# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1864_S182 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 182 Die Briefe St. Pauli an Timotheum und Titum oder das apostolische Pastorale. diesen Briefen zu geben. In diesen soll nun, so weit Gott das Vermögen darreicht, in besonderer Anwendung auf die Diener am Wort das nachgewiesen werden, was St. Paulus von der heil. Schrift, also auch von diesen seinen eigenen Briefen schreibt. Denn 2 Tim. 3. lautet es also: „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen und zu allem guten Werke geschickt.“ Und Röm. 15, 4. sagt er ferner von der heil. Schrift, daß sie auch zum Troste diene. Wie also die ganze heil. Schrift alten und neuen Testaments in diesen fünf Beziehungen allen Christen insgemein noth und nütze ist, so ist dies sonderlich mit den Pastoralbriefen des theuren Apostels in Bezug auf die Hirten und Lehrer der Kirche der Fall. Denn aus diesen Episteln können sie lernen, was und wie sie, nach der Anweisung des heil. Geistes lehren, strafen, bessern, erziehen und trösten sollen, um in den ihnen befohlenen Gemeinden, dieser Heerde Christi, ihr Amt dem HErrn zu allem Gefallen auszurichten und als treue und tüchtige Arbeiter erfunden zu werden. Selbstverständlich ist es, daß sie, um dies immer besser auszurichten, im wahren Glauben an ihren HErrn und Heiland stehen und darin immer mehr zunehmen müssen. Und nicht minder ist von Nöthen, daß sie in Kraft dieses Glaubens und des heil. Geistes, der durch den Glauben seine Wohn- und Werkstätte in ihnen hat, von der Liebe zu Christo für dieses Weiden seiner Schaafe bewegt und getrieben werden. Denn wann erst sagte Christus zu dem tief gefallenen und doch wiederum begnadigten Petro: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe?“ Erst dann, als dieser, dem viel vergeben war, auf die Frage des HErrn: „Simon Johanna, hast du mich lieb?“ mit gutem Gewissen antworten konnte: „HErr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe.“ In welchem Diener der Kirche also die Liebe zu Christo, und sei sie, nach seinem eigenen Fühlen und Ermessen, noch so schwach, nicht die bewegende Kraft all seines amtlichen Handelns an der ihm befohlenen Heerde Christi ist, der ist zu jenem Weiden unwürdig und ungeschickt, selbst wenn er eine Weile die reine Lehre öffentlich verkündigte; der ist ein glaubloser Miethling und Bauchdiener, ja, so lange er also bleibt, ein verfluchter Mensch, wie St. Paulus von jedem Namen- und Maulchristen insgemein mit ausdrücklichen Worten bezeugt 1 Cor. 16, 22. Ein treuer und tüchtiger Diener des HErrn und seiner Kirche kann mithin nur derjenige sein, dessen herrschende Gesinnung der Glaube und die Liebe sowohl zu Christo, als auch um Christi willen zu den von Christo theuer erkauften Menschen ist, und der auch von dem HErrn mit den nöthigen natürlichen und geistlichen Gaben genugsam ausgerüstet ist. Nur ein solcher ist fähig und geschickt, nach Gottes Willen und nach dem Unterricht des theuerwerthen Apostels zunächst an Timotheum und Titum sein Volk recht zu lehren, zu strafen, zu bessern, in und zum Glauben und gottseligen Wesen zu erziehen und zu trösten und schließlich durch und in Christo selig zu machen. Nur ein solcher wird denn auch im Stande sein, nach dieser väter⸗