# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S183 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Briefe St. Pauli an Timotheum und Titum oder das apostolische Pastorale. 183 lichen Handleitung des vom heil. Geiste erleuchteten Apostels sich für und in allerlei Fällen seines amtlichen Handelns zurecht zu finden und das rechte Wort am rechten Orte zu haben. Es ist aber eine gemeine Erfahrung, daß gerade solche Diener am Worte, die ein sonderlich zartes und vom heil. Geiste durch sein Wort geschärftes Gewissen haben und die in großer Furcht Gottes ihres Amtes warten, auch von der Schwere und Verantwortlichkeit desselben sonderlich gedrückt werden, unter viel Kummer und Seufzen dahingehen und in stetiger Sorge schweben, ob sie nicht am Ende durch ihr natürliches Ungeschick dem Werke des HErrn an den Seelen ihrer Kirchkinder hin und her hinderlich in den Weg treten. Und wenn sie gleich deß gewiß sind, daß sie das reine Wort Gottes öffentlich predigen und die Sakramente laut des Evangelii reichen, so sind sie doch vielfach in Hinsicht auf Privat-Seelsorge und Gemeindeleitung bekümmert und geängstet. Sie fürchten sich vor sich selbst, daß sie, nach der Unart ihres alten Adam, der Sache bald zu viel, bald zu wenig thun, bald durch voreilige Hast und unzeitigen Eifer die Gemeinde zu etwas treiben, dazu sie innerlich noch nicht reif ist, bald durch Menschenfurcht oder Trägheit oder Leichtsinn an ihren Pfarrkindern etwas versäumen und dahintenlassen. Summa, sie fühlen, zumal wenn sie von Natur schwermüthigen Temperaments sind, mehr den Druck und die Bürde ihres so hoch verantwortlichen Amtes und Berufs, als daß sie, selbst unter mancherlei Amtskreuz, durch den Glauben an den auch für sie Gekreuzigten und Auferstandenen und durch die Kraft seiner Auferstehung fröhlich einherwandelten und sich der Göttlichkeit ihres Berufs als Botschafter an Christi Statt und als Mithelfer und Mitarbeiter des heil. Geistes guten Muths allezeit getrösteten. Da wird es denn nicht undienlich sein, vornehmlich diesen lieben Amtsbrüdern zu Lieb und Troste, aber auch allen zu Nutz und Frommen, und gleichsam zum Eingang in die Betrachtung der Pastoralbriefe, einige Stellen aus Luthers Schriften anzuziehen, die von der Würde und Herrlichkeit des heil. Predigtamts vor Gott handeln. So schreibt denn u. A. unser theurer Lehrer und Vater in Christo: „Ein frommer Pfarrherr oder Prediger ist Gottes Bote und Haushalter über seine Geheimnisse, Christi Diener, ein Heiland vieler Leute, ein König und Fürst in Christi Reich, ein Licht der Welt und theuer edler Schatz u. s. w. Dieses bezeuget die heilige göttliche Schrift, als Jesaias 52, 7. spricht der HErr HErr selber: Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Boten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen. Der HErr Christus selbst Luc. 10, 16.: Wer euch höret, der höret mich. St. Paulus 1 Cor. 4, 1.: Dafür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Und 2 Cor. 5, 20.: So sind wir nun Botschafter an Christi Statt; denn Gott vermahnet durch uns.“ Desgleichen in der Predigt: „daß man Kinder zur Schule halten solle:“ „Du magst von Herzen dich freuen und fröhlich sein, wo du dich hierin findest, daß du von Gott dazu erwählet bist, mit deinem Gut und Arbeit einen