tag, daß sich die Glieder des Vereins die Aufgabe gestellt haben, der seit 1817 in mehreren Ländern Deutschlands (besonders in Preußen, Nassau, in der Provinz Hanau in Kurhessen, in Rheinbairen, Waldeck und Pyrmont, Baden, Hessen-Darmstadt, Anhalt-Bernburg) von den Behörden durchgesetzten Union oder Vereinigung der Lutheraner und Reformirten in Eine sogenannte evangelische Kirche auch hier Eingang zu verschaffen. Wäre nun diese Union eine solche kirchliche Vereinigung, die sich auf gleichen Glauben und auf gleiche Annahme der Wahrheit gründete, würde sie dadurch bewerkstelligt, daß diejenigen, welche vorher im Irrthum waren, diesen endlich bekenneten, sich davon lossagten und die Wahrheit annähmen, so könnte freilich derjenige kein Christ sein, der jenen Männern nicht von ganzem Herzen den besten Erfolg ihres Vorhabens wünschen und der nicht bereit sein sollte, sich ihnen anzuschließen und für den heiligen Zweck mit tausend Freuden, wo nöthig, Gut und Blut zu opfern. Ja, wehe dann der Hand, die es wagen wollte, gegen ein solches gottseliges Werk die Feder zu ergreifen! denn das hieße Gott seine Ehre und theuererkauften Seelen ihr Heil nicht gönnen. Wir unsers Theils können es in der Wahrheit versichern, daß wir über die Zerrissenheit in der Christenheit tief trauern, daß wir an Streit und Zank kein Gefallen tragen, und täglich zum HErrn flehen, er wolle den täglich mehr entstehenden Spaltungen unter den Christen steuern und alle Getrennte in Wahrheit und Frieden vereinigen. Aus dem angezogenen Paragraphen sehen wir aber, daß der evangelische Verein im hiesigen Westen einen ganz andern Zweck und Charakter hat. Er will nicht eine solche Union zwischen Lutheranern und Reformirten stiften, die darauf beruht, daß sie im Glauben einig geworden sind, sondern daß sie sich für Glieder einer und derselben Kirche ansehen, obgleich sie von den wichtigsten Artikeln der christlichen Lehre ganz verschieden glauben. Einer solchen Union können wir mit gutem Gewissen nimmermehr das Wort reden, wir müssen vielmehr so laut und entschieden, als immer möglich, dagegen protestiren und insonderheit unsere lutherischen Glaubensbrüder auf das ernstlichste davor warnen. Wir sind weit entfernt, die ganze reformirte Kirche um der Irrthümer willen, die wir in ihr festgestellt sehen, zu verdammen, — wir sind vielmehr fest überzeugt, daß auch diese Kirche viele theure Kinder Gottes unter sich hat; wir wollen daher gern neben den Reformirten in Liebe einhergehen; aber mit ihnen in kirchlicher Gemeinschaft zu stehen, so lange sie bei den Irrthümern ihrer Kirche verharren, das ist wider unser Gewissen, weil es wider Gottes Wort ist. Klar ist das Gebot des HErrn, welches er seiner Kirche durch den Apostel 1 Cor. 1, 10. gegeben hat: „Ich ermahne euch aber, l. Brüder, durch den Namen unsers HErrn JEsu Christi, daß ihr allzumal einerlei Rede führet, und lasset nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest aneinander, in Einem Sinn, und in einerlei Meinung.“ Hier haben wir ein unbestreitbares Gottes-Gebot, daß in einer wahren christlichen Kirche nicht verschiedene Ansichten, sondern einerlei Meinung über die von Gott deutlich geoffenbarten Lehren herrschen müsse, ja daß die Glieder der wahren Kirche nicht nur einig sein sollen im Glauben ihres Herzens, sondern daß sie auch durch gleiche Worte, mit welchen sie ihre Lehre bekennen, ihre Einigkeit im Geist und Glauben offenbaren sollen. Ferner sagt derselbe Apostel: „Ich ermahne aber euch, l. Brüder, daß ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernt habt, und weichet von denselbigen.“ Röm. 16, 17. Hier hören wir, daß die Zertrennung, vor welcher Gott vor allem seine Kirche warnt, die Zertrennung durch eine andere, falsche Lehre ist, daß es aber recht und von Gott geboten ist, von denen zu weichen, oder sich äußerlich von denen abzusondern, die schon durch eine andere Lehre im Herzen von uns abgesondert sind. Ein Reformirter, der Gottes Wort für wahr und dennoch die Lehre seiner Kirche für die rechte hält, kann sich daher mit dem Lutheraner ebensowenig kirchlich vereinigen, wie der rechtgläubige Lutheraner mit dem Reformirten. Unirt sich der Lutheraner mit denen, die er für irrig hält, so bricht er seinen Taufbund, so verleugnet er thatsächlich den Glauben, den er bei seiner Confirmation feierlich beschworen hat, und fällt von seiner Kirche als ein Meineidiger ab. Ganz dem Worte Gottes gemäß heißt es daher in den symbolischen Büchern der evangelisch-lutherischen Kirche: „Schwer ist es, daß man von so viel Landen und Leuten sich trennen, und eine sondere Lehre führen will, aber hier (Matth. 7, 15. Tit. 3, 10. 2 Cor. 6, 14.) stehet Gottes Befehl, daß jedermann sich soll hüten, und nicht mit denen einhellig sein, so unrechte Lehre führen.“ (Schmalkaldische Artikel. Anhang f. 155. a.) Ferner wird im zehnten Artikel unserer Concordienformel gelehrt, daß man sich selbst durch äußerliche Ceremonien oder Mitteldinge nicht ohne Verleugnung der Wahrheit mit den Widersachern unsers Glaubens vereinigen könne, wenn sie sich mit uns „noch nicht in der Lehre verglichen“ haben. Daselbst heißt es daher unter anderm: „Wenn solche Ceremonien dahin gemeinet, also erfordert oder aufgenommen, als ob damit und dadurch beide widerwärtige Religion verglichen und Ein Corpus (ein Ganzes) worden, oder wieder ein Zutritt zum Pabstthum und ein Abweichen von der reinen Lehre des Evangelii und wahren Religion geschehen oder gemächlich daraus erfolgen sollte: in diesem Falle soll und muß gelten, das Paulus schreibet 2 Cor. 6.: „„Ziehet nicht am fremden Joch; was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsterniß? Darum gehet aus von ihnen, und sondert euch ab, spricht der HErr.““ (Erklärung. Art. 10. f. 316. a.) Aus dieser Stelle der öffentlichen Glaubensbekenntnisse unserer Kirche ersieht der christliche Leser, daß unsere Kirche schon längst eine solche Union laut göttlichen Befehls entschieden verworfen hat, durch welche zwei widerwärtige Kirchen in Ein Corpus oder Ganzes zusammengeschmolzen werden sollen, bevor sie nicht in der wahren Lehre einig geworden sind. Zwei Gründe sind es besonders, warum wir es für unsere heilige Pflicht halten, mit allem Ernste gerade gegen das Vorhaben Zeugniß zu geben, auch hier die unirte, sogenannte evangel. Kirche auszubreiten. Unser erster Grund ist, weil sich diese Kirche hier meist auf Unkosten der lutherischen sammeln muß. Unsere theuren Glaubensgenossen sind es vor allen, die zum Abfall von ihrem Glauben und ihrer Kirche gebracht und angeworben werden müssen, damit die neue evangel. Kirche bestehe; wir müssen sie daher für unsere gefährlichste Gegnerin, gleich der deutsch-methodistischen, ansehen, welche ebenfalls von der Ausplünderung anderer Kirchen und von der Abtrünnigkeit ihrer Glieder lebt. Die evangel. Kirche geht weder ruhig neben uns her, noch tritt sie gegen uns in einem entscheidenden Kampfe auf, wie andere Kirchen, sondern sie legt ihre Netze und Schlingen mitten in unser Lager, raubt unserer Kirche oft ihre besten Söhne und Töchter, macht sie gleichgültig gegen reine Lehre, erstickt in ihnen den Geist des Bekenntnisses und macht sie unthätig für den jetzt so nöthigen vereinten Kampf um das Kleinod der ungeschmälerten Wahrheit. Ein zweiter Grund, der uns bewegt, gerade hier nicht zu schweigen, sondern unsere schwache Stimme öffentlich zu erheben, ist die Ueberzeugung, daß der Verein, so klein er auch begonnen hat, doch überaus verderblich zu werden drohe für das Bestehen unserer Kirche insonderheit hier im Westen. Darum glauben wir es unsern hiesigen lutherischen Glaubensbrüdern schuldig zu sein, sie zu ermahnen, daß sie diese Erscheinung nicht als so unwichtig verachten, sondern erwachen und bedenken sollen, daß wir es einst am jüngsten Tage verantworten müssen, wenn