# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S185 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Briefe St. Pauli an Timotheum und Titum oder das apostolische Pastorale. 185 und können nun die zumal über ihre Berufstüchtigkeit angefochtenen Diener Christi und seiner Kirche — und wer wäre wohl ohne solche Anfechtung? — einen kräftigen und lieblichen Trost fassen. Denn um jene edlen und herrlichen Werke zu thun, dazu gehört nicht etwa schlechthin ein großes Maaß theologischer Gelehrsamkeit und öffentlicher Beredtsamkeit von dem Predigtstuhl, desgleichen ein hoher Grad geistlicher Weisheit, Erkenntniß und Erfahrung. Auch durch minder begabte Diener am Wort, so sie nur rechtgläubig und lehrtüchtig sind, wirkt der HErr durch seinen Geist und Wort in ihrem Munde diese Werke. Ja, nicht selten trägt es sich zu, daß schlichte, einfältige Pastoren, die aber ein von der Liebe Christi erfülltes Hirtenherz zu jedem ihrer Kirchkinder besitzen, Gemeinden haben, die im Bekenntniß des Mundes, sowie in den Werken der christlichen Liebe und in der Geduld unter dem Kreuz, in christlicher Sitte und Zucht, kurz in allerlei gottseligem Wesen, viel mehr Glauben und geistliches Leben zu erkennen geben, als solche Gemeinden, die große Theologen und Kanzelredner, selbst wenn diese rechtgläubig sind, zu ihren Predigern haben. Und unleugbar will der HErr und König seines geistlichen Reichs, seiner Kirche auf Erden, auch dadurch anzeigen, daß die Wirkungen seines Evangelii allein aus seiner freien Gnade, nicht aber aus großen natürlichen und geistlichen Gaben seiner Diener, obgleich er selbst diese ihnen zugetheilt, fließen. Und damit Ihm allein die Ehre bleibe, der nach dem gnädigen Wohlgefallen seines Willens Alles in Allen wirket, und damit vor Ihm kein Ansehen der Person gelte, kein Fleisch sich rühme, deshalb richtet er zuweilen durch schwächere und gebrechliche Werkzeuge große Dinge aus, die er den großartig Begabten versagt. Es sollen also auch die minder Begabten, so sie nur treu sind — und an den Haushältern sucht man ja billig nichts anderes, denn daß sie treu erfunden werden — sich deß fröhlich getrösten, daß auch sie der HErr des Weinbergs, der Vater, auf die Bitte der Gläubigen, zur Arbeit in seiner Kirche berufen, daß auch sie der HErr Christus als Hirten und Lehrer gesetzt, daß auch sie der h. Geist durch ihre Gemeinden zu seinen Mithelfern und Mitarbeitern bestellt hat, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche dieser durch sein eigenes Blut erworben hat. Die mehr Begabten und Gelehrten aber mögen deß stets eingedenk bleiben, daß sie in sich selbst nichts sind, daß sie alles, was sie sind und haben, aus der freien und unverdienten Gnade und Gabe Gottes um des verdienstlichen Leidens und Sterbens Christi willen empfangen haben, um in dienender Liebe zum gemeinen Nutz um so reichlicher ihr Pfund anzuwenden, und daß gerade ihnen der Teufel durch geistlichen Hochmuth um so mehr nachstellt, um sie aus der Einfältigkeit in Christo zu verrücken, falsche und verführerische Lehre in ihr Herz und Sinn, Mund und Feder zu geben, dadurch die Jünger an sich zu ziehen und die Kirche Christi zu zerreißen. Beiden aber, den mehr und minder begabten und gelehrten Dienern der Kirche, ziemt es gleichmäßig, da eben alles in Allen die freie Gnade Gottes ist und wirkt, zu den Füßen des göttlichen Worts sitzen zu bleiben; beiden ziemt es, auch aus den vorliegenden Briefen St. Pauli immer besser zu lernen,